Denzel Washington: "Mit dieser Rolle erfülle ich mir keinen Kindheitstraum"

GOLDENE KAMERA-Preisträger Denzel Washington (61) gibt mit "Die glorreichen Sieben" sein Western-Debüt
GOLDENE KAMERA-Preisträger Denzel Washington (61) gibt mit "Die glorreichen Sieben" sein Western-Debüt
Foto: © Theo Kingma
Was wir bereits wissen
Im Remake von "Die glorreichen Sieben" gibt Denzel Washington sein Western-Debüt. Wir sprachen mit dem GOLDENE KAMERA-Gewinner über seine Wild-West-Qualitäten und die Zusammenarbeit mit sein Lieblingsregisseur Antoine Fuqua.

Erst "Ben Hur" und jetzt "Die glorreichen Sieben" – Hollywood scheint in seinem Remake-Wahn vor wirklich keinem Klassiker der Kino-Geschichte zurückzuschrecken. Die vom Action-Experten Antoine Fuqua ("Olympus Has Fallen") inszenierte Neuauflage des Kult-Westerns von John Sturges, der seinerseits auf Akira Kurosawas Meisterwerk "Die sieben Samurai" basierte, kann aber immerhin mit einem mehrfach preisgekrönten Schauspielhaudegen aufwarten: Denzel Washington. Der zweifache Oscar-Gewinner und Preisträger der GOLDENEN KAMERA 2012 schlüpft in die Cowboy-Stiefel des Kopfgeldjägers Chisolm, den im Original von 1960 noch Yul Brunner verkörpert hat und der jetzt im Auftrag der jungen Farmerin Emma (Haley Bennett) mit sechs weiteren Desperados die Westernstadt Rose Creek gegen den schurkigen Minenbesitzer Bogue (Peter Sarsgaard) und seine Schergen verteidigt...

Trailer zu "Die glorreichen Sieben" (Kinostart: 22.9.2016)

Denzel Washington im Interview

Träumten Sie als kleiner Junge davon, ein Cowboy zu sein?

Ich habe mich mehr für Sport interessiert – American Football und Baseball. Ich kann mich nicht daran erinnern, je Cowboy und Indianer gespielt zu haben. Mein Vater war Pfarrer, ich bin praktisch in der Kirche aufgewachsen. Wenn ich mal ins Kino durfte, dann nur für "König der Könige" oder "Die zehn Gebote". Western kamen nicht in Frage (lacht). Mit dieser Rolle erfülle ich mir also keinen Kindheitstraum. Ich hatte auch keine romantische Vorstellung von dem Western-Genre. Mir gefiel einfach das Drehbuch, und ich wollte wieder mit Antoine Fuqua zusammen arbeiten. Er ist ein fantastischer Filmemacher und offensichtlich sind wir ein erfolgreiches Team. Wenn er ruft, folge ich. Wie schwer kann meine Arbeit sein, wenn ich Revolver zücken und Pferde reiten darf? (lacht)

Fühlen Sie sich ganz Mann mit einem Revolver in der Hand?

Nein, im wahren Leben ballere ich nicht mit einer Pistole rum. Im Film ist alles nur Schein. Wir benutzen keine echte Munition. Wenn der Regisseur "Cut!" ruft, stehen die Toten wieder auf. Meine Beziehung mit meinem Pferd war allerdings sehr intim. Monate vor dem Dreh habe ich mich stundenlang auf den Sattel gesetzt. Ich konnte schon vor diesem Film reiten, aber habe noch nie so viel Zeit mit einem Pferd verbracht wie jetzt. Und es hat mir Spaß gemacht, es zu füttern, zu waschen und mich um ihn zu kümmern. Ich war gut zu ihm und es war gut zu mir. Er liebte Karotten und hasste die anderen Pferde. Keiner durfte ihm zu nahe kommen, aber sobald die Kamera lief, war er der perfekte Schauspieler. Wenn man so viel Zeit auf dem Rücken eines Pferdes verbringt, bekommt man einen kleinen Geschmack davon, wie es im Wilden Westen wirklich gewesen sein muss. Ohne Pferd war man aufgeschmissen oder sogar dem Tode ausgesetzt. Und ich verstehe jetzt die Heilkraft der Pferdetherapie. Ich liebte das Gefühl von "Ich und mein Pferd". Und Pferde sind sehr sensibel. Sie fühlen es, wenn man Angst vor ihnen hat.

Gab es Verletzungen oder Unglücke am Set?

Nicht bei mir. Aber wir haben diesen Western nach alter Schule gedreht. Es gab also Verletzungen, wenn man vom Pferd gestürzt ist.

Das ist Ihr dritter Film mit Antoine. Was unterscheidet "Die glorreichen Sieben" von "Training Day" und "The Equalizer"?

Der einzige Unterschied bestand darin, dass am Set jetzt sieben Divas herumliefen. Antoine ist mit Western aufgewachsen und liebt sie über alles, da hat er uns sieben Divas gerne in Kauf genommen. (lacht)

Im Film ist der Boss der sieben Divas allerdings eine Frau: Haley Bennett. Wer ist der Boss in Ihrem Leben?

Boss in meinem Leben sind meine Mutter und meine Gattin. Ich kann mich schon froh schätzen, dass sie mich als Teil des Teams ansehen (lacht). Aber sie sind auch meine besten Freunde, die mit mir durch Dick und Dünn gehen und gegangen sind. Meine Frau ist eine fantastische Mutter, die sich während wir sprechen auf einer Yacht im Süden Frankreichs tummelt, um mit Magic Johnson seinen 25. Hochzeitstag zu feiern. Aber ich mache im Moment natürlich nichts lieber als mit der Presse über "Die glorreichen Sieben" zu plaudern (lacht). Und meine Mutter hat mir schon vor Jahren den besten Rat gegeben: "Junge, je älter man wird, desto älter wird man.“ Man sollte also sein Leben vereinfachen anstatt es zu verkomplizieren. Ich habe einen tollen Job und eine tolle Familie. Ich bin einfach glücklich.

Für den Regisseur ist dieser Film eine Metapher für den Kampf gegen die Tyrannei. Von Menschen, die sich wehren und gegen das System kämpfen. Stimmen Sie damit überein?

Die Tyrannei der bösen Goldgräber? (lacht) Ich habe beim Lesen des Drehbuchs keine solch tiefen Gedanken gewälzt. Ich habe mich einfach nur auf meinen Cowboyhut, mein Pferd und meinen Revolver gefreut (lacht).

Interview: Anke Hofmann

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