"Böse Wetter" mit Götz George in seinem letzten Film

Götz Georges letzte Rolle als Ferdinand Türnitz in "Böse Wetter"
Foto: © ARD Degeto/Daniela Incoronato
Was wir bereits wissen
Am Tag der deutschen Einheit zeigt das Erste Götz Georges letzten Film "Böse Wetter". Wieder einmal stand darin Gudrun Landgrebe an seiner Seite.

Es war ein leiser Abschied. Und er kam völlig überraschend: Am 19. Juni ist der zweifache GOLDENE KAMERA-Preisträger (1992 und 2001) Götz George mit 77 Jahren in Hamburg gestorben. Sein Nachlass ist groß - ein Füllhorn voller Filme! Er war nicht nur 49-mal auf der Kinoleinwand zu sehen, etwa als "Der Totmacher", er brillierte auch im Fernsehen in 131 Filmen, vor allem in seiner Paraderolle als Schimanski.

Götz Georges beste Rollen

Das Erste zeigt am Freitag, 29.07.16, 22.00 Uhr, "Schimanski: Blutbrüder". In dieser Folge soll Schimanski (Götz George) einen deutschen Sträfling aus einem belgischen Gefängnis überführen. Foto: © WDR/Michael Böhme
In "Verliebte Diebe" (04.08., Das Erste, 14:35 Uhr) spielt Götz George spielt den Charmeur Vinzenz (l.) und Gudrun Landgrebe die dreiste Diebin Claire. Foto: © HR/ARD/Degeto/Norbert Kuhröber
In "Schimanski: Blutbrüder" (29.07., Das Erste, 22.00 Uhr) wird Schimansik (Goetz George, r.) von Mandel (Christoph Waltz) aus dem brenneden Wagen gerettet. Foto: © WDR/Michael Böhme
Im "Polizeiruf 110: Unter Brüdern" (25.06., Das Erste, 00.00 Uhr) ermitteln Thanner (Eberhard Feik, r.) und Schimanski (Götz George).
In "Schimanski: Loverboy" (21.07., Das Erste, 20.15 Uhr) sind Hunger (Julian Weigend, l.) und Hänschen (Chiem van Houweninge) genervt von dem alten Haudegen Schimanski (Götz George, M). Foto: © WDR/Uwe Stratmann
Das Erste zeigt am Montag, 4. Juli, 22.15 Uhr, "Die Kult-Kommissare von Schimanski bis Thiel". In der Mitte: Horst Schimanski (Götz George). Foto: © rbb/WDR/Bavaria/Thomas R. Schumann

Ein Werk jedoch war bislang noch nie zu sehen: sein letztes, der 132. TV-Film "Böse Wetter" (3. Oktober, 20.15 Uhr, Das Erste). Der 90-Minüter wurde erst kurz vor seinem Tod im Harz produziert. George spielt darin Ferdinand Türnitz, den bankrotten Besitzer einer Silbermine. Auf mysteriöse Art ist er verbunden mit Ilona Gehra, der Witwe eines verunglückten Grubenarbeiters, die Gudrun Landgrebe darstellt.

Trailer zu "Böse Wetter"

Im Exklusiv-Interview mit GOLDENE KAMERA erinnert sich Gudrun Landgrebe, die von 1988 bis 2016 sechsmal mit George vor der Kamera stand, an die letzte gemeinsame Zeit bei den Dreharbeiten

Interview mit Gudrun Landgrebe

"In dem Film 'Böse Wetter' geht es um eine dramatische Lebenslüge. Götz und ich standen bei eisigen Temperaturen vor der Kamera. Damals hätte ich nie gedacht, dass unser einziger Drehtag auch der letzte sein würde. Götz war gesund und energiegeladen, so wie ich ihn seit 29 Jahren kannte.

Ich erinnere mich gut an unser Auseinandergehen: Wir wünschten uns, beim nächsten Filmprojekt wieder mehr gemeinsame Szenen zu haben, so wie fast immer seit 1987, als sich unsere Wege beim Dreh der 'Katze' zum ersten Mal kreuzten. Seit diesem Gangsterfilm, dessen Figuren an ,Bonnie and Clyde‘ erinnern, waren Götz und ich ein eingeschworenes Team. Wir tauschten uns oft schon vor dem Drehbeginn von Filmen wie ‚Das Schwein‘ oder 'Verliebte Diebe' über unsere Rollen aus, wollten gemeinsam ein Gespür dafür entwickeln, welche Richtung unsere Rollen nehmen sollten."

"Ich vermisse ihn sehr"

Tatsächlich kreuzten sich die Lebenslinien der beiden Stars in den folgenden Jahren immer wieder. Im Lauf der Zeit lernte Gudrun Landgrebe auch Georges dominanten Charakterzug schätzen - "die Geradlinigkeit". Drei Monate nach seinem Tod würdigt sie noch einmal das schauspielerische Können des großen Kollegen: "Götz war sehr anspruchsvoll - und lag damit ganz auf meiner Linie. Er hat nichts mit links gemacht, sondern stets das Optimale aus den Filmstoffen herausgeholt. Dafür kämpfte er sogar mit einer unnachahmlichen, sehr fordernden, aber dennoch positiven Art. Seine zunehmende Kritik an immer flacheren Drehbüchern diente schließlich dem Kampf für die ganze Schauspielzunft. Genau wie sein hohes Anspruchsdenken. Er hat oft und mit Recht darüber geschimpft, dass der Anspruch der Sender im Lauf der Zeit niedriger, die Arbeit immer nachlässiger wurde - und die Drehbedingungen immer komplizierter.

Götz und ich haben nicht wenige Rollen abgesagt, deswegen waren wir umso glücklicher mit dem Drehbuch zu 'Böse Wetter', das wirklich differenzierte Charaktere vorgibt und mit hervorragenden Dialogen unsere Spielfreude anregte. Götz war, wie auch ich, begeistert von der sensiblen, einfühlsamen Art unseres Regisseurs Johannes Grieser. Es entwickelte sich mit allen Darstellern eine erstaunliche Dichte des Zusammenspiels in einer zutiefst verstörenden Geschichte über Lebenslügen und Vergangenheitsbewältigung.

Ich vermisse Götz durchaus sehr: seine starke innere Kraft, gepaart mit einer gewissen Melancholie. Diese eigenwillige Persönlichkeit hat mich beim Dreh unseres letzten gemeinsamen TV-Films sehr bewegt - und die Erinnerung daran erschüttert mich heute, weil ich nun weiß, dass der Mensch Götz George, der noch vor einem Jahr so unvergleichlich präsent war, nicht mehr lebt. Vieles von ihm wird überdauern, auch die Vorsicht und die Sanftheit, die er sich oft geleistet hat. Und der Ausruf, den ich in allen seinen Rollen hören konnte: 'Menschenskinder!!!'."

Wertung von "Böse Wetter"

Bergbau-Raubein Türnitz ist die letzte Rolle Götz Georges, der hier gewohnt charismatisch aufspielt, die Bühne aber trotzdem Hauptdarsteller Matthias Koeberlin überlässt.

Wer sollte sich "Böse Wetter" anschauen?

Dieser Film ist Pflichtprogramm für Fans von Götz George!

Warum muss ich "Böse Wetter" sehen?

Weil dieser Film ein packendes und emotionsgeladenes Familiendrama ist.

Für Fans von ...

"Schimanski", "Zivilcourage", "Novembermann"

Weitere TV-Premieren in der Woche vom 3. bis 9. Oktober

3. Oktober, 20.15 Uhr, Das Erste: "Böse Wetter - Das Geheimnis der Vergangenheit". Packendes Familiendrama mit Götz George in seiner letzten Rolle.
3. Oktober, 22.00 Uhr, ZDF: "The Wolf of Wall Street". Grelles Sittenbild des Turbokapitalismus mit Leonardo DiCaprio. Foto: ZDF / Mary Cybulski
4. Oktober, 22.45 Uhr, Das Erste: "Dido Elizabeth Belle". Erlesenes Sittenporträt, nach einem wahren Fall. Foto: © ARD Degeto/Twentieth Century Fox Film Corporation
5. Oktober, 20.15 Uhr, Arte: "Ida".Gewann 2015 den Oscar als bester fremdsprachiger Film. Foto: ARTE France / © Sylwester Kaz´mierczak
5. Oktober, 20.15 Uhr, Tele 5: "After". Düsterer, verstörender Grusel-Thriller, gut umgesetzt mit knappem Budget. Foto: © Tele 5
5. Oktober, 22.25 Uhr, Arte: "Haewon und die Männer". Intensiver Tanz zwischen Traum und Realität. Foto: ARTE France / © Jeonwonsa/Finecu
6. Oktober, 20.15 Uhr, ZDF: "Heiraten ist nichts für Feiglinge". Unbeschwerter Spaß mit Dialogwitz und treffender Situationskomik.
7. Oktober, 20.15 Uhr, Das Erste: "Mein Sohn, der Klugscheißer". Sympathisch, warmherzig und eine klug erzählte TV-Komödie.
7. Oktober, 20.15 Uhr, Arte: "Die Weissagung". Teils getragen, dennoch unterhaltend. Nach Oscar Wilde. Foto: ARTE France © Jean-Claude Lother
8. Oktober, 23.00 Uhr, Servus TV: "Am Sonntag bist du tot". Ein Hohelied an den Glauben an das Gute. Foto: © Ascot Elite
9. Oktober, 20.15 Uhr, Das Erste: "Tatort: Zahltag". Zwei Handlungsstränge greifen toll ineinander.

Text: Mike Powelz

Im Gespräch mit "Jonathan"-Regisseur Piotr J. Lewandowski

Strahlender Regienachwuchs: Piotr J. Lewandowski gibt mit dem Krebsdrama "Jonathan" sein viel beachtetes Langfilmdebüt
Foto: © Jeremy Rouse
Zum Kinostart von Piotr J. Lewandowskis Langfilmdebüt "Jonathan" trafen wir uns mit einer der spannendsten neuen Stimmen des deutschen Films.
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