Must-See-TV: GOKA-Kandidat "Die Stille danach"

Was wir bereits wissen
Das bewegende Drama "Die Stille danach" erzählt von den Folgen eines tödlichen Amoklaufes an einem Gymnasium.

Ein Land steht unter Schock: An einem Gymnasium in Graz ist der Schüler Felix (Enzo Gaier) Amok gelaufen. Dabei tötete er fünf Schüler, verletzte vier weitere schwer und brachte sich schließlich selbst um. Diese (fiktive) Tat ist der Ausgangspunkt unseres GOLDENE KAMERA-Kandidaten "Die Stille danach" (12. Oktober, 20.15 Uhr, Das Erste), bei dem der renommierte österreichische Filmemacher Nikolaus Leytner für Drehbuch und Regie verantwortlich war.

Im Zentrum stehen die Eltern des Amokschützen. Paula und Michael Rom (Ursula Strauss, Peter Schneider) wollen herausfinden, warum ihr Sohn diese Morde begangen hat und müssen sich bald eingestehen, dass sie nur wenig über ihn wussten. Fast unerträglich sind in dieser Situation die Anfeindungen der Angehörigen der Opfer.

"Die Eltern eines Schul-Amokläufers haben eine schwere Last zu tragen", sagt der Psychologe Mirko Allwinn vom Darmstädter Institut Psychologie und Bedrohungsmanagement. "Sie machen sich selbst und gegenseitig Vorwürfe, das gesamte Familiengefüge gerät ins Wanken, sie werden von ihrem engsten Umfeld ausgegrenzt. Etwas zugespitzt lässt sich sagen, dass auch sie zu den Opfern gehören."

Amokläufe an Schulen ereignen sich selten. In Deutschland sorgte zuletzt 2009 der Fall im bayerischen Ansbach für Aufsehen, bei dem ein Gymnasiast zwei Schülerinnen schwer und sieben Schüler sowie eine Lehrerin leicht verletzte. Die Wissenschaft hat diesen und weitere Fälle umfassend erforscht. "Es gibt immer mehrere Ursachen für einen Schul-Amoklauf", sagt Allwinn. "Der Tat geht eine tiefe Kränkung des Täters voraus, etwa eine Nichtversetzung oder eine unerwiderte Liebe. Eine große Rolle spielt oft Mobbing durch die Mitschüler oder einen Lehrer. Zum Teil ist das Mobbing real, manchmal auch einer hohen Kränkbarkeit der Täter zuzuschreiben. Meist ist es sogar eine ganze Reihe von negativen Erfahrungen, die der Schüler nicht auf gesunde Weise verarbeitet und die bei ihm zu Rachefantasien führen, die sich schließlich am Ort der erlittenen Kränkungen entladen."

Schul-Amokläufer planen ihre Tat meist lange im Voraus, manche lesen über mehrere Jahre Bücher und Internetseiten zu diesem Thema. Wann genau sie ihre Pläne wahr machen, kann von simplen Zufällen abhängen. "Die Eltern haben selten eine große Mitschuld an der Tat", erklärt Mirko Allwinn. "Man kann bei einem so selten auftretenden Phänomen nicht verlangen, dass sie bei einem auffälligen Verhalten ihres Kindes gleich einen Amoklauf für möglich halten. Grundsätzlich gilt: Eltern sollten immer für ihr Kind ansprechbar sein, wenn es Probleme hat. Und ihm dann auch zeigen, wie man Krisen bewältigen kann."

Wertung von "Die Stille danach"

Wer sollte sich "Die Stille danach" anschauen?

Alle, die wissen wollen, wie es zu solchen grausamen Taten kommen kann.

Warum muss ich "Die Stille danach" sehen?

Regisseur Nikolaus Leytner lässt der Trauer, der Wut und schließlich der Frage, ob man als Elternteil mitschuldig ist an einer solchen Tat, viel Raum. Der Zuschauer darf sich selbst ein Bild machen. Das macht das präzise gespielte Drama umso bewegender.

Für Fans von ...

"April Showers" (2009), "Beautiful Boy" (2011), "Amok" (2012)

Text: Sven Sakowitz

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