"Tatort: Durchgedreht": Extrem düsterer Auftakt nach der Sommerpause

Kommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, l.) und Freddy Schenk (Dietmar Bär, r.)
Foto: © WDR/Martin Valentin Menke
Was wir bereits wissen
Ein Mädchen muss in Köln mit ansehen, wie Mutter und Bruder brutal getötet werden.

Die Kölner Kommissare Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) müssen im "Tatort: Durchgedreht" (21. August, 20.15 Uhr, Das Erste) den furchtbaren Mord an einer Mutter und ihrem Sohn aufklären. Da ist bei den Ermittlern viel Einfühlungsvermögen gefragt, doch das scheint bei den beiden unterschiedlich stark ausgeprägt zu sein.

Was passiert im "Tatort: Durchgedreht"?

Die achtjährige Anna wird Zeugin, als ihre Familienmitglieder ermordet werden. Aber das traumatisierte Kind spricht nicht. Die dilettantisch ausgeführte Tat deutet erst auf einen missglückten Einbruch hin. Doch dann zeigt sich: Der Fall ist komplizierter.

Familienvater Sven Habdank (Alexander Beyer) war über Nacht nicht zu Hause, benimmt sich merkwürdig und verdächtigt seinen Bruder, eine Affäre mit der Getöteten gehabt zu haben. Mord aus Eifersucht?

Aber es gibt noch weitere Kandidaten, die ein Motiv haben: Habdank ist als Steuerfahnder ein harter Hund. Bald rücken auch jene Personen in den Fokus, denen er beruflich arg zugesetzt hat.

Was ist das Besondere an diesem "Tatort"?

Menschen in emotionalen Grenzsituationen: Dieser "Tatort" hat davon reichlich zu bieten. Ein Mädchen, das Morde miterlebt. Ein Mann, der Frau und Kind verliert. Ein Unternehmer, der pleitegeht. Alle sind verzweifelt, verlieren die Kontrolle über ihr Leben. Darauf bezieht sich auch der Titel "Durchgedreht".

Für die Kommissare eine schwierige Situation: Während Familienvater Schenk viel Verständnis für Habdank aufbringt und ihn als Opfer sieht, erscheint der Mann Ballauf verdächtig. Beide wissen zudem nicht, wie sie mit dem Mädchen umgehen sollen. "Das entspricht den Erfahrungen, die Psychologen mit traumatisierten Kindern machen", sagt Regisseurin Dagmar Seume. "Jedes reagiert anders. Es gibt kein Schema, das bei allen funktioniert."

Wer spielt mit im "Tatort: Durchgedreht"?

Max Herbrechter und Peter Benedict überzeugen als unsympathische Steuersünder. Am meisten beeindruckt Alexander Beyer als Habdank: ein ambivalenter Charakter, bei dem man ständig zwischen Mitgefühl und Misstrauen schwankt.

GOKA-Wertung

Ein traumatisiertes Kind, Eifersucht, Familiendramen, Steueraffären – und der BND mischt auch noch mit: Da wäre weniger vielleicht mehr gewesen. Dennoch funktioniert der Fall dank großer Spannungsbögen - inklusive eines hochdramatischen Finales.

Text: Thomas Kunze

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