Spaß am Trash: Neue Horrorserie "Slasher"

Der "Vollstrecker" tötet Bewohner einer kanadischen Kleinstadt. Wer wird wohl sein nächstes Opfer sein?
Der "Vollstrecker" tötet Bewohner einer kanadischen Kleinstadt. Wer wird wohl sein nächstes Opfer sein?
Foto: ©13TH STREET
Was wir bereits wissen
In der Horrorserie "Slasher" meuchelt ein Killer an einem Ort voller Geheimnisse. GOLDENE KAMERA hat sie vorab gesehen.

Darum geht’s in "Slasher"

Halloween 1988 war ein Tag des Grauens für das verschlafene kanadische Nest Waterbury: Eine Gestalt in der schweren Kutte eines Scharfrichters, genannt "der Vollstrecker", tötete mit seiner Machete Bryan Bennett und dessen schwangere Frau Rachel.

Das ungeborene Baby überlebte die Hinrichtung – und kehrt nun zurück: Zu Beginn von acht Folgen "Slasher" zieht die mittlerweile erwachsene Sarah mit ihrem Mann in ihr Elternhaus, um endlich mit der Vergangenheit abzuschließen. Sie stößt dort auf ein dunkles Geheimnis ihrer Eltern. Aber es kommt noch viel schlimmer, denn zur selben Zeit beginnt erneut ein "Vollstrecker" in Waterbury zu morden, obwohl der Täter von einst im Gefängnis sitzt. Zufall?

Trailer zu "Slasher"

"Slasher" lief im Frühjahr dieses Jahres als erste eigene Serie auf dem US-Sender Chiller – einem Special-Interest-Kanal, der seine Zuschauer rund um die Uhr das Gruseln lehren will. Jetzt ist sie in einer Event-Programmierung (ab 19. September, an vier aufeinanderfolgenden Tagen in Doppelfolgen, ab 21.50 Uhr, 13th Street) auch bei uns zu sehen.

Wer ist der "Vollstrecker"?

"Slasher" bietet so ziemlich alles, was man von einem typischen Horrorfilm erwartet: hölzernes Schauspiel, ungeschliffene Dialoge und Frauen mit der schlechten Idee, die Treppe in den ersten Stock zu nehmen, um sich zu retten. Sarah wird gespielt von Katie McGrath, die in "Jurassic World" von einem Pterodactylus und einem Mosasaurus verschlungen wurde. Ihre weniger bekannten Kollegen verkörpern das klischeebeladene Dorfpersonal von der garstigen Nachbarin über das schwule Quotenpärchen bis zum seligen Dorfpriester. Und irgendwann gerät jeder, selbst die Polizei, einmal in den Kreis der Verdächtigen – um dann meist ziemlich bald als Opfer des Vollstreckers zu enden.

Der tötet ausschließlich Bewohner, die eine der sieben Todsünden begangen haben. Warum er das tut, will Sarah unbedingt von Tom Winston, dem Mörder ihrer Eltern, erfahren. Sie besucht ihn im Gefängnis, da er zu wissen scheint, was im Kopf seines Nachfolgers vor sich geht. Hat Winston etwa einen frei herumlaufenden Komplizen, der für ihn weiter tötet?

Gelegentlich rätseln Sarah und der schwule Robin, wer wohl mit welchem Motiv als Täter infrage käme – ganz unbefangen bei einem Drink, so als wären sie selbst vom Vollstrecker kein Stück stärker bedroht als der Zuschauer auf der Couch. Dazu gibt es gut platzierte böse Gags, die ebenfalls belegen, dass die Serie sich selbst nicht ernst nimmt.

Wer wird das nächste Opfer sein?

"Slasher" hat das Zeug, zu einem "guilty pleasure" zu werden. Dafür gibt es zwar keine adäquate deutsche Übersetzung, aber das Phänomen lässt sich in etwa so erklären: Man schämt sich fürs Gucken, weil "Slasher" nur altbekannte Horrormuster aneinanderreiht – andererseits will man aber unbedingt wissen, wie das Ganze ausgeht. Schöpfer Aaron Martin sieht das trashige Werk etwas schmeichelhaft als einen Mix aus "Broadchurch" und Agatha Christie mit einer gehörigen Portion klingenscharfen Horrors.

"'Halloween' war ein Maßstab", ergänzt Regisseur Craig David Wallace, dem es gelungen ist, dem unterhaltsamen Unsinn einen durchaus hochwertigen Look zu verleihen. "Dazu noch viele weitere Werke aus dieser Filmära, besonders von Brian De Palma und Dario Argento – alles, wo aberwitzige Mengen an Blut fließen und nicht zimperlich mit Körperverletzungen umgegangen wird."

Obwohl die Identität des Mörders am Ende der siebten Folge enthüllt wird, halten sich die Macher die Option offen, nach dem Prinzip der "American Horror Story" weiterzumachen: mit derselben Besetzung, aber neuem Setting und neuen Figuren. Ein Ortswechsel tut auch not – Waterbury ist am Ende doch ziemlich blutverschmiert.

Text: Dirk Oetjen

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