8 Geheimnisse zum Münster-"Tatort": Warum wechselt Boerne ständig seine Karre?

Was wir bereits wissen
Jan Josef Liefers verrät uns exklusiv acht Geheimnisse über den "Tatort Münster".

Der Münster-"Tatort" bricht alle Rekorde: Um mehr als 4,5 Millionen ist die Zuschauerzahl seit 2002 gewachsen - von 8,82 Millionen ("Der dunkle Fleck") auf 13,63 Millionen ("Schwanensee", 2015).

Pünktlich zur neuesten Folge "Feierstunde" (25. September, 20.15 Uhr, Das Erste) verriet uns Jan Josef Liefers (52) acht Geheimnisse über den Lieblingskrimi der Deutschen:

1. Geheimnis: Der erste Drehtag mit Axel Prahl

Liefers: "Das erste Mal vergisst man nie! Wir drehten die Szene, in der Kommissar Thiel in die Wohnung neben Professor Boerne einzieht. Sie begegnen sich im Treppenhaus, als der Kommissar mit einem noch in Einzelteilen verpackten Bett auf der Schulter ankommt. Daraus kann man doch was machen, sagten wir zum Regisseur und begannen, damit herum zu spielen, dass Axel sich mir immer zudrehen will, mich aber dabei mit den langen und sperrigen Bettpfosten immer um ein Haar k.o. schlägt. Ein paar Mal taucht Boerne geschickt ab, aber schließlich erwischt ihn Thiel und schlägt ihm aus Versehen einen Schneidezahn aus. Obwohl Axel und ich vorher nie zusammen gespielt haben, funktionierte das blind, ohne große Absprache oder komplizierte Verabredungen. Das war der Moment, in dem wir beide dachten: Na, das kann ja heiter werden! Und so kam es ja dann auch."

Trailer "Der dunkle Fleck"

2. Geheimnis: Der längste Drehtag

"Für immer im 'Tatort'-Buch der Rekorde vermerkt bleibt der letzte Drehtag zur Folge 'Satisfaktion'. Er begann am Freitag um 8 Uhr morgens und endete am nächsten Tag, also Samstag vormittags um 10. Mit 26 Stunden war das bis heute mein längster Arbeitstag überhaupt. An diesem letzten Tag musste alles, was vorher hängengeblieben war, noch zusätzlich zum normalen Pensum in den Kasten. Der Film war enorm aufwändig, eigentlich ein richtiger Kostümfilm, und überschritt die begrenzten Möglichkeiten eines 'Tatorts'. Wir hätten viel mehr Zeit gebraucht für diese Folge, aber wie es so ist, ein zusätzlicher Drehtag erzeugt erhebliche Kosten und die wollte oder konnte damals niemand berappen. Übrigens habe ich mir durch dieses stundenlange Über-Kopf-Fechten mit dem Säbel in den Mensurszenen der schlagenden Verbindung Schulterschmerzen eingefangen, die Wochenlang nicht weggehen wollten. Und in dieser Folge war der Boerne-Bart ausnahmsweise geklebt, was sich im Gesicht ziemlich unangenehm angefühlt und zusätzlich genervt hat. Aber es ist ein schöner Film dabei herausgekommen, und hey, das ist doch am Ende, was zählt."

Trailer zum "Tatort: Satisfaktion"

3. Geheimnis: Einfach tierisch!

"Der Regisseur Kaspar Heidelbach schaffte vor einiger Zeit für seine Familie zwei kleine Kater an. Die heißen tatsächlich Jan Josef und Axel. Das hat mich sehr gerührt. Und am Grunewaldsee in Berlin, mitten im Hundeauslaufgebiet, traf ich einen recht vornehmen Herrn mit einem Windhund und einer Bulldogge. Die hatte er Boerne und Thiel genannt. Und nun raten Sie mal, welcher Hund welchen Namen trug!"

4. Geheimnis: Schleichwerbung?

Boerne wechselt stets die Autos. Warum? Liefers: "Das war nie so geplant und geschieht auf Wunsch des Senders. Letztlich geht es auf den Druck bestimmter Zeitungen zurück, die nach dem Bekanntwerden einiger Fälle von Schleichwerbung in öffentlich-rechtlichen Sendern von diesem Thema gar nicht genug kriegen konnten und auch wegen Boernes Porsche Verdacht schöpften. Ich habe schon seit langem privat einen alten Porsche, inzwischen ein Oldtimer mit H-Kennzeichen. Damit hat mich wohl jemand mal herumfahren sehen und nun witterte der da eine Fortsetzung der eigentlich schon leergemolkenen Story. Der WDR wollte aber allen den Wind aus den Segeln nehmen, und so ist der eigentlich explizit als Porsche-Fahrer charakterisierte Boerne ein Markenhopper geworden.

5. Geheimnis: Insider-Gags

"Das schöne an der Figur Boerne ist, er kann nahezu alles! Wenn er plötzlich einen perfekten Karatekampf hinlegen würde, würde sich keiner sonderlich wundern. Man hält bei Boerne alles irgendwie für möglich. Sogar Daniel Barenboim hat mir einmal gesagt, wie angenehm verblüfft er war, dass in dem Professor so ein respektabler Konzertpianist steckt. Und mein Highlight ist des Professors fließendes Chinesisch!"

6. Geheimnis: Boernes Liebesleben

In "Der dunkle Fleck" wurde erzählt, dass Boernes Ex-Frau mit ihrem Therapeuten durchgebrannt ist. Liefers hat ihr folgende Story angedichtet: "Sie hat dem Professor das Herz gebrochen und dafür gesorgt, dass dieser Mann bedauerlicherweise nie wieder der Liebe verfallen konnte und sie stattdessen als törichten Zustand, ausgelöst durch fehlerhafte Biochemie, betrachtet. Reden wir also nicht mehr von der Dame!"

7. Geheimnis: Doktorarbeiten

"Ich glaube, es gibt eine oder zwei Doktorarbeiten über den 'Münster-Tatort'. Es gibt aber kurioserweise auch eine Predigt. Das Thema der Predigt kenne ich nicht, aber sie wurde tatsächlich beim Gottesdienst in einer Kirche gehalten und bediente sich gleichnishaft des Münster-'Tatorts'. Das ist doch ziemlich beeindruckend, finden Sie nicht? Ach so, und ein Comicheft habe ich zu Hause, in dem Thiel und Boerne vorkommen, aber nicht als Polizist und Rechtsmediziner.

8. Geheimnis: Die nächste Episode

"Es geht um eine Familientragödie, um Forschungsgelder und um Rache und Vergeltung. Und dem Professor geht es ernsthaft an den Kragen. So ein Drehbuch schreibt man eigentlich typischerweise für einen Darsteller, wenn er aus einer Serie aussteigen möchte. Oder aussteigen soll. Ob der 'Tatort: Feierstunde' wirklich Boernes Abschiedsspiel ist, erfährt man erst kurz vor dem Ende."

Text: Mike Powelz

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