50 Jahre "Star Trek"... dank Captain Kirk

Was wir bereits wissen
Am 8. September 1966 flog das "Raumschiff Enterprise" erstmals über amerikanische TV-Bildschirme. Das Kommando führte ein Mann, ohne den Gene Roddenberrys Popkultur-Universum längst implodiert wäre. Vorhang auf für die graue "Star Trek"-Eminenz William Shatner.

Es begann mit einer Vision: Drehbuchautor Gene Roddenberry versuchte Anfang der 1960er Jahre, die Idee für eine etwas andere Science-Fiction-Serie an die TV-Station zu bringen, in der das Konzept damals beliebter Western-Shows ins Weltall verlagert und die Utopie einer interstellaren Völkergemeinschaft propagiert wurde. 1964 zeigte der Sender NBC Interesse und gab grünes Licht für eine Pilotfolge von "Star Trek" (zu deutsch: "Der Zug zu den Sternen"). Doch "Der Käfig", in dem bereits Leonard Nimoy als Vulkanier Mr. Spock zum Dienst antrat aber Jeffrey Hunter als Captain Pike das Kommando auf dem Raumschiff Enterprise innehatte, fiel bei den Entscheidungsträgern durch...

"Star Trek"-Erfinder Gene Roddenberry zur Original-Pilotfolge "Der Käfig" (OF)

William Shatner in "Star Trek"

Im Sog der Mondlande-Bemühungen der NASA hielt NBC jedoch an Roddenberrys Sci-Fi-Vision fest und gab einen zweiten Piloten in Auftrag, bei dessen Produktion allerdings Jeffrey Hunter verhindert war. Stattdessen holte man mit dem in Montreal geborenen Kanadier William Shatner einen gelernten Shakespeare-Schauspieler an Bord, dessen Bühnensouveränität für Erdung inmitten wackliger Phantasiekulissen aus Pappmache sorgen sollte. Der erste Einsatz von "Raumschiff Enterprise"-Kapitän James T. Kirk flimmerte am 8. September 1966 (sechs Jahre vor dem deutschen Serienstart) über Amerikas Mattscheiben...

Opening der 1. "Raumschiff Enterprise"-Episode "Das Letzte seiner Art"

Neben fremden Welten und exotischen Lebensformen waren es vor allem Kirks "Larger than life"-Auftritte als wagemutiger Weltraumcowboy, die "Star Trek" zur TV-Attraktion machten. Während die Serie davon profitierte, dass Shatners Ego schon damals so groß war, dass er keine Angst vor Blamagen hatte, sorgte sein Narzissmus hinter den Kulissen für schlechte Stimmung. Und die ließ sich noch Jahrzehnte später daran ablesen, dass George "Sulu" Takei und James "Scotty" Doohan bis zur späten Aussöhnung schlecht auf ihren Ex-Kapitän zu sprechen waren. Andererseits bedurfte es damals eines wagemutigen Selbstdarstellers wie Shatner, um provokante Themen unters Fernsehvolk zu bringen – wie den ersten gemischtrassigen Kuss der amerikanischen TV-Geschichte...

Der Kuss von Uhura und Kirk (Folge "Platons Stiefkinder", 3. Staffel, Erstausstrahlung 1968)

Dass sich mehrere Fernsehstationen 1969 weigerten, die Episode "Platons Stiefkinder" auszustrahlen, war allerdings nicht der Grund, warum "Raumschiff Enterprise" nach drei Staffeln und insgesamt 79 Folgen eingestellt wurde. NBC hatte die Serie im Freitagabendprogramm platziert und damit selbst für schwache Zuschauerzahlen gesorgt. Die Absetzung rief nicht nur den Ärger der "Trekkie"-Fangemeinde auf den Plan, die 1972 aus Trotz ihre erste "Star Trek"-Convention veranstaltete, sondern stürzte auch Hauptdarsteller Shatner in eine Krise. Nach der Trennung von seiner ersten Frau war der in die Sci-Fi-Schublade geratene Universalschauspieler pleite und hielt sich in einem Wohnwagen hausend mit Serien-Nebenrollen und B-Movies über Wasser, profilierte sich aber nebenbei weiterhin als "Mann der Sterne"...

William Shatner singt "Rocket Man" bei den Science Fiction Film Awards 1978

Eine weise Entscheidung, denn im Blockbuster-Fahrwasser von "Krieg der Sterne" plante das Studio Paramount 1977, "Star Trek" als Serie wiederzubeleben. Shatner & Co. wurden zu Probeaufnahmen wiedervereint und durften erleben, dass kurz vor dem Drehbeginn zu "Phase II" das Projekt überraschend gestoppt und kurzerhand in das erste Leinwandabenteuer der Enterprise umgemodelt wurde...

Trailer zu "Star Trek: Der Film" (1979)

Zwischen 1979 und 1991 entstanden sechs "Star Trek"-Filme, mit denen das auch hinter den Kulissen eng befreundete Dream-Team Kirk und Spock endgültig zu Ikonen der Popkultur avancierte und auf deren Erfolgswelle 1987 die Serien-Fortsetzung "Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhunder" mit Patrick Stewart als Kirk-Nachfolger Captain Picard an den Start ging. Zur finalen Staffelübergabe zwischen Shatner, der zwischenzeitlich auch als Fernseh-Cop "T.J. Hooker" für Quote gesorgt und beim fünften "Star-Trek"-Film "Am Rande des Universums" nicht nur im Kommandosessel, sondern auch im Regiestuhl Platz genommen hatte, kam es 1994 im ersten Kinofilm der "Next Generation"-Crew...

Kirks Sterbeszene in "Star Trek: Treffen der Generationen" (1994)

William Shatner nach "Star Trek"

Shatner wäre allerdings nicht Shatner, wenn er sich mit dem Tod seiner Paraderolle abgefunden hätte. Als Autor, der seit Anfang der 90er Jahre mit seiner eigenen Science-Fiction-Reihe "TEK War" erfolgreich war, begann er, fleißig "Star Trek"-Romane zu schreiben, in denen ein wiederbelebter Kirk weiter das 24. Jahrhundert unsicher macht. Während sich das "Star Trek"-Universum mit vier Picard-Kinofilmen sowie den Serien-Ablegern "Deep Space Nine", "Raumschiff Voyager" und der Prequel-Show "Enterprise" immer weiter ausdehnte, sorgte der geschäftstüchtige Tausendsassa mit diesen Romanen und selbstironischen Auftritten dafür, dass der Kult um seine Person und damit auch der Kult um "Star Trek" am Leben blieb...

Originaltrailer zu "Free Enterprise" (1998)

Selbst in seiner mit zwei Emmys und einem Golden Globe ausgezeichneten dritten Paraderolle als schräger Kamikaze-Anwalt Denny Crane ließ es sich Shatner zwischen 2004 und 2008 nicht nehmen, die ein oder andere Anspielung auf die kosmischen Wurzeln seiner Karriere einzusträuen...

"Star Trek"-Referenzen in "Boston Legal"

Ein Jahr später verwandelte sich Shatner, der zwischenzeitlich seine Bestimmung als erfolgreicher Perde- und Hundezüchter sowie als besessener Charity-Worker gefunden hatte, wieder zum gefragten Dauergast auf dem weltweiten Convention-Zirkus. Der Grund: J.J. Abrams präsentierte sein bislang drei Filme umfassendes "Star Trek"-Reboot, in dem Chris Pine als Captain Kirk Jr. zu sehen ist. Zum Gipfeltreffen mit dem großen Vorgänger kam es allerdings nicht in konspirativen Vorgesprächen oder auf der Showbühne, sondern am Rande von Shatners alljährlicher "Hollywood Charity Horse Show" – eine stille Wachablösung, die der mittlerweile 85-Jährige mit 2,3 Millionen Twitter-Followern natürlich genüsslich auf seinen vielen Social-Media-Kanälen ausschlachtete...

1. Treffen der Captain Kirks

Bleibt die Frage, ob es in einem der nächsten "Star Trek"-Filme vielleicht doch noch zu einem Cameo-Wiedersehen mit dem alten Kirk kommen wird. Eine Frage, die der Spartensender SyFy auf der diesjährigen FedCon in Bonn exklusiv für die GOLDENE KAMERA gestellt hat...

William Shatner zur Cameo-Frage in zukünftigen "Star Trek"-Filmen

Vielleicht sind 50 Jahre im Dienste der Sternenflotte aber auch wirklich genug. William Shatner hat mit seinem Alter Ego jedenfalls längst Frieden geschlossen: "Ich bin dankbar, denn rückblickend ist es das Beste, was mir je passiert ist. Die meisten Schauspieler schlagen sich durchs Leben und werden nie wahrgenommen. Captain Kirk hat mir viele Türen geöffnet."

Sendehinweis

Zum 50. Jubiläum zeigt SyFy vom 8. September 21.40 Uhr bis zum 11. September um 20.15 Uhr alle "Raumschiff Enterprise"-Folgen am Stück und in HD.

Und welcher "Star Trek"-Charakter bist du?

Text: Alexander Attimonelli

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