Große Politik als TV-Krimi: "Tödliche Geheimnisse"

Was wir bereits wissen
Das so heftig umstrittene TTIP-Abkommen ist Thema des hochklassig besetzten Thrillers "Tödliche Geheimnisse".

Es ist komplex und wird überaus kontrovers diskutiert: Schon seit 2013 verhandeln die Europäische Union und die USA über das Transatlantische Freihandelsabkommen, bekannter unter dem Kürzel TTIP. Kritik entzündet sich einerseits an der mangelnden Transparenz der Verhandlungen: Nicht einmal Mitglieder des Europaparlaments oder der nationalen Parlamente dürfen Verhandlungstexte einsehen, Großkonzerne hingegen scheinen durch ihre Lobbyisten massiven Einfluss zu nehmen. Umwelt- und Verbraucherschützer fürchten andererseits die Au fweichung der im Vergleich zu den USA hohen europäischen Standards.

Kann man um dieses Thema einen spannenden Thriller stricken? Man kann, wie Sherry Hormanns Fernsehfilm "Tödliche Geheimnisse" (5. November, 20.15 Uhr, Das Erste) beweist.

Darum geht’s in "Tödliche Geheimnisse"

Das von Karin Berger (Anke Engelke) geleitete Magazin "Der Puls" steht vor dem wirtschaftlichen Aus. Da kommt ein Angebot des Lobbyisten Holthaus (Oliver Masucci) genau im richtigen Moment.

Er will gegenüber dem Blatt auspacken und Beweise dafür liefern, dass Lilian Norgren (Katja Riemann) – mächtige Chefin eines Agrarkonzerns – massiven Einfluss auf die TTIP-Verhandlungen nimmt, um so geltendes Recht in Deutschland auszuhebeln. Doch bevor Holthaus "Puls"-Reporterin Rommy Kirchhoff (Nina Kunzendorf) Beweismaterial übergeben kann, verschwindet er spurlos. Für die Journalistin beginnt eine Spurensuche, bei der sie bald in Lebensgefahr gerät.

"Das Thema TTIP steht für die unentwirrbaren Verflechtungen von Geld, Macht, Politik und Konzerninteressen, die ganz tief, ohne dass wir es merken, unseren Alltag umkrempeln", meint Gabriela Sperl ("Operation Zucker"), die Produzentin des Thrillers. Aber ist das nicht eher ein Thema für ein Politmagazin als für die TV-Unterhaltung? Nein, findet Hauptdarsteller Oliver Masucci ("Er ist wieder da"), es muss nur spannend verpackt werden. Schauspieler Oliver Masucci im Gespräch mit GOLDENE KAMERA: "Alle Hauptfiguren sind einsame, investigative Personen. Diese menschliche Komponente kommt zur politischen hinzu. Deshalb ist es einfacher, dem komplexen Thema zu folgen."

Oliver Masucci über "Tödliche Geheimnisse"

Der von ihm gespielte Informant Holthaus erinnert an einen realen Whistleblower, der ein politisches Beben auslöste. Hauptdarstellerin Anke Engelke: "Die meisten Menschen denken beim Begriff Whistleblower an Edward Snowden, und für den hegen wir in Deutschland alle große Sympathien. Wer sich für Politik interessiert, findet es gut, wenn mal einer auspackt und erzählt, was hinter den Kulissen passiert. Das Ganze lässt sich natürlich auch so vermitteln, dass es böse ist, Geheimnisse auszuplaudern. In den USA gilt Snowden deshalb als Staatsfeind. Doch ein Whistleblower ist eine Petze für das Gute: Ihm geht es um das allgemeine Wohl und darum, die Menschen aufzuklären, damit sie sich nicht betrogen fühlen."

Anke Engelke über "Tödliche Geheimnisse"

Oliver Masucci sieht das ähnlich und kritisiert zugleich die Regierungen Europas. "Snowden bekam nicht den Schutz, den wir ihm hätten geben können." Unter anderem hatten Deutschland und Frankreich Asylanträge des Whistleblowers abgelehnt. Aber auch zum zentralen Thema von "Tödliche Geheimnisse", dem so umstrittenen Freihandelsabkommen TTIP, gibt es kritische Stimmen im Ensemble des Films. Nina Kunzendorf, im Film als Journalistin auf der Suche nach der Wahrheit, sagt im Gespräch mit GOLDENE KAMERA: "Durch die Beschäftigung mit dem Film weiß ich mehr über das Thema als zuvor. Nichtsdestotrotz bin ich, wie die meisten anderen Normalbürger, weit davon entfernt, eine TTIP-Expertin zu sein. Dazu ist das Thema viel zu komplex, riesig und undurchsichtig. Ich bin aber mittlerweile informiert genug, um entschieden gegen TTIP zu sein!"

Fortsetzung von "Tödliche Geheimnisse"

Ähnlich sperrige Themen wie das Freihandelsabkommen sollen auch zum Inhalt der bereits geplanten Fortsetzung von "Tödliche Geheimnisse" werden. "Die wird schon bald in Südafrika gedreht", verrät Oliver Masucci. "Dann geht es um Agrar- und Chemiekonzerne – und das Drehbuch ist extrem spannend." Die Verflechtungen von Politik, Macht und Konzerninteressen bieten Stoff für mehr als einen Thriller.

Text und Interview: Mike Powelz

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