Jenke unter Drogen: "Ich hatte einen gigantischen Filmriss"

Voll drauf: Jenke von Wilmsdorf testet Ecstasy, Speed, Ritalin und LSD
Voll drauf: Jenke von Wilmsdorf testet Ecstasy, Speed, Ritalin und LSD
Foto: RTL / Jürgen Schulzki
Was wir bereits wissen
Für die Auftaktfolge von „Das Jenke-Experiment“ (vier neue Folgen ab 5.9., 21.15 Uhr RTL) testete Jenke von Wilmsdorff (50) fünf illegale Drogen - unter wissenschaftlicher Aufsicht.

Was von Wilmsdorff, der 2012 für die „Extra“- Reportage „Das gnadenlose Geschäft mit der Flucht aus Afrika“ für den International Emmy nominiert war, dabei erlebte, verriet er im Interview mit GOLDENE KAMERA.

Welche der fünf Drogen hat am stärksten eingeschlagen?

Jenke von Wilmsdorff: LSD! Dadurch bin ich in spirituelle Bereiche gelangt. Zuerst wurde mir schwindelig, dann etwas übel. Anschließend schwebte ich – und „sah“ und „hörte“ Jimi Hendrix beim Komponieren zu. Die Visionen waren sehr stark. Den LSD-Rausch habe ich übrigens in Portugal erlebt, weil die Droge dort entkriminalisiert ist.

Keine Angst vor Abhängigkeit?

Nein. Laut Experten macht LSD nicht abhängig und es schädigt einen auch nicht. Es sei denn, man ist psychisch instabil oder trägt die Anlage einer Psychose in sich.

Für dieses gewagte Experiment werden Sie viel Kritik ernten - wie vor zwei Jahren beim Cannabis-Rauchen!

Ich weiß! Aber solange es der Sache dient, nämlich der Aufklärung und Abschreckung, kann ich gut damit leben. Ich mache das ja nicht aus Effekthascherei, sondern um die Zuschauer über die gefährlichen Wirkungen und Abhängigkeiten von Drogen zu informieren. Deshalb wurden meine Körperfunktionen auch während der kompletten Selbstversuche kontrolliert – und ich hatte zudem professionelle Trip-Begleiter sowie einen forensischen Wissenschaftler an meiner Seite.

Warum testen Sie ausgerechnet LSD, Speed, Ecstasy, Ritalin und K.O-Tropfen?

Weil diese Drogen längst in unserem Alltag angekommen sind, was wohl die wenigsten Zuschauer wissen.

Bei welcher Droge war Ihr Kontrollverlust am stärksten?

Bei den K.O.-Tropfen! Die Benzodiazepine haben mich komplett ausgeknockt. Ich hatte einen langen und beängstigenden Filmriss. Als ich wieder aufgewacht bin, zeigte mir mein Filmteam Polaroidaufnahmen von Dingen, die ich im Rausch getan hatte. Zu meinem Erschrecken habe ich mich an nichts davon erinnern können. Obendrein hatten mir meine Kollegen auch noch mein Handy, die Schlüssel und meine Kreditkarten „gestohlen“.

Welchen Effekt hatte Ecstasy?

Dabei habe ich mich zuerst gut gefühlt. Ich habe Ecstasy mit Speed kombiniert – und junge Menschen bei ihrem Partywochenende begleitet. Manche von denen werfen diese Kombi und noch mehr jeden Freitagabend ein – und feiern durch bis Montagfrüh. Doch die Folgen sind verheerend.

Inwiefern?

Wer stundenlang Ecstasy und Speed miteinander kombiniert – und obendrein Alkohol trinkt – riskiert gefährliche Wechselwirkungen und gerät schneller in eine Abhängigkeit als er glaubt. Die Meisten unterschätzen das gewaltig. Außerdem folgte eine regelrechte Depri-Woche auf den Konsum – der sogenannte „Rebound-Effekt". Das geht den meisten Konsumenten so, weil das Ecstasy den gesamten Serotonin-Speicher leert und es Wochen braucht, um den Speicher wieder zu füllen. Süchtige greifen deshalb regelmässiger zu Substanzen, aber die Wirkung wird schwächer, so dass die Dosis erhöht werden muss. Ich habe in mehreren Suchtkliniken mit Abhängigen gedreht, die alle glaubten, dass sie ihren Konsum im Griff hätten – bis sie merkten, dass sie den Kampf in Wirklickeit längst verloren hatten.

In 2015 ist die Zahl der Drogentoten um 19 Prozent gestiegen – und 1226 Menschen sind gestorben…

Das finde ich absolut erschreckend und alarmierend – aber das die Zahlen ansteigen überrascht mich kein bisschen. Immer mehr Menschen haben den Glauben, ohne Drogen nicht mehr funktionieren zu können. Sie fühlen sich überfordert und leer, da ist die gute Stimmung auf Knopfdruck für sie sehr verlockend. Drogen jedweder Art sind ja mittlerweile auch überall leicht zu bekommen. Schauen sie sich das "Darknet" doch mal an: Dort sind die Drogen-Verkäufer längst so aufgestellt wie die Händler bei Amazon – inklusive Bewertungen über den Reinheitsgehalt des Stoffs und den Wirkungsverlauf der jeweiligen Substanz.

Wo wurden der chemische Reinheitsgehalt der von Ihnen konsumierten Drogen untersucht?

Das hat ein sehr renommierter Professor der Chemie und Forensik aus Freiburg gemacht. Er hat die Struktur der in Deutschland verbotenen Substanzen wie Ecstasy, Speed und Co leicht verändert – und aus MDMA etwa MDAI gemacht, indem er jeweils ein Molekül entfernte oder hinzufügte. Insofern habe ich mich auch juristisch auf der sicheren Seite bewegt.

Jenke von Wilmsdorff berichtet über diverse Selbstversuche und Experimente bei "Inas Nacht"

Werden junge Menschen immer anfälliger für Drogen?

Ja, aber nicht nur junge Menschen erliegen den vermeintlichen Reizen. Ich habe junge Mütter getroffen, Mediziner und gestandene Persönlichkeiten, die regelmäßig Drogen konsumieren. Aber natürlich will besonders die sogenannte "Spaß-Generation" alles auf Knopfdruck haben: Party, beste Stimmung und alle Gefühle noch intensiver. Dabei fungieren Drogen meist nur als Gefühlsersatz- oder Vortäuschung und da liegt eine weitere Gefahr. Denn wenn Glücksgefühle durch Chemie ersetzt werden entsteht ein gefährlicher Teufelskreis.

Wie war das Gefühl, auf Ritalin zu sein?

Angeblich sollen sich Schüler und Studenten dabei bis zu 14 Stunden lang perfekt konzentrieren können - durch einen besonderen Tunnelblick. An deutschen Unis soll es mittlerweile zum "Lernstoff" gehören. Bei mir jedoch hatte Ritalin eine ganz andere Wirkung, über die ich jetzt aber noch nicht zuviel verraten möchte.

Wie haben sich die Drogen auf Ihre Gesundheit ausgewirkt?

Nach sieben Tagen waren wieder alle Blutwerte im grünen Bereich. Bloß nach dem Konsum von Ecstasy ging es mir länger nicht gut. Nach dem erhöhten Konsum waren meine Serotininwerte drei bis vier Wochen lang im Keller!

Wie geht‘s weiter? Testen Sie auch noch Crystal Meth, Kokain und Heroin?

Nein. Das muss ich auch nicht. Die von mir konsumierten Drogen sind stellvertretend. für die bedenkliche gesellschaftliche Entwicklung im Umgang mit diesen Substanzen. Der höhere Sinn meines Experiments ist es ja, zu verdeutlichen, wie sehr diese Substanzen mittlerweile von allen möglichen Gesellschaftsschichten missbraucht werden – von Politikern über Hausfrauen und Müttern bis hin zu Professoren und Richtern. Die Suchtkliniken sind voll und beinahe jeder kennt jemanden, der gefährliche Drogen regelmäßig konsumiert.

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Mit wieviel Protest rechnen Sie angesichts Ihres brisanten Experiments?

Ich rechne mit Kritik. Aber gerade nach meinen damaligen Alkohol-und Cannabis Experimenten habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich das Bewusstsein der Zuschauer durch solche Experimente schärfen lässt und wir sogar die große Politik zuweilen zum Umdenken animieren konnten. Durch meine Selbstversuch kläre ich die Menschen auf – und ich warne sie vor möglichen Konsequenzen.

Interview: Mike Powelz

„Das Jenke-Experiment“: Vier neue Folgen ab 5.9., 21.15 Uhr RTL

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