Tim Burton: "Filme über Monster haben mich schon immer fasziniert."

Kinovisionär mit Gruselfaible: "Die Insel der besonderen Kinder"-Regisseur Tim Burton (58)
Foto: © Theo Kingma
Was wir bereits wissen
Zum Kinostart seines neuen Fantasy-Abenteuers "Die Insel der besonderen Kinder" trafen wir Kinovisionär Tim Burton in seiner Wahlheimat London zum Interview.

"Beetlejuice", "Edward mit den Scherenhänden", "Charlie und die Schokoladenfabrik", "Alice im Wunderland" – ohne Tim Burton wäre Hollywoods Traumfabrik nur halb so schauerromantisch. Das gilt auch und insbesondere für seinen neuesten Streich "Die Insel der besonderen Kinder", der am 6. Oktober in unseren Kinos startet. Wir sprachen mit dem 58-jährigen Kalifornier über die Verfilmung des im Original "Miss Peregrine's Home for Peculiar Children" betitelten Fantasy-Jugendbuchs und erfuhren dabei, was dem Herrn der Filmmonster selber gruseln lässt...

Regisseur Tim Burton im GOKA-Interview

Tim Burton im Interview

Wie sind Sie auf das Jugendbuch von Ransom Riggs gestoßen? Durch Ihre Kinder?

Nein. Ransom Riggs' Roman ist, meiner Meinung nach, für Kinder und Erwachsene. Ich war einfach neugierig, weil das Buch lustig aussieht mit all den alten Fotos darin. Mir gefiel, wie der Autor eine Geschichte um diese Bilder strickte. Ich war schon immer ein Fan von alten Fotos. Sie haben etwas Mysteriöses und Gruseliges an sich, weil sie nur Augenblicke zeigen, ohne alle Hintergründe zu erklären. Aber sie sind gleichzeitig auch wunderschön und poetisch.

Sammeln Sie selbst diese Art Fotos?

Ich habe einige Fotobücher, aber nicht in dem Ausmaß wie Ransom Riggs. Ich liebe auch Gemälde, aber Fotos bewegen mich persönlich einfach mehr.

Video-Feature mit Ransom Riggs (OF)

Inwieweit hat Sie der Roman selbst angesprochen? Hätte "Die Insel der besonderen Kinder" auch aus Ihrer Feder stammen können?

Mir gefiel, dass diese Kinder unglaubliche Fähigkeiten haben. Es gibt so viele Superhelden-Filme, aber die Kräfte in dieser Geschichte sind eine Stärke und gleichzeitig auch eine Last. Und das macht den Roman sehr menschlich.

Was war die größte Herausforderung von "Die Insel der besonderen Kinder"?

Die Gefühle wie lustig, traurig, unheimlich oder poetisch, die durch die Fotos im Buch hervorgerufen werden, in bewegte Bilder umzusetzen. Mit jeder Szene fragte ich mich, ob sie genauso eigenartig ist wie im Buch.

Apropos eigenartig. Trifft dieses Wort auch auf Sie zu? Und haben Sie ihre Nische als Regisseur gefunden?

Der Grund, dass ich jetzt hier sitze und nicht im Gefängnis gelandet bin, spricht wohl dafür (lacht). Jeder Mensch hat seine kleine kreative Eigenart, ich bin also keine Ausnahme. Aber ich kann nicht genau sagen, was mich so besonders macht. Ich habe mich noch nie selbst analysiert. Und um ehrlich zu sein, habe ich mich selbst immer als sehr normal betrachtet (lacht). Aber genau das ist es, was mich wahrscheinlich so eigenartig macht, denn es gibt nichts Kurioseres als jemanden, der behauptet, normal zu sein!

Warum haben Sie Eva Green als Ihre Miss Peregrine gewählt?

Erstens, weil ich schon ein paar Mal mit ihr gearbeitet habe und sie über alles liebe. Und zweitens, weil sie voller Ideen ist und – genau wie ein Foto – eine mysteriöse Aura ausstrahlt. Sie ist eine Mischung aus Humor, Geheimnis und Stärke. Sie gleicht einem Filmstar aus dem alten Hollywood, über den man nicht alles wusste. Und sie hat etwas Vogelähnliches an sich. Ihre Transformation von Mensch zu Vogel war sehr vorstellbar und glaubwürdig für mich.

Haben Sie ein magisches Händchen, wenn es ums Arbeiten mit Kindern geht?

Die Kinder waren super. Sie haben sich sofort gut verstanden und gegenseitig geholfen, genau wie ihre Figuren im Film. Ich habe kein besonderes Händchen, was Kinder angeht. Ich sehe sie einfach als intelligente Wesen an und behandele sie nicht wie Kinder, sondern wie Erwachsene.

Clip aus "Die Insel der besonderen Kinder" (OF)

Sie lieben es, mit ihren Filmen die etwas gruseligere Seite des Lebens zu zeigen...

Es gibt ein sehr seltsames Phänomen in meiner Karriere. Von Anfang an wurden meine Filme als zu furchterregend eingestuft. Damals galt mein "Batman" als grausam, aber verglichen mit den Filmen von heute gleicht er eher einer unbeschwerten Tollerei (lacht). Von wegen zu gruselig für Kinder! Dreijährige singen heutzutage die Lieder aus meinen Filmen. Ich persönlich fand meine Filme nie beängstigend. Es ist inzwischen einfach zu einer bizarren automatischen Annahme geworden, dass meine Filme dunkel seien.

Was macht Ihnen Angst? Und was tröstet Sie?

Wenn ich Kartoffelpüree esse, fühle ich mich wohl (lacht). Aber ich bin nie wirklich ganz entspannt. Dinge, die mir Angst einjagen oder die mich trösten, sind oft gegensätzlich zu dem, was andere empfinden: Filme über Monster haben mich schon immer fasziniert. Aber wenn meine Tante zu Besuch kam, habe ich mir vor Angst fast in die Hose gemacht (lacht).

Interview: Anke Hofmann

Tim Burtons Neuer: "Die Insel der besonderen Kinder"

Das Fantasy-Ensemble von "Die Insel der besonderen Kinder" © 20th Century Fox
Miss Peregrine (Eva Green) © 20th Century Fox
Miss Peregrine (Eva Green) und Jake (Asa Butterfield) © 20th Century Fox
Schulalltag der "besonderen Kinder" © 20th Century Fox
Jake (Asa Butterfield) und Emma (Ella Purnell) kommen sich näher © 20th Century Fox
Jake (Asa Butterfield) und Emma (Ella Purnell) hängen aneinander © 20th Century Fox
Schulleiterin Miss Avocet (Julie Dench) © 20th Century Fox
Die "besonderen Kinder" sind in Gefahr © 20th Century Fox
Monster-Anführer Barron (Samuel L. Jackson) © 20th Century Fox
Die "besonderen Kinder" schlagen zurück © 20th Century Fox
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