Anke Engelke über "Tödliche Geheimnisse"

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GOLDENE KAMERA traf Anke Engelke beim Dreh des #GOKA-Kandidaten "Tödliche Geheimnisse" zum Interview.

Anke Engelke spielt im Thriller "Tödliche Geheimnisse" (5. November, 20.15 Uhr, Das Erste) Chefredakteurin Karin Berger. Sie leitet das Nachrichtenmagazin "Der Puls", das kurz vor dem Aus steht. Da kommt ein Angebot des Lobbyisten Holthaus (Oliver Masucci) genau im richtigen Moment. Er will gegenüber dem Blatt auspacken und Beweise dafür liefern, dass Lilian Norgren (Katja Riemann) – mächtige Chefin eines Agrarkonzerns – massiven Einfluss auf die TTIP-Verhandlungen nimmt, um so geltendes Recht in Deutschland auszuhebeln. Doch bevor Holthaus "Puls"-Reporterin Rommy Kirchhoff (Nina Kunzendorf) Beweismaterial übergeben kann, verschwindet er spurlos. Für die Journalistin beginnt eine Spurensuche, bei der sie bald in Lebensgefahr gerät.

GOLDENE KAMERA traf Anke Engelke beim Dreh des #GOKA-Kandidaten "Tödliche Geheimnisse" zum Interview.

Anke Engelke im Interview

Anke Engelke über "Tödliche Geheimnisse"

"Tödliche Geheimnisse" ist ein TV-Thriller über TTIP – also über ein kompliziertes, sperriges Thema …

Ich finde TTIP gar nicht sperrig! Aber es kann sein, dass viele sich vor der Dimension des Themas fürchten. Im Film wird thematisiert, dass die Verbraucher nicht mehr wissen, was sie zukünftig konsumieren und kaufen – und inwiefern das nicht transparent genug ist. Um diese Intransparenz verständlich zu machen, hat die Regisseurin Sherry Hormann eine kongeniale Lösung gefunden – denn sie geht sehr emotional an den Stoff heran: Nina Kunzendorf spielt eine Enthüllungsjournalistin, die im Auftrag ihre Chefredakteurin – dargestellt von mir – einen Whistleblower interviewen soll. Der Mann will über TTIP auspacken. Dann jedoch verschwindet er spurlos … Mit dieser spannenden Story dockt Sherry Hormann direkt an die betroffenen Menschen an und beleuchtet ihre verschiedenen Perspektiven.

Was ist der Reiz an der Rolle als Chefredakteurin?

Jemanden darzustellen, der sehr viel Verantwortung trägt – und zwar sowohl für seine Angestellten als auch für seine Leser und Leserinnen. Karin Berger muss funktionieren. Sie stellt ihre eigenen Gefühle und das Private in die zweite Reihe, aber das fällt ihr schwer. Sie ist gespalten.

Whistleblower – Helden oder Antihelden?

Die meisten Leute denken beim Begriff Whistleblower an Edward Snowden und für den hegen wir in Deutschland alle große Sympathien, während er für die USA ein Staatsfeind ist. Wer sich für Politik interessiert, findet es gut, wenn mal einer auspackt und erzählt, was hinter den Kulissen passiert. Insofern ist Snowden schon ein Held. Aber ich würde gerne in eine Kristallkugel gucken um zu wissen, wie Snowden in 100 Jahren in den Geschichtsbüchern dargestellt wird – und was die folgenden Generationen vermittelt bekommen über ihn. Denn das Ganze lässt sich natürlich auch so vermitteln, dass es böse ist, Geheimnisse auszuplaudern – und Snowden als Petze darzustellen. Aber ein Whistleblower ist eine "Petze für das Gute": Ihm geht es um das allgemeine Wohl und darum, die Menschen aufzuklären, damit sie sich nicht betrogen fühlen. Eine andere Frage ist, wie viel der Einzelne überhaupt über die Wahrheit hinter den Kulissen wissen will – denn manchmal werden Dinge komplizierter je mehr man weiß.

Im Film sind Journalisten käuflich. Realistisch?

Na klar. Das fällt jedem auf, der unter einem Artikel liest, dass das besprochene Auto oder die angetretene Reise von Hersteller XY zur Verfügung gestellt worden war. Diese Art der Transparenz ist wichtig: Die Einladung wird angenommen, weil die Redaktion das Thema für journalistisch relevant hält. Ist ja erlaubt. Aber wie definiert man überhaupt käuflich? Ist man schon käuflich, wenn man sich als Journalist bei einem Pressetermin zu einer Suppe einladen lässt?

Trauen Sie den Medien?

Die Medien, denen ich nicht Traue, blende ich aus. Im Zweifelsfall ist es immer gut, viele verschiedene Meinungen einzuholen und unterschiedliche Perspektiven einzunehmen. Ein Potpourri aus diversen Medien bzw. Presseschauen hilft Sachverhalte zu begreifen und einzuordnen. Je mehr ich weiß, desto besser. Das ist manchmal wirklich wahnsinnig anstrengend, denn niemand kann alles wissen und ein Spezialist in allen Dingen sein. Aber gerade deswegen ist es wichtig, dass es gute Journalisten gibt, die uns informieren. Ich bin ganz großer Freund einer heterogenen, bunten Presse und vor allen Dingen der Pressefreiheit. Wir brauchen die Freiheit, uns eine eigene Meinung zu bilden, keine vorgegebene.

"Tödliche Geheimnisse" wird fortgesetzt: Inwiefern geben Sie Ihrer Karriere künftig auch als Schauspielerin in dramaturgisch zugespitzten Filmen eine neue Wende?

Überhaupt nicht. Wende würde ja bedeuten, dass es eine Schublade gibt, in der ich stecken möchte, dabei habe ich mich noch nie festlegen müssen. Ich fühlte mich beim Dreh von "Tödliche Geheimnisse" ein bisschen erinnert an ein anderes verzwicktes Stück, bei dem ich vor 16 Jahren mitgespielt habe – "Liebesluder" von Detlev Buck. Das war auch ein Ensemblefilm mit vielen Intrigen. Ich habe immer große Freude an guten Geschichten und Dialogen, und daran, in einem Ensemble zu arbeiten.

Was sind Ihre nächsten spruchreifen Projekte?

Nach "Findet Dorie" und "Tödliche Geheimnisse" ist als Nächstes, am 23. November, "Wellness für Paare" in der ARD zu sehen - ein improvisierter Film mit fünf Paaren. Den haben wir in nur eineinhalb Tagen gedreht mit 20 Kameras und ohne festes Drehbuch. Außerdem habe ich gerade die letzte Simpsons-Staffel synchronisiert.

Interview: Mike Powelz

Oliver Masucci über "Tödliche Geheimnisse"

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