Oliver Masucci über "Tödliche Geheimnisse"

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GOLDENE KAMERA traf Oliver Masucci beim Dreh des #GOKA-Kandidaten "Tödliche Geheimnisse" zum Interview.

Oliver Masucci spielt im Thriller "Tödliche Geheimnisse" (5. November, 20.15 Uhr, Das Erste) den Lobbyisten Paul Holthaus. Er ist bereit, mit der "Puls"-Reporterin Rommy Kirchhoff (Nina Kunzendorf) über die Hintergrundverhandlungen zu TTIP zu sprechen, die er selbst maßgeblich beeinflusst hat. Doch bevor er der Enthüllungsjournalistin das Beweismaterial übergeben kann, verschwindet er spurlos.

GOLDENE KAMERA traf Oliver Masucci beim Dreh des #GOKA-Kandidaten "Tödliche Geheimnisse" zum Interview.

Interview mit Oliver Masucci

Oliver Masucci über "Tödliche Geheimnisse"

TTIP – das klingt kompliziert und sperrig. Wie vermittelt der TV-Thriller dieses Thema trotzdem spannend?

Indem er die Verhältnisse zwischen den Menschen beleuchtet! Alle Hauptdarsteller sind einsame, investigative Figuren. Diese menschliche Komponente kommt zur politischen hinzu – und deshalb ist es einfacher, dem komplexen Thema zu folgen.

Ihre Meinung über TTIP?

Wenn TTIP bedeutet, dass wir uns dem US-Recht beugen müssen, dann ist das sehr schlecht für uns – weil US-Konzerne dann solange potenziell schädliche Produkte auf den Markt bringen könnten, bis wir diese Schädlichkeit bewiesen hätten. Wir wären quasi in einer Bringschuld! Zwar ist ein Freihandelsabkommen grundsätzlich nichts Schlechtes – aber es stellt die Frage, zu welchem Preis.

In "Tödliche Geheimnisse" spielen Sie einen Whistleblower. Wie lässt sich Ihre Rolle beschreiben?

Paul Holthaus ist ein zynischer Kerl, der später geläutert wird. Anfangs geht es ihm nur darum, wie er etwas verpacken kann, damit ihm die Leute glauben. Um dieses Ziel zu erreichen, stellt er schlechte Sachen positiv dar. Doch ab dem Moment, wo es ihn selbst betrifft, weil er glaubt, dass seine Ehefrau an den Folgen eines Produktes gestorben ist, für das er Lobbying betrieben hat, will er die Dinge wieder gerade biegen – doch er kommt leider zu spät.

Sind Whistleblower Helden oder Antihelden?

In jedem Fall Helden, weil sie in Kauf nehmen, dass sich ihre Lebenssituation drastisch verändert. Unsere Gesellschaft ist im Moment nicht in der Lage Menschen, die Geheimnisse verraten, dementsprechend zu würdigen – und mehr noch, zu schützen. Im Gegenteil: Sie werden bestraft, wenn sie auspacken. Auch Snowden hat den Schutz, den wir ihm hätten geben können, nicht bekommen. Stattdessen schließt ihn die Gesellschaft aus. Deswegen ist es eine zweischneidige Sache, ein Whistleblower zu sein. Man wird nicht dafür belohnt.

Doch inwiefern stehen Whistleblower überhaupt im Dienste des Guten?

Sie decken große Schweinereien auf! Doch statt ihnen dafür dankbar zu sein kreiden die Machthaber ihnen den Geheimnisverrat an. Genauso erschreckend ist aber auch, wie die Gesellschaft anschließend mit Whistleblowern umgeht. Ich habe immer das Gefühl, die Bürger wollen, dass letztlich alles so weitergeht wie es war, denn ansonsten würden sie die Verhältnisse doch ändern.

Journalisten werden ebenfalls angeprangert in Ihrem TV-Thriller. Trauen Sie den Medien?

Bei den Medien muss man oft zwischen den Zeilen lesen. Gerade bei TTIP wird viel zwischen den Zeilen verhandelt. Wenn man in die Zeitung schaut, bekomme ich oft das Gefühl, dass dort versteckte Botschaften gesendet werden. Über die Medien wird tatsächlich sehr viel verhandelt. Einerseits wollen sie Missstände aufdecken, doch andererseits sind sie auch käuflich. Der Journalismus erlebt gerade eine schwierige Zeit.

"Tödliche Geheimnisse" wird fortgesetzt. Sind Sie wieder Teil des Ensembles – und worum geht’s im 2. Teil?

Ja, ich bin wieder dabei und wir werden in Südafrika drehen. Beim nächsten Mal geht’s um Agrar- sowie Chemiekonzerne – und es gibt wieder Konflikte. Einerseits wird der Whistleblower Paul Holthaus erneut auf die manipulative Firmenchefin Lilian Norgren alias Katja Riemann treffen. Andererseits sucht er seinen Sohn – und er kämpft um seine Freiheit. Das Drehbuch ist extrem spannend. Ich freue mich sehr darauf, die Kollegen in Südafrika wiederzutreffen und den einen oder anderen Caipirinha am Strand zu trinken.

Was sind Ihre nächsten spruchreifen Projekte?

Die meisten Projekte sind noch "top secret". Ich habe gerade mit Florian Henckel von Donnersmarck "Werk ohne Autor" gedreht. Aktuell stehe ich in der Wildnis in Tirol vor der Kamera – und spiele mit dem jungen Schauspieler Louis Hofmann einen Vater-Sohn-Konflikt. Und zu Weihnachten bin ich dann bei RTL zu sehen – als "Ugly Joey" im großen Dreiteiler "Winnetou".

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