Schnappatmung im Kino: "Don't Breathe"

Auf dem Posterartwork von "Don't Breathe" nimmt Hauptdarstellerin Jane Levy den Filmtitel wörtlich
Auf dem Posterartwork von "Don't Breathe" nimmt Hauptdarstellerin Jane Levy den Filmtitel wörtlich
Foto: © Sony Pictures
Was wir bereits wissen
Im neuen Streich des "Evil Dead"-Gespanns Sam Raimi (Produzent) und Fede Alvarez (Regie) läuft ein Einbruchsversuch extrem böse aus dem Ruder.

Dass Fede Alvarez ein Talent für das Erzeugen cineastischer Hochspannung hat, stellte er bereits 2013 unter Beweis. Damals wurde der in Uruguay geborene Nachwuchsfilmer von Kultregisseur Sam Raimi mit der undankbaren Aufgabe betraut, ein Remake seines legendären Horror-Klassikers "Tanz der Teufel" zu drehen. Drei Jahre nach der konsequent zugespitzten Gewaltorgie "Evil Dead" beweist der 38-Jährige nun mit "Don't Breathe", dass dies kein Glückstreffer war. Im Gegenteil: Sein knapp 10 Millionen Dollar teurer Low-Budget-Schocker, der bei uns am 8. September startet, hat dem "Suicide Squad" bereits das zweite Wochenende in Folge den Spitzenplatz der amerikanischen Kinocharts streitig gemacht und dabei allein in den USA das Fünffache seiner Kosten eingespielt. Ein veritabler Überraschungs-Hit, der eindrucksvoll beweist, wie sich verdienter Zuschauer-Zuspruch auch ohne Megastars und Spezialeffekt-Spektakel generieren lässt.

Darum geht's in "Don't Breathe"

"Evil Dead"-Heldin Jane Levy spielt die abgebrannte White-Trash-Schönheit Rocky, die mit ihrer kleinen Tochter der tristen Lebensrealität Detroits entfliehen will und dafür mit ihren beiden Freunden Money (Daniel Zovatto) und Alex (Dylan Minnette) nächtliche Einbrüche durchzieht. Im Haus eines blinden Kriegsveteranen (Stephen Lang), der für den Unfalltod seiner Tochter eine riesige Abfindung eingestrichen hat, wittern sie den großen Reibach. Doch vor Ort müssen die drei schnell erkennen, dass ihr Opfer bei weitem nicht so hilflos ist wie gedacht...

Trailer zu "Don't Breathe" (Kinostart: 8.9.2016)

Während Fede Alvarez mit markanten Außenaufnahmen der zerfallenen "Motor City" Detroit das lebensechte Personal von "Don't Breathe" zu Sinnbildern sich gegenseitig zerfleischender Gesellschaftsverlierer stilisiert, lässt er im Laufe des unaufhaltsam eskalierenden Katz-und-Maus-Spiels raffiniert seine Suspense-Muskeln spielen. Mit suggestiven Kamerafahrten, einem grandiosen Übergang zu einer in schwarz-weiß gefilmten "Nachtsicht"-Sequenz und Rockys auf engstem Raum gedrehten Überlebenskampf gegen einen blutrünstigen Rottweiler lässt der Autoren-Genrefilmer die Haare seines Publikums zu Berge stehen – was auch für die unvorhergesehen perfiden Wendungen der im Kern schlichten Story gilt.

Wieviel abgründige Wahrheit in der zu Filmbeginn geäußerten Vorahnung ("Nur weil er blind ist, bedeutet das nicht, dass er ein verdammter Heiliger ist!") steckt, soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Doch wie es der 64-jährige "Avatar"-Haudegen Stephen Lang schafft, eine ambivalente Figur zwischen Horrorfilm-würdigem Aggressor und in die Enge getriebenem Opfer zu kreieren, ist eine Schauspielleistung, in der die Quintessenz des gesamten Films zum Ausdruck kommt: klein aber sehr fein.

Wer sollte sich "Don't Breathe" anschauen?

Alle, die starke Nerven und Spaß an kompromisslos harter Survival-Horror-Suspense haben.

Warum muss ich "Don't Breathe" sehen?

Weil Regisseur Fede Alvarez mitreißend vorexerziert, wie man mit kleinsten Mitteln große Wirkung erzeugt.

Für Fans von...

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Die GOKA-Wertung

Text: Alexander Attimonelli

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