"Suicide Squad": Die bösesten Helden aller Zeiten

Was wir bereits wissen
Superschurken statt Superhelden: "Suicide Squad" stellt die Welt der Comicverfilmungen auf den Kopf! GOLDENE KAMERA besuchte die Dreharbeiten des Actionkrachers in Toronto.

Margot Robbie zeigt gerade die Tattoos auf ihren fast nackten Oberschenkeln, als an der nächsten Ecke irre laut eine MG-Salve losrattert. Wo sind wir hier bloß gelandet?! In den Pinewood-Studios in Torontos Hafengegend, am Set der mit Hochspannung erwarteten DC-Comicverfilmung "Suicide Squad" (Kinostart: 18. August).

Trailer zu "Suicide Squad“

GOLDENE KAMERA taucht bei sonnigem Wetter in die düstere, abartige Welt der Superschurken ein, spricht mit Machern und Schauspielern – und erfährt, warum "Suicide Squad" nach Abschluss des 94-tägigen Drehs die innovativste und frechste Comicverfilmung seit "Guardians of the Galaxy" oder "Deadpool" und damit wohl der Sommerfilm des Jahres 2016 werden könnte.

Worum geht's in "Suicide Squad"?

Der erste Superschurken-Film der Kinogeschichte basiert auf der gleichnamigen DC-Comicreihe, die seit 1959 in unterschiedlichen Neuinterpretationen erscheint: US-Agentin Amanda Waller (Viola Davis) stellt ein Team der gefährlichsten Verbrecher der Welt zusammen, um sie mit Sprengsätzen im Nacken ein noch größeres Übel bekämpfen zu lassen.

Als Anführer des dreckigen Dutzends wird der Elitesoldat Rick Flag (Joel Kinnaman) abgestellt, die schweigsame Schwertkämpferin Katana gibt ihm Rückendeckung. Zu dem wilden Haufen, den sie bändigen müssen, gehören Scharfschütze Deadshot (Will Smith), Großmaul Boomerang (Jai Courtney), das menschenfressende Krokogesicht Killer Croc (Adewale Akinnuoye-Agbaje), Harley Quinn (Margot Robbie), die Geliebte des Jokers, und Flammenwerfer Diablo (Jay Hernandez). Ziehen sie das Himmelfahrtskommando durch, werden ihre Haftstrafen reduziert.

Aber vor allem wollen sie endlich mal wieder raus! Da die Superverbrecher von Batman eingebuchtet wurden, tritt Ben Affleck in entsprechenden Rückblenden auf. (Und, echte Fans kennen das bereits: Wie immer lohnt es sich, den Abspann abzuwarten …)

Weitere Schlüsselrollen in "Suicide Squad" spielen die mystische Enchantress, die von der Archäologin June Moone (Cara Delevingne in einer Doppelrolle) Besitz ergriffen hat und natürlich der durchgeknallte Kultbösewicht schlechthin: Joker (Oscarpreisträger Jared Leto) mitsamt seinem Killerteam. Der will seine süße Harley Quinn zurück!

Der Joker ist "eher Arbeiterklasse"

Regisseur David Ayer ("Herz aus Stahl") geht ein hohes Risiko ein, die weltberühmte Figur des Jokers zu zeigen – und Schauspieler Jared Leto ebenso. Wird seine Leistung doch mit der von Heath Ledger in "The Dark Knight" (2008) verglichen werden. "Ich bekam viel Inspiration von Drogenbaronen auf Instagram", erklärt der Regisseur seinen Ansatz. "Es ist ein toller Weg, den Lifestyle von Bösewichten zu verstehen."

In der optischen Erscheinung wird der Joker in diesem Film wieder klassisch schlicht auftreten, in Grün und Lila, aber mit Metallzähnen und Tattoos. "Er ist eher Arbeiterklasse", so David Ayer. "Meine Gedanken waren: Wenn es den Joker heutzutage wirklich gäbe, wo käme er her? Wie würde er aussehen? Was würde er für Geschäfte machen?"

Joker-Darsteller Jared Leto wird am Set von der Presse komplett abgeschirmt, denn das "Method Acting" hält ihn auch in den Pausen in seiner üblen Rolle. Kostümdesignerin Renee Fontana berichtet: "Jared sagte: Wenn ich zu euch komme, bin ich der Joker, also passt auf!" Der 44-Jährige schickte Margot Robbie eine lebende Ratte, die Crew bekam benutze Kondome oder Analkugeln ...

"Mit Jared ist es interessant", bestätigt Margot Robbie, "manchmal schrecklich peinlich, manchmal furchteinflößend, manchmal total lustig. Ich versuche dann, nicht zu lachen. Er sagt die komischsten Sachen! Ich dachte nicht, dass der Joker tatsächlich so witzig ist!" Für die weniger komischen Momente beim Dreh ist eigens ein Therapeut am Set.

Verfolgungsjagd vor 40.000 Fan

Psychologische Hilfe könnte wohl auch auf Stage 3 nötig sein. Hier wurde für eine große Schießerei eine Straße nachgebaut. In Toronto selbst wurde eine Verfolgungsjagd mit dem Joker vor 40.000 Fans gedreht – und stilecht liegen hier Patronen, Steine und fünf "Brandopfer" herum. Es handelt sich um die Szene, die auch bereits in einem der Trailer zu sehen war: Die "Suicide Squad" legt sich dabei mit merkwürdig teerartigen Wesen an.

Regisseur David Ayer durfte sich für das Drehbuch im großen DC-Universum bedienen. Sein Regiestil ist dagegen eher eng gefasst, wie Joel Kinnaman erzählt: "David hat uns einen ganzen Monat lang proben lassen – in einem Raum. Er fragte: Wovor hast du am meisten Angst? Was ist das Peinlichste, das dir passiert ist? Was das Schlimmste, das du je getan hast? Dabei bröckelt schnell die Fassade, jeder muss seinen Arsch zeigen."

David Ayer selbst meint dazu: "Es ist erstaunlich, was man alles über eine Person erfährt, wenn man ihr ins Gesicht schlägt. Dabei wird man den ganzen 'Ich bin Schauspieler'-Kram los und dringt zu dem wahren Menschen vor – und dann kann man anfangen zu arbeiten."

Inzwischen wird auch draußen, vor der Greenscreen und zwei riesigen Lichtkränen, eine weitere derbe Schießerei gedreht, in die das "Suicide Squad"-Team, ein Black-Hawk-Hubschrauber und ein Flugzeug involviert sind. Margot Robbie berichtet noch schnell von ihrer Traumrolle: Als ehemalige Psychologin Harley Quinn ist sie intelligent, unberechenbar, extrem gefährlich – und sexy. "Ich dachte: Mütter, ihr werdet mich hassen!", kommentiert die 26-jährige Australierin ihr knappes Outfit. "Schon nach dem Trailer liefen achtjährige Mädchen herum, die wie eine Prostituierte aussehen."

"Daddys Lil Monster" steht auf ihrem Shirt, "Love" und "Hate" auf ihrem Baseballschläger. Und die Tattoos auf den Beinen sind auch nicht ohne: "Harley hat sie sich im Gefängnis selbst gestochen: Jokers Gesicht, ein Herz, kranke Dinge halt."

Als wir wegen der Schüsse wieder einmal die Kopfhörer aufsetzen wollen, kommt Will Smith zu uns: "Da ist ja die Partyfraktion", grüßt der Megastar, der erstmals seit "Independence Day" (1996) einen Ensemblefilm veredelt, gut gelaunt. Seine Figur Deadshot ist der wahre Anführer der "Suicide Squad", und er versteht sich blendend mit der sperrigen Harley Quinn.

Bevor der 48-Jährige die berühmte Handgelenks-Magnum zum Einsatz bringt, verrät er noch schnell das Geheimnis der heutigen Szene: "Beim ersten Einsatz wissen wir nicht, wer die Zielperson ist – bis sich herausstellt: Es ist Amanda Waller! Dann sehen wir den Joker und Harley Quinn im Hubschrauber davonfliegen. Amanda überlebt und sagt zu Deadshot: 'Du bist frei, wenn du Harley wegnietest.'" Ein fieses Dilemma, um das die Zuschauer ihn nicht beneiden werden, wenn "Suicide Squad" endlich in den Kinos läuft.

Text: Oliver Noelle

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