"Das weiße Kaninchen": Kinderfalle Internet

Arglos gibt die zwölfjährige Sara (Lena Urzendowsky) beim Chatten ihre Gedanken preis
Arglos gibt die zwölfjährige Sara (Lena Urzendowsky) beim Chatten ihre Gedanken preis
Was wir bereits wissen
Der Film "Das weiße Kaninchen" zeigt, wie sich Sextäter im Internet an Minderjährige heranmachen.

Der Titel ist harmlos, das TV-Drama, das dahintersteckt, verstörend. Im ARD-Film "Das weiße Kaninchen" (22. November, 20.15 Uhr, 3Sat) wird auf beklemmende Weise gezeigt, wie ein 13-jähriges Mädchen im Internet in die Fänge eines Sexualstraftäters gerät: Die Schülerin Sara (Lena Urzendowsky) ist im Alltag schüchtern und unsicher, besser läuft es im Internet. In einem Chat trifft sie Benny, der angibt, 17 zu sein, und mit dem sie sich bestens versteht.

Trailer zu "Das weiße Kaninchen"

Was Sara nicht ahnt: Hinter dem Namen verbirgt sich in Wahrheit der 40-jährige Simon Keller (Devid Striesow), Lehrer und Familienvater mit einer Vorliebe für kleine Mädchen.

Später lernt Sara im Internet auch noch den smarten Kevin (Louis Hofmann) kennen. Der möchte sie sogar persönlich treffen, verlangt aber vorher ein paar freizügige Bilder von ihr. Sara erfüllt ihm diesen Wunsch – und wird daraufhin von ihm erpresst. Kevin droht, die Bilder an ihre Mitschüler zu schicken. In ihrer Not bittet Sara ausgerechnet Benny um Hilfe.

Cybergrooming: Tatort Internet

Schicksale wie dieses sind nur selten Thema von TV-Filmen, ereignen sich aber ständig. "Cybergrooming" lautet der Fachbegriff für diese Art von Onlineverbrechen. Gemeint ist das gezielte Ansprechen von Minderjährigen im Internet mit der Absicht, von ihnen Nacktbilder und Nacktfilme zu bekommen oder sie zu treffen und zu missbrauchen. Das englische "grooming" bedeutet "vorbereiten, zurechtmachen" und verweist darauf, dass die Täter zu ihren Opfern zunächst ein Vertrauensverhältnis aufbauen. Sie geben sich als nette, verständnisvolle Gesprächspartner aus, machen auch mal kleine Geschenke – und schlagen irgendwann zu.

"Seit Jahren ist Cybergrooming ein Massenphänomen, wird aber immer noch enorm unterschätzt", so Thomas-Gabriel Rüdiger, Kriminologe mit dem Schwerpunkt Cybercrime. "Ich gehe davon aus, dass jedes Kind, das im Netz unterwegs ist, mindestens einmal mit einem Cybergroomer Kontakt hat." Rüdiger zufolge haben die meisten Eltern viel zu wenig Einblick in die Abläufe: "Wenn Kinder das Internet entdecken, spielen sie auf Computern, Konsolen und Smartphones zunächst eines der zahlreichen Onlinespiele. Die Eltern wissen häufig gar nicht, dass es dort auch Chaträume sowie andere Kommunikationskanäle gibt und ihre Kinder bei diesen vermeintlich kindgerechten Angeboten Kontakt zu ihnen unbekannten Personen haben."

Die Vorgehensweise der Täter folge häufig demselben Muster: "Sie nehmen unverfänglich Kontakt auf, fragen nach dem Alter, nach privaten Dingen. Sie übernehmen gern mal die Kosten für Gegenstände oder Eigenschaften von Spielfiguren, die es in vielen Onlinespielen nur gegen Geld gibt. Irgendwann versuchen sie, das Kind auf Seiten wie Whatsapp oder Kik Messenger zu locken, weil man dort Bilder und Filme versenden oder live schauen kann."

Manche Täter kommen relativ schnell zur Sache, andere lassen sich Zeit, beide Tätertypen üben jedoch großen psychischen Druck auf die Kinder aus. Rüdigers Rat an Eltern: "Ihnen wird oft empfohlen, dass sie sich von ihren Kindern zeigen lassen sollen, was diese im Internet machen. Ich halte das für falsch. Ein Kind zeigt nur die positiven Dinge. Richtig ist: Wenn das Kind ein neues Spiel hat, müssen die Eltern es ein paar Tage selbst intensiv spielen. Dann wissen sie, wo die Risiken liegen, und können sich auf Augenhöhe mit dem Kind unterhalten. Das ist mühsam, aber der einzig sinnvolle Weg."

GOKA-Wertung

Wer sollte sich "Das weiße Kaninchen" anschauen?

Alle Eltern, die eine Lektion über reale Gefahren im Internet ohne erhobenen Zeigefinger bekommen möchten.

Warum muss ich "Das weiße Kaninchen" sehen?

"Das weiße Kaninchen" ist ein Ausnahmefilm von Regisseur Florian Schwarz ("Tatort: Weil sie böse sind") und ist visuell und inhaltlich überzeugend.

Für Fans von ...

spannend inszenierten Geschichten aus dem realen Leben.

Weitere Free-TV-Premieren in der Woche vom 26. September bis 2. Oktober

Text: Sven Sakowitz

Kommentare einblenden

"Tatort: Der König der Gosse": Konkurrenz für Boerne und Thiel?

Das Dresdner Ermittlerteam: Kommissarinnen Henni Sieland (Alwara Höfels, l.) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski)
Das Dresdner Ermittlerteam: Kommissarinnen Henni Sieland (Alwara Höfels, l.) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski)
Foto: © MDR/Gordon Mühle
Zweiter Einsatz für das Ermittlerteam aus Dresden (2. Oktober, 20.15 Uhr, Das Erste). Im Visier hat es dubiose Obdachlosen-Betreuer.
Mehr lesen