Netflix vs. Amazon Prime: Wer passt zu Dir?

Serienhits von Amazon Prime und Netflix: "I Love Dick", "Jessica Jones", "The Defender" und "Jean-Claude Van Johnson"
Was wir bereits wissen
Amazon Prime und Netflix buhlen mit allerlei Streams um die Gunst der Film- und Serienfreunde. Aber welcher Anbieter erfüllt welche Bedürfnisse besser?

Kommen Freunde von Filmen und Serien eher bei Amazon Prime oder bei Netflix auf ihre Kosten? Wo wird Kindern mehr Spaß geboten? Wir haben den Test gemacht, einige Genres unter die Lupe genommen und anschließend knallhart Punkte verteilt.

Wer hat das beste Angebot für Filmfans?

Was Filme angeht, ist Amazon Prime den Kollegen von Netflix zahlenmässig haushoch überlegen: Amazon Prime hat 10.000 Filme im Programm, während Netflix gerade mal ca. 1.300 zur Auswahl hat. Tatsächlich kommt der geneigte Film-Fan bei Amazon Prime mehr auf seine Kosten, da er dort Klassiker wie "2001: A Space Odyssey" oder "The Aviator", aber auch brandneue Blockbuster wie den Thriller "Killing Seasons" oder das Drogendrama "Sicario" (u. a. mit Emily Blunt) streamen kann.

Trailer zu "Sicario"

Netflix begeisterte mit dem eigenproduzierten Kriegsfilm "Beast of No Nation" über Kindersoldaten in Westafrika, für den sie den charismatischen Idris Elba (vielleicht der nächste James Bond?) gewinnen konnten. Mit dem Kurz-Dokumentarfilm "The Lady in Number 6" gewann das Studio sogar einen Oscar.

Trailer zu "Beast of No Nation"

Da aber Amazon Prime die größere Auswahl und mehr Blockbuster hat, punktet Amzon Prime mit 1:0.

Wo kommen Serienfans mehr auf ihre Kosten?

Netflix hat nur um die 300 Serien im Angebot und liegt damit quantitativ definitiv hinter Amazon Prime mit seinen ca. vier mal so vielen Serien. Dafür hat Netflix sich die Rechte an Marvel Comic-Adaptionen gesichert und Serien wie "Jessica Jones" und "Daredevil" produziert. An weiteren Marvel-Serien wie "The Defenders", "Luke Cage" und "Iron Fist" wird zur Zeit noch gearbeitet. Zudem kündigte Netflix an, dass es im Januar 2017 eine brandneue "Star Trek"-Serie geben wird.

Netflix punktet zudem mit sehr erfolgreichen eigenproduzierten Serien, wie dem Knast-Opus "Orange is the new black", dem Politthriller "House of Cards" oder dem Drogen-Drama "Narcos". Einen Bauchklatscher landeten sie hingegen mit der vollmundig als "erster europäischer Serie" angepriesenen Politserie "Marseille", die trotz des grandiosen Gérard Depardieu in der Hauptrolle bei Presse und Publikum durchfiel und wie ein schnöder Aufguß von "House of Cards" wirkt.

Andere Serien, wie die mit 22 Emmys nominierte "American Crime Story" oder "Stranger Things" mit Winona Ryder, bezeugen jedoch, das Netflix sonst bei Serien sehr wohl das richtige Händchen hat. Just hat Netflix auch noch die Musik für sich entdeckt und rockt fürstreamende Music-Lovers mit "The Get Down", einer amtlichen HipHop-Dramaserie.

Die neue Pilot-Season von Amazon Prime hat jedoch auch einiges zu bieten. Zuschauerinnen und Zuschauer können ab dem 19. August bei Amazon Prime Pilot-Serienfolgen streamen, bewerten und somit bestimmen, was davon in Serie gehen soll – und was nicht. Zur Wahl stehen die Superheldenstory "The Tick", die Thriller-Serie "Jean-Claude Van Johnson" mit Jean-Claude Van Damme und die Drama-Serie "I Love Dick" mit Kevin Bacon.

Das Kunden-Feedback der vergangenen Pilot Seasons hat zu allerseits beliebten Serien geführt, wie der verdientermaßen mit mehrfachen Golden Globe und Emmy Awards ausgezeichneten Transgender-Dramedy "Transparent", dem Golden-Globe-Gewinner "Mozart in the Jungle" und zu "Man in the High Castle", der weltweit am häufigsten gestreamten Amazon Originals Serie aller Zeiten. Zudem wird Amazon Prime mit keinem geringeren als Altregisseur Woody Allen zusammenarbeiten: der soll eine neue Serie und einen Film drehen. Bei letzterem sollen Stars wie Kate Winslet und Jim Belushi mit von der Partie sein.

Serienmäßig sind also beide Streaming-Anbieter gleichauf. Macht 1:1!

Wo haben Comedy-Fans mehr Spaß?

Ganz klar vorn liegt Netflix im Bereich Late-Night-Show. Seit Mai gibt es hier drei Mal die Woche die "Chelsea Handler's Talk Shows" zu sehen, mit der für ihren Sarkasmus berühmten gleichnamigen US-Entertainerin. Die Folgen gehen weltweit zur gleichen Zeit online – eine absolute Neuheit!

Trailer von "Chelsea"

Sehr spaßig ist auch David Cross, der in "Making America Great Again!" den Präsidentschaftsanwärter Donald Trump aufs Korn nimmt. Wesentlich anzüglicher ist das Stand-up-Special "Ali Wong: Baby Cobra" geraten. Anzüglich wäre wohl auch gern Carolin Kebekus mit ihrem "Pussy Terror TV". Der Titel ist klasse, der Rest, nun ja, Geschmackssache ...

"300": Donald Trump Parodie

Amazon Prime hat in punkto Late-Night-Show kaum was zu bieten. Die beste ist "Chappelle's Show" des Comedian-Rappers Dave Chappelle; die ist sehr kultig, stammt allerdings aus den Jahren 2003 bis 2006 und ist damit ganz kalter Kaffee.

Hier also ganz klar die Wertung 1:0 für Netflix!

Wer hat das Beste für Kids?

Sowohl Amazon Prime als auch Netflix buhlen um die Gunst der süßen Kleinen. Während sie bei Netflix per Profilregelung einen eigenen Zugang bekommen und nach Herzenslust stöbern dürfen, ist man bei Amazon Prime noch nicht so weit. Auch hat Netflix seine Kids-Angebote wesentlich plausibler strukturiert. In den 13 Kategorien findet man beispielsweise die "Top-Auswahl für Kids", "Sprechende Tiere", "Lustig", "Gruselgeschichten"oder "Girlpower". Bei Amazon Prime gibt es nur sechs Gruppierungen, darunter "Die beliebtesten Kinderserien", "Die beliebtesten Kinderfilme" und "Hits für Vorschulkids". Hier liegt also klar Netflix vorn.

1. Folge von "Tom & Jerry"

Bei der Auswahl der Filme halten sich Netflix und Amazon Prime dann wieder die Waage: Netflix behauptet sich mit "Pokémon", "Madagascar" und "Ninjago", um nur einige zu nennen, und bietet auch alte Klassiker wie "Toy Story", "Aristocats" oder "Schneewittchen". Amazon Prime setzt auf beliebte Serien wie "Shaun das Schaf" oder "Das Grüffelo", hat aber auch kultige Kinderfilme wie "Janoschs’ Traumstunde", "Tom & Jerry" oder "Benjamin Blümchen" im Angebot.

Dank der kindgerechten Strukturierung seines Programms und seiner Profilregelung liegt Netflix mit 1:0 vorn.

Wo bekommen Wissenshungrige Futter?

Rein zahlenmässig sind bei Amazon Prime viel mehr Dokus zu finden (2.183, im Gegensatz zu mageren 213 bei Netflix). Jedoch sind nicht alle Dokus auf Amazon Prime "echte" Dokus; man findet dort auch Spielfilme wie "Kunduz – eine mörderische Entscheidung" mit Matthias Brandt. Im Bereich Biografie sind ganze 300 Einträge zu finden, hier kann man sich Biografien von Audrey Hepburn, Ronaldo oder Jimi Hendrix reinziehen. Der Bereich "Wissenschaft & Technologie" wird seltsamerweise von diversen Eichhörnchen-Filmen bevölkert.

Trailer zu "Cowspiracy: Das Geheimnis der Nachhaltigkeit"

Die insgesamt 213 Dokus bei Netflix sind hingegen "echte Dokus" und haben neben Natur- und Völkerkunde nicht nur Unterhaltsames, wie einige von Sarah Wieners beliebten "kulinarischen Abenteuern" im Gepäck, sondern bieten auch Überraschendes wie die Doku "Cowspiracy: Das Geheimnis der Nachhaltigkeit" über die Nachteile industrieller Viehhaltung.

Rein massentechnisch liegt also Amazon Prime vorn, aber themenmässig ist Netflix interessanter. Hier also 1:0 für Netflix!

Fazit: Who is hot – and who is not?

Netflix gewinnt mit 4:2. Statt Quantität bietet der Streaming-Dienst mit dem Slogan "Netflix und Chillen" Qualität, und die bringt die Punkte. Amazon Prime hat ein viel größeres Angebot, jedoch nicht so eine fein abgestimmte Auswahl wie der Konkurrent.

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