Grüße von der Gegenkultur: "Captain Fantastic"

Für seine sechs Kinder ist Ben Cash (Viggo Mortensen) "Captain Fantastic"
Für seine sechs Kinder ist Ben Cash (Viggo Mortensen) "Captain Fantastic"
Foto: © Universum Film
Was wir bereits wissen
In diesem Festival-Hit sehen sich Aussteiger Viggo Mortensen und seine Hippie-Kinderschar mit dem American Way of Life konfrontiert.

Matt Ross dürfte hierzulande (wenn überhaupt) als Schauspieler bekannt sein. Dabei ist der Darsteller des Hooli-Geschäftsführers Gavin Belson in der Sky-Atlantic-Sitcom "Silicon Valley" seit einigen Jahren auch als Autorenfilmer aktiv. Nach dem Beziehungsdrama "28 Hotel Rooms" hat er jetzt die Tragikomödie "Captain Fantastic: Einmal Wildnis und zurück" (Start: 18. August) vorgelegt, die auf dem Sundance Festival gefeiert wurde. Und das zurecht, denn die eigene Unsicherheit eines jungen Vaters, der sich fragt, wie man heutzutage seine Kinder richtig großzieht, hat Regisseur Ross in eine berührende Indie-Filmperle verwandelt, in der er Gegenkultur und Mainstream lehrreich aufeinanderprallen lässt.

Darum geht's in "Captain Fantastic"

Ben Clash (Viggo Mortensen) und seine Frau Leslie (Trin Miller) haben mit der US-Gesellschaft abgeschlossen. In den nördlichen Wäldern an der Pazifikküste haben sie sich ein Aussteigerrefugium geschaffen, in dem sie ihre sechs Kinder zu ökologisch und humanistisch bewussten Individuen erziehen. Das Weltverbesserer-Idyll gerät erst ins Wanken, als sich die Mutter wegen Depressionen in eine Klinik begibt und dort Selbstmord begeht. Obwohl Bens Schwiegervater Jack (Frank Langella) dem Hippie-Clan untersagt, zur Beerdigung seiner Tochter zu kommen, machen sich die Clashs auf den Weg, denn Leslie hatte eine ganz spezielle Vorstellung von ihrer letzten Reise in die ewigen Jagdgründe...

Trailer zu "Captain Fantastic" (Kinostart: 18.8.2016)

Wie uns "Captain Fantastic" und seine Rasselbande auf ihrem Roadtrip zurück in die "Zivilisation" mit staunenden Augen die Fehlentwicklungen unserer Wohlstandsgesellschaft vorführen, bildet dramaturgisch den roten Faden. Dabei ist die Stärke des Films, dass Ross nicht eindeutig Position bezieht, sondern auch den alternativen Lebensentwurf der Cashs auf den kritischen Prüfstand stellt. Dass die Erzählung dabei zum Ende hin doch etwas Schablonenhaft wirkt und in ein unangemessen blauäugiges Happy End mündet, lassen die exzellenten Darsteller verschmerzen. Allen voran "Herr der Ringe"-Naturbursche Viggo Mortensen, der als melancholischer Übervater eine Oscar-reife Performance abliefert...

Originalclip aus "Captain Fantastic"

Wer sollte sich "Captain Fantastic" anschauen?

Alle, die nichts dagegen haben, wenn Zivilisationskritik mal nicht bierernst präsentiert wird.

Warum muss ich "Captain Fantastic" sehen?

Weil man hier nicht nur eine charmante Story, sondern möglicherweise auch einen zukünftigen Oscar-Preisträger erleben kann.

Für Fans von...

"Little Miss Sunshine" (2006) und André Erkaus "Das Leben ist nichts für Feiglinge" (2012)

Die GOKA-Wertung

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