Baz Luhrmann: "Die Bronx war voller Gewalt - dann kamen HipHop und Graffiti"

Regisseur von "The Get Down": Baz Luhrmann (53)
Regisseur von "The Get Down": Baz Luhrmann (53)
Foto: © Theo Kingma
Was wir bereits wissen
"The Get Down" ist Baz Luhrmanns erste Serie. Zum Serienstart auf Netflix haben wir den australischen Regisseur zum Interview getroffen.

"Als nächstes drehe ich wieder einen Film! Die Erfahrung hat mich fast ins Grab gebracht." Das sind die ersten Worte aus Regisseur Baz Luhrmanns Munde, als er unsere GoKa-Reporterin Anke Hofmann im Beverly Hilton in Beverly Hills trifft, um über sein TV-Seriendebüt "The Get Down" zu plaudern. Aber zum Glück lacht er dabei, und hoffentlich sind die gesamten zwölf Folgen (sechs gibt es ab sofort bei Netflix; weitere sechs in 2017) nicht wirklich sein letzter Fernsehbeitrag.

Trailer zur 1. Staffel "The Get Down"

Interview mit Baz Luhrmann

Hatten Sie wirklich keine unerwartete Wonne während des Drehs?

Es begann vor zehn Jahren im Cartier Museum in Paris, das Züge mit Graffiti aus der Bronx der 70er Jahre ausstellte, mit einer Frage: Wie kamen diese Kinder, die im Nichts aufwuchsen, auf eine brandneue Idee namens HipHop? Ein Gehirn dachte sich einfach: Man nehme zwei Schallplatten und einen Takt? Und woher kam all diese Poesie, die sich als Graffiti überall in der Stadt ausbreitete? Damals plante ich natürlich einen Film und keine TV-Serie. Aber die unerwartete Wonne ist, dass ich dort endete, wo ich angefangen habe: im Laientheater. Dort habe ich meine erste musikalische Show aufgeführt. Natürlich in Australien. Aber für "The Get Down" bin ich in die Bronx gegangen und habe mit Menschen geredet, die dort leben und aufgewachsen sind. Und das hat meinen Verstand und mein Herz geöffnet. Und auch wenn ich jetzt klage, wie ausgelaugt ich mich fühle, weil ich kein junger Mann mehr bin, hat mich die Arbeit an dieser Serie innerlich verjüngt. Ich habe die Quelle wiedergefunden, warum mein Beruf mich erfüllt.

Welche Hürden mussten Sie für diese Serie überwinden?

Wenn man in Hollywood ein Projekt vorschlägt, das praktisch keine bekannten Namen aufweist, wird man nicht gerade mit offenen Armen empfangen. Aber zum Glück hatte ich noch ein paar Kredite im Showbusiness, die ich einlösen konnte. Und als wir endlich unsere Stars hatten, mussten wir ihnen erstmal beibringen, was HipHop wirklich ist. Denn sie kannten natürlich nur den HipHop der 90er Jahre (lacht). "The Get Down" spielt sich in einer Zeit ab, in der das Wort HipHop noch nicht existierte. Es wurde damals "The Beats" oder "The Breaks" genannt.

Baz Luhrmann und HipHop. Wie passt das zusammen?

Es ist lustig, wieviele Menschen mich fragen, ob ich wirklich auf HipHop stehe. Ja, ich mag HipHop. Aber ich mag auch die Oper. Ich differenziere nicht nach Musikrichtungen, sondern nur, ob die Musik gut oder schlecht ist. Ich bin ständig auf der Suche nach neuen Klängen und neuen Künstlern.

Kann Musik Menschen vereinen?

Die South Bronx gegen Ende der 70er Jahre war voller Gewalt und Drogenkriege und Rassismus. Waffen waren die Antwort auf all diese Spannungen – bis auf einmal jemand die Waffen niederlegte und stattdessen Musik und Sprühdosen in die Hand nahm. Wut wurde zu Kunst. Und wenn ich die Welt irgendwie mit dieser Serie motivieren kann, dann mit dieser Botschaft.

Text: Anke Hofmann

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