Kleiner Fisch ganz groß: Studiobesuch bei "Findet Dorie"

Vergesslich: Die Doktorfischdame Dorie
Vergesslich: Die Doktorfischdame Dorie
Foto: ©2013 Disney Pixar
Was wir bereits wissen
Zum Start der "Findet Nemo"-Fortsetzung besuchte GOLDENE KAMERA exklusiv die Pixar Studios bei San Francisco und sprach die Macher.

Eigentlich dachte Andrew Stanton, er hätte mit dem nassen Element abgeschlossen. "Ich hatte die Nase voll von Fischen." Doch als der Regisseur seine mit einem Oscar ausgezeichnete Animation "Findet Nemo" 2012 für die 3D-Fassung noch mal unter die Lupe nahm, fiel ihm Dorie ins Auge. "Sie bringt alle zum Lachen, ist aber selbst eine tragische Figur, die sich allein fühlt, bis sie auf Marlin und Nemo trifft." Und deshalb gibt es jetzt doch ein zweites Abenteuer der "Nemo"-Saga, in dessen Mittelpunkt die Doktorfischdame Dorie steht.

Regisseur Andrew Stanton über "Findet Dorie"

Bei Pixar in Emeryville durfte GOLDEN KAMERA einen Blick hinter die Kulissen werfen. Dort gestand Andrew Stanton, dass er massive Bedenken hatte: "Dorie eignet sich eigentlich nicht als Hauptfigur. Sie entwickelt sich nicht weiter - das kann schnell langweilig werden." Also suchten die Masterminds des Films einen Gefährten für ihre Heldin, der eine schillerndere Persönlichkeit zu bieten hatte: einen Karnevalstintenfisch (Thaumoctopus mimicus).

Der griesgrämige Hank ist genau genommen ein "Septopus", da Dories Co-Star ein Tentakel fehlt. Nicht ohne Grund, denn Character Art Director Jason Deamer musste feststellen, dass die Realisierung der Idee viel komplizierter war als gedacht. "In der Zeichnung hatte Hank acht Arme, aber in der Umsetzung zum dreidimensionalen Modell war einfach nur Platz für sieben."

Das für Animationen problematische Wasser war eine leichte Übung, verglichen mit dem Kraken. Denn Karnevalstintenfische, so Jason Deamer, "sind beweglich und dehnbar. Sie können sich flach machen wie Pfannkuchen oder sich total einrollen, sie sind Meister der Tarnung. Und obendrein noch hässlich." Das Design-Team entschied sich, den neuen Helden gegenüber der Realität zu verniedlichen.

Noch schwieriger war es allerdings, diesen Verwandlungskünstler in Bewegung zu versetzen. Verantwortlich dafür war Character Supervisor Jeremie Talbot. "In Pixars 'Die Monster Uni' gab es auch einen Oktopus: die Bibliothekarin. Aber die nutzte ihre Tentakel wie Beine, ihre Bewegung ähnelte nur wenig einer Krake. Wir haben ein Computermodell kreiert, in dem jeder Krakenarm sich individuell bewegt. Aber es sah immer noch nicht echt genug aus. Erst durch die rollenden Bewegungsabläufe der Schlange Kaa in Disneys 'Dschungelbuch' von 1967 fanden wir unseren Hank!"

Als ob das nicht knifflig genug wäre, hat jeder Arm 51 Saugnäpfe, und die machten Supervising Technical Director John Halstead das Leben zur Hölle. "Das Festhalten und Loslassen der Sauger war ein langer Prozess." Es dauerte sechs Monate, bis die erste Aufnahme von Hank im Kasten war - aber jetzt hat er das Zeug zum Star.

Darum geht's in "Findet Dorie"

Trailer zu "Findet Dorie"

Seit ihrem großen Abenteuer gehört Dorie, die fröhliche Doktorfischdame ohne Kurzzeitgedächtnis, zur Familie und lebt bei Clownfisch Marlin und seinem Sohn Nemo im idyllischen Korallenriff. Da hat Dorie einen Geistesblitz: Sie müsste doch irgendwo Eltern haben, die längst nach ihr suchen! Marlin hat überhaupt keine Lust auf eine Ozean-Tour - aber man kann Dorie ja nicht alleinlassen. Und so bleiben Nemo und sein nervöser Dad an ihrer Seite, als die Spurensuche sie an die kalifornische Küste und ins Meeresbiologische Institut führt. Drin findet Dorie nassforsche Helfer: Der grimmige Oktopus Hank ist eigentlich ein Septopus, weil er nur sieben Arme hat. Und der gutmütige Walhai Destiny ist leider extrem kurzsichtig …

Dories zweiter Ausflug fällt etwas düsterer und ernster aus als in "Findet Nemo" (2003), dessen Einnahmen (937 Millionen Dollar) sicher getoppt werden. Man könnte auch sagen: erwachsener. Lustig sind die rasanten Wasserspiele trotzdem - vor allem, wenn die Heldin wieder Walisch faselt. Die Rückblenden mit Klein-Dorie dagegen sind herzzerreißend! Und zwar nicht nur für Eltern.

Text: Anke Hofmann

Kommentare einblenden

Iris Berben: "Familienserien haben eine Zukunft!"

Iris Berben spielt die renommierte Hamburger Anwältin Lea Behrwaldt im ZDF-Zweiteiler "Familie!"
Iris Berben spielt die renommierte Hamburger Anwältin Lea Behrwaldt im ZDF-Zweiteiler "Familie!"
Foto: ZDF / Hans-Joachim Pfeiffer
Filmstar Iris Berben über ihren neuen ZDF-Zweiteiler "Familie!", Familienserien, verlogene Politik und eine Autobiografie, die nie erscheinen wird.
Mehr lesen