Was bedeutet es eine Frau zu sein? "Transparent"-Star Jeffrey Tambor im Interview

Jeffrey Tambor (r.) als Maura
Foto: ©2016 Amazon.com Inc.
Was wir bereits wissen
Zum Start der 3. Staffel Amazon Original Serie "Transparent" (23. September) verrät Hauptdarsteller Jeffrey Tambour wie die Romance zwischen Maura und Vicki (Anjelica Huston) weitergeht.

"Transparent" dreht sich in halbstündigen Folgen um die Themen Familie, Identität, Sex und Liebe - das Drehbuch stammt aus der Feder der preisgekrönten Regisseurin und Produzentin Jill Soloway. In der 3. Staffel wird ein neues Kapitel der Geschichte rund um die Pfeffermans erzählt. Bei einer gemeinsamen Reise nach Mexiko laufen die Pfade der Familienmitglieder zusammen. Und obwohl ihre Familiengeschichte etwas düster ist, wird wieder einmal deutlich: Wenn sie alle beisammen sind, ist jeder der Pfeffermans seinem wahren Ich am nächsten.

Trailer zu 3. Staffel "Transparent" (OV)

Eine Hauptrolle in der Serie hat Jeffrey Tambor ("Arrested Development") als Maura, die ihr Leben ursprünglich als Mort, Familienoberhaupt der Pfeffermans, führte. Als sie sich als Maura ihrer Familie neu vorstellt, kommen allmählich die Geheimnisse aller Familienmitglieder ans Licht. Für seine Darstellung von Maura in "Transparent" wurde Tambor mit einem Emmy und einem Golden Globe ausgezeichnet.

Zusammenfassung der ersten beiden Staffen (OV)

Im Interview verrät Jeffrey Tambor, wie die Romance zwischen Maura und Vicki (Anjelica Huston) weitergeht und warum es für ihn ein Segen ist, sich in "Transparent" von seiner weiblichen Seite zeigen zu können.

Interview mit Jeffrey Tambor

Die zweite Staffel endet mit Liebe für Maura. Wie war Ihre Zusammenarbeit mit Anjelica Huston?

Anjelica und ich verstehen uns blendend. Wir haben sogar am gleichen Tag Geburtstag: am 8. Juli.

Aber nicht der gleiche Jahrgang?

Nein (lacht). Dieser 72-Jährige hat gerade getweetet, dass jeder Moment mit Anjelica Huston einer Schauspielstunde gleicht! Sie gehört natürlich zum Hollywood Adel. Vom ersten Moment an waren wir ein Herz und eine Seele. Sie hat eine wunderbare Einstellung zum Leben und ist einfach eine sehr nette Person. Ich würde gerne für immer mit ihr zusammen arbeiten.

Geht also diese Romanze zwischen Maura und Vicki in der dritten Staffel weiter?

Das Geheimnis wird sich bald lüften (lacht). Aber ich kann verraten, wie grundsätzlich dumm wir Menschen sind. Wir sind nie zufrieden mit dem, was wir haben. Und ich kann sagen, dass Maura sich innerlich und äußerlich bis zu ihren Grenzen verändert. Diese Staffel stellt viele Fragen: Wie weit können Schönheitsoperationen gehen? Was bedeutet es, eine Frau zu sein und sich chirurgisch in eine Frau zu verwandeln?

Was ist der größte Unterschied zwischen Ihnen als Mann und Maura als Frau?

Maura lächelt mehr als ich. Ich lache so gut wie nie. Das habe ich meinem Vater zu verdanken, der Ungar war. Er lebte nach dem Motto: Feire nicht das Leben, sonst verlierst du deinen Grund zum Lachen. Er hat nie eine freundliche Miene gezeigt. Für mich ist Maura also ein Geschenk des Himmels, mich von meiner weiblichen Seite zu zeigen. Generell hat das Lächeln etwas weibliches und geheimnisvolles an sich. Das wusste schon Leonardo da Vinci mit seiner Mona Lisa (lacht). Lächeln kommt von Weisheit und Fürsorge und Sicherheit. Das sind Dinge, die ein Kind eher von seiner Mutter bekommt, weniger von seinem Vater.

Wie hat diese Rolle Sie persönlich verändert?

Sie hat mich als Vater und als Bürger verändert. Dank Maura bin ich lustiger geworden. Normalerweise nehme ich Rollen nicht mit nach Hause und schüttele sie nach dem Dreh wieder ab. Aber diese Frau schüttelt man nicht so leicht ab (lacht). Und ich habe durch diese Serie mehr Bewusstsein erlangt über das LGBT-Thema und über meine eigenen Schwächen. Ich achte jetzt auch mehr darauf, was andere tragen (lacht). Ich habe früher immer gedacht, dass Make-up einfach etwas ist, was Frauen auftragen. Ich wusste nicht, dass es eine Kunst ist!

Sind Sie sich über den weltweiten Einfluss der Serie bewusst?

Ich war gerade in Deutschland. In Köln. Als ich mir einen Kaffee kaufen wollte, gab ihn mir die Dame hinter dem Tresen umsonst, weil sie mich aus "Transparent" kannte. Das ist das tolle an einem weltweiten Sender wie Amazon.

Was haben Sie in Köln gemacht?

Ich habe dort einen Film mit (Regisseur) Bille August gedreht. Er heißt "55 Steps". Helena Bonham Carter und Hilary Swank spielen auch mit. Im Film dreht es sich um die Rechte von Patienten mit psychischen Problemen. Was für eine schöne Stadt Köln doch ist! Ich habe den Dom besichtigt ...

Haben Sie auch ein Kölsch probiert?

Ich trinke nicht mehr, aber ich habe anderen zugeschaut, wie sie ein Kölsch tranken. Die Menschen dort sind so freundlich. Einfach durch die Stadt zu bummeln ist ein Ereignis. An meinem letzten Abend habe ich die Kölner Philharmonie besucht. Sie führten das Musical "Wonderful Town" auf. Und wenn jemand glaubt, dass Kölner nicht aus ihren Sitzen aufstehen und den Conga tanzen würden, irrt sich gewaltig: Jung und Alt waren am Tanzen! (lacht)

Interview: Anke Hofmann

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