US-Tristesse Royale: "American Honey"

Newcomerin Sasha Lane als "American Honey"
Newcomerin Sasha Lane als "American Honey"
Foto: © Universal Pictures
Was wir bereits wissen
In Cannes gehörte das US-Debüt der britischen Regisseurin Andrea Arnold ("Fish Tank") zu den Festival-Highlights. Jetzt startet ihr außergewöhnliches Roadmovie "American Honey" bei uns im Kino.

Manchmal fördert der Blick von außen größere Wahrhaftigkeit zutage als die mitunter verblendete Innenansicht. Nachdem Andrea Arnold mit "Fish Tank" und der Emily-Bronte-Verfilmung "Wuthering Heights" das Lebensgefühl der englischen Jugend damals und heute beleuchtet hat, nimmt sich die Kurzfilm-Oscar-prämierte Regisseurin in ihrem US-Debüt des amerikanischen Traums an. Für "American Honey" (Kinostart: 13. Oktober) wurde die 55-Jährige in Cannes mit dem Preis der Jury ausgezeichnet und das verdienter Maßen, denn ein so entmystifizierendes und zugleich schwereloses Filmporträt über Amerikas verlorene Jugend gab es auf der Leinwand schon lange nicht mehr zu bewundern.

Darum geht's in "American Honey"

Als Star (Sasha Lane) im Supermarkt den charmanten Lebenskünstler Jake (Shia LaBeouf) kennenlernt, sieht die 18-Jährige die einmalige Chance gekommen, ihr perspektivloses White-Trash-Leben hinter sich zu lassen. Star schließt sich kurzentschlossen Jake und seiner ausgelassenen Truppe an, die im Bus durch den Mittleren Westen kurvt und in Suburbia-Hauhalten Magazin-Abos vertickt. Von Liebe berauscht lebt Star zwischen Party- und Liebemachen ihren Freiheitsdrang aus – auch wenn es mit der herrischen Drückerkolonnenchefin Krystal (Riley Keough) zu immer größeren Spannungen kommt...

Trailer zu "American Honey" (2016)

Dass sich bei dem fast dreistündigen Roadtrip ins gefühlskalte Herz der amerikanischen Nation zu keiner Minute das Gefühl von Überlänge einstellt, ist bereits ein kleines Filmwunder für sich. Regisseurin Arnold versteht es, in ihren halbdokumentarischen Bildkompositionen ein faszinierendes Spannungsfeld zwischen der traumwandlerischen Erfahrungswelt der jugendlichen Antihelden und ihrer harschen Lebensrealität zu erzeugen. Dazu tragen auch die perfekt gecasteten Darsteller bei – allen voran Schauspieldebütantin Sasha Lane, die sich im Filmverlauf mit Leinwandkontrahentin Riley Keough („Mad Max: Fury Road“) ein begeisterndes Showstealer-Duell liefert...

Original-Clip aus "American Honey" mit Riley Keough

Zur lebensechten Darstellung des American Way of Life als kindlich naive Glückssuche trägt auch Hollywood-Enfant terrible Shia LaBeouf ("Transformer") bei, der seinen mit Lars von Triers "Nymphomaniac" und diversen Skandälchen eingeläuteten Imagewechsel eindrucksvoll fortsetzt und mit einer spontanen Tanzeinlage zu Rihannas sprechendem Hitsong "We Found Love (in a Hopeless Space)" nicht nur das Herz der Hauptdarstellerin erobert. Der akustische Startschuss für einen mitreißenden Filmsoundtrack aus Rap und Electronic Dance Music, der sich zum Soundtrack einer entwurzelten Jugend auf der paradoxen Suche nach gemeinschaftlicher Unabhängigkeit auswächst...

Original-Clip aus "American Honey" mit Shia LaBeouf

Wer sollte sich "American Honey" anschauen?

Alle, die ein Herz für die emotionalen Fallstricke zeitgenössischer Jugendkultur haben.

Warum muss ich "American Honey" sehen?

Weil die Entmystifizierung des amerikanischen Traums selten so euphorisierend eingefangen wurde wie hier.

Für Fans von...

Larry Clarks "Kids" (1995) und Andrew Neels "King Kelly" (2012)

Die GOKA-Wertung

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