Michael Fassbender: "Ich wollte schon immer mal eine Bank ausrauben"

Michael Fassbender (39)
Michael Fassbender (39)
Foto: © Theo Kingma
Was wir bereits wissen
Das Drama "The Light Between Oceans" ist großes Gefühlskino mit Michael Fassbender und Alicia Vikander. Zum Kinostart trafen wir Hauptdarsteller Michael Fassbender zum Interview.

Australien um 1920. Auf einer winzigen Insel vor der Küste leben nur der Leuchtturmwärter Tom (Michael Fassbender) und seine Frau Isabel (Alicia Vikander). Da wird ein Boot mit einem Baby angetrieben. Isabel überzeugt ihren Mann, das kleine Mädchen zu behalten, aber ihn quält das Gewissen. Denn natürlich stellt sich heraus, dass sein geliebtes Findelkind sehr wohl eine Mutter (Rachel Weisz) hat …

Trailer zu "The Light Between Oceans"

Wir trafen zum Kinostart von "The Light Between Oceans" (8. September) Hauptdarsteller Michael Fassbender. Im Interview verrät er, dass er im wahren Leben nicht auf einer einsamen Insel leben könnte und schon immer mal eine Bank ausrauben wollte.

Interview mit Michael Fassbender

Dieser Film scheint Ihnen sehr ans Herz gewachsen zu sein. Warum?

Ich habe in vielen "X-Men" und Superhelden-Franchise-Filmen mitgespielt. Sie machen Spaß, aber der Mensch und die Handlung kommen dabei oft zu kurz. "The Light Between Oceans" fühlte sich so lebensecht an. Jeder kann sich in Tom und Isabel hineinversetzen und ihren Kinderwunsch, ihre Enttäuschung über die Fehlgeburten verstehen. Und als ein Baby am Strand angeschwemmt wird, ist es, als ob ihre Gebete erhört wurden. In Hollywood gibt es im Moment leider nicht sehr viele menschliche Geschichten, und als ich dieses Drehbuch las, war ich sehr gerührt.

Was wussten Sie über Leuchttürme vor diesem Film? Und warum sucht sich Ihre Figur diese verlassene Gegend aus?

Ich wusste und weiß immer noch nicht viel über Leuchttürme. Meine Figur Tom ist gerade aus dem Krieg zurückgekehrt und versucht, den Horror und die sinnlosen Tode, die er dort gesehen hat, zu verarbeiten. Heute würde man das wohl posttraumatische Belastungsstörung nennen. Er hat einen Pakt mit Gott geschlossen, dass er nie mehr einer Seele Leid zufügen würde, wenn Gott ihn beschütze und lebend aus dem Krieg herauskommen lasse. Das ist der Grund, warum er sich dieses isolierte Leben aussucht: Um den Menschen aus dem Weg zu gehen. Tom ist ohnehin nicht der sozialste Mensch. Er glaubt, dass die Einsamkeit Medizin und Therapie für seine Seele sei, aber erst durch Isabels Liebe lernt er wieder zu leben und sich Menschen zu öffnen.

Könnten Sie so isoliert leben?

Nur, wenn es dort einen Strand und hohe Wellen und gutes Essen gibt (lacht).

Wie würden Sie sich die Zeit vertreiben?

Mit Masturbation (lacht). Nein! Keine Ahnung. Ich verbringe viel Zeit alleine. Das bringt mein Beruf mit sich. Wenn ich ein Drehbuch lese, brauche ich meine Ruhe. Die Vorbereitung auf eine Rolle erfordert Isolation - entweder um einen Akzent zu lernen oder mich körperlich fit zu machen. Vielleicht neige ich auch zur Einsamkeit? Wer weiß, aber meine Medizin gegen die Einsamkeit ist Arbeit. Und wenn ich nicht arbeite, treffe ich mich mit Freunden. Ich reise auch gerne. Oder probiere mal etwas Neues aus, wie etwa Surfen. Ich habe es vor ein paar Jahren angefangen. Das macht mir unheimlich viel Spaß und hilft mir abzuschalten und mich zu entspannen. Sobald ich im Wasser bin, geht es mir wieder gut.

Woher kommt Ihr beißender Humor?

Ich bin in Irland aufgewachsen, und diese Art von Humor steckt uns im Blut. Selbst wenn man harte Zeiten durchmacht, der Humor bleibt.

Isabel und Tom wünschen sich so sehnlich ein Kind, dass sie bereit sind, dafür ein Verbrechen zu begehen. Wofür wären Sie bereit, auf die andere Seite des Gesetzes zu springen?

Ich wollte schon immer mal eine Bank ausrauben (lacht). Einfach nur aus Jux und Tollerei. Das ist einer meiner Fantasien. Mich einfach mal gegen das Establishment stellen und von den Banken zurücknehmen, was sie von uns gestohlen haben.

Hat diese Rolle Ihnen Appetit auf Vaterschaft gemacht?

Wenn man älter wird, kommt dieser Instinkt von alleine. Ein Kind zu zeugen und es heranwachsen zu sehen, vielleicht sogar Enkel zu haben. Aber Vater zu sein bringt auch sehr viel Verantwortung mit sich.

Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit Alicia genossen?

Ihr Mut als Schauspielerin hat mich sehr beeindruckt. Sie war bereit Risiken einzugehen, auch wenn es in einer Bauchlandung hätte enden können. Sie ist sehr diszipliniert und willensstark. Und sie hat keine Angst, sich auch mal von ihrer hässlichen Seite zu zeigen.

Wie haben Alicia und Sie sich kennen gelernt?

Auf einer Tanzbühne bei den Filmfestspielen in Toronto. Ich hielt mich eigentlich für einen ziemlich guten Tänzer. Aber dann sah ich Alicia und ihre Freundin. Sie sind beide ehemalige Ballerinas. Seitdem habe ich zwei linke Füße (lacht).

Interview: Anke Hofmann

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