Am Set der 2. Staffel "Club der roten Bänder"

Was wir bereits wissen
Die gefeierte Serie "Club der roten Bänder" geht in die zweite Staffel. GOLDENE KAMERA war exklusiv zu Gast am Set.

Mit "Club der roten Bänder" landete der kleine Sender Vox überraschend einen Riesenhit: Die ungewöhnliche TV-Serie um den Klinikalltag einer Gruppe schwerkranker Jugendlicher fesselte Ende 2015 bis zu 2,71 Millionen Zuschauer und wurde – verdientermaßen – im Folgejahr mit Grimme-Preis, Deutschem Fernsehpreis und weiteren Auszeichnungen überhäuft. Da nimmt es nicht Wunder, dass Vox umgehend eine zweite Staffel orderte.

"Club der roten Bänder" basiert auf dem autobiografischen Roman "Glücksgeheimnisse aus der gelben Welt" des Spaniers Albert Espinosa, der in mehr als 40 Sprachen und allein in Deutschland gut 250.000-mal verkauft wurde. Der heute 42-jährige Autor verarbeitet darin die eigenen Erfahrungen, als Jugendlicher verbrachte er selbst zehn Jahre größtenteils im Krankenhaus – im ständigen Kampf mit dem Krebs.

Espinosa kennt daher sämtliche Gefühle, die auch in der Serie mitschwingen: So stehen die kranken Mitglieder der Clique im Albertus Klinikum einander bei, wenn dem Kumpel die nächste Chemotherapie bevorsteht und er am liebsten aufgeben würde. Sie veranstalten aber auch übermütig ein Basketballturnier auf dem Dach. Und verlieben sich ineinander.

Was in Staffel 1 passierte

Derzeit wiederholt Vox die zehn Episoden der ersten Staffel, bevor es am 7. November, 20.15 Uhr, mit den neuen Folgen weitergeht.

Trailer zu 1. Staffel "Club der roten Bänder"

Eine kurze Rückblende: Leo (Tim Oliver Schultz), dem krebskranken Chef der Clique, musste ein Bein amputiert werden, auch sein Zimmergenosse Jonas (Damian Hardung) verlor durch den Krebs ein Bein. Beide kämpften um die Liebe der magersüchtigen Emma (Luise Befort), die sich für Jonas entschied.

Der schwer herzkranke Alex (Timur Bartels) starb bei einer Operation. Toni (Ivo Kortlang), ein für übersinnliche Schwingungen empfänglicher Autist, hörte Alex’ Stimme während dessen Todeskampf. Toni war auch der Einzige, der über Gedanken mit Hugo (Nick Julius Schuck) kommunizieren konnte – bis der in der Folge zehn aus dem Koma erwachte.

Ein dramatisches Staffelfinale, das bei Fans der Serie jede Menge Fragen aufwirft. Wie geht es weiter mit den Freunden, wer kommt als Patient neu hinzu? Und natürlich: Wer überlebt – und wer wird sterben? Einige Antworten kennt GOLDENE KAMERA bereits, denn wir waren beim Dreh zu der 18. Folge "Die Wahrheit" zu Gast am Set in Monheim bei Köln.

Am Set von "Club der roten Bänder"

Der Drehtag im August beginnt in Zimmer 432, wo Benito (Matthias Brenner), ein älterer Mitpatient der sich schon in Staffel eins zu Leos Mentor entwickelt hat, dem Jungen die Leviten liest. Leo soll einer neuen Behandlung zustimmen, doch der Teenager ist voller Zweifel und Wut. Er fürchtet, die Therapie könne seine Fruchtbarkeit dauerhaft schädigen, überlegt, ob er sein Sperma einfrieren lassen muss.

Auch wenn wir hier nur Schauspieler bei der Arbeit erleben, fällt es leicht, mitzufühlen und zu verstehen, wenn Leo sich darüber beklagt, dass kein anderer Teenager derart schlimme Entscheidungen treffen muss. Beim Gang über den Set fällt der Blick auf einen neuen Namen an einem Türschild. Wir erfahren, dass die an Brustkrebs erkrankte Kim (Nele Schepe) in der Staffel zwei Zimmer 418 bezieht, während die von ihrer Magersucht geheilte Emma nach Berlin zieht. Ob sie dem Alltag standhält oder ein Rückfall droht? Das bleibt noch geheim.

Immerhin gibt Regisseur Felix Binder in der Mittagspause ein paar Veränderungen Preis. "In Staffel zwei verlassen einige Patienten die Klinik, die Zuschauer lernen nun deren Lebenswelt als Ex-Patienten kennen, und sie können zusehen, wie die Heranwachsenden die Zeit nach ihrer Entlassung meistern – das gelingt mal besser, mal schlechter. Ansonsten verrate ich nur, dass die Staffel nahtlos ans Ende der ersten anschließt, ziemlich direkt, nachdem Hugo aus dem Koma erwacht ist."

"Club der roten Bänder"-Regisseur Felix Binder im Interview

Auch Ivo Kortlang, der in der Serie den hochbegabten Toni spielt, ist an diesem Tag am Set. Er berichtet von einem Gespräch mit dem Autor Albert Espinosa, in dem er viel über die wahre Biografie des von ihm gespielten Jungen erfuhr: "Alles, was mir Espinosa über den echten Toni und dessen Beziehung zu seinem scheinbar überaus pragmatischen Großvater erzählt hat, habe ich später gedanklich in die Rolle einfließen lassen. Äußerlich wirkt es in der Serie ja so, als würde sich der Großvater wahnsinnig viel um Toni kümmern. In Wirklichkeit hat sich Toni immer ein bisschen schwächer gemacht, damit sich sein Großvater gebraucht fühlt. Das zu verstehen war für mich ein echter Aha-Moment!"

Ivo Kortlang über seine Rolle als Toni in "Club der roten Bänder"

Ebenfalls inspirierend findet Ivo Kortlang die Resonanz der Zuschauer: "Viele Menschen schildern uns eigene Krankengeschichten – oder aber ihre schwierigen Arbeitsbedingungen als Pfleger oder Schwester. Und sie danken uns gleichzeitig, dass wir ihre Situation abbilden und ihnen auf diese Weise helfen. Eine Pflegerin etwa hatte aufgrund von monatelanger Unterbesetzung darüber nachgedacht, ihren Beruf an den Nagel zu hängen. Dann jedoch sah sie unsere Serie und bekam dadurch vor Augen geführt, wie sehr sie kranken Kindern hilft – und sei es nur, wenn sie sie morgens mit einem Lächeln begrüßt."

Ivo Kortlang verrät, wie es mit "Club der roten Bänder" weitergeht

Auch das Leben der Schauspieler hat die preisgekrönte Serie verändert. Leo-Darsteller Tim Oliver Schultz etwa sagt uns: "Der 'Club der roten Bänder' ist mehr als ein Job. Er hat mich viel Dankbarkeit gelehrt. Denn nun weiß ich, wie wertvoll es ist, gesund im Hier und Jetzt zu leben." Wie die meisten Jugendlichen habe auch er sich nie mit dem Thema Krebs auseinandergesetzt. Die Krankheit werde viel zu sehr tabuisiert, als das man sie an sich heranlasse. "Durch den Dreh jedoch habe ich mich extrem damit beschäftigt – und ich habe versucht zu verstehen, was Krebskranke durchmachen, während sie Chemotherapien bekommen und lange im Krankenhaus sind." Schultz weiter: "Mir ist bewusst geworden, dass die Kids, die im Krankenhaus die ganzen Qualen durchmachen, auch eine Art von Superhelden sind. Sie kämpfen so sehr gegen den Krebs – und so sehr für das Leben."

"Club der roten Bänder": Tim Oliver Schultz über Superhelden

Den kleinen Helden mit ihrer übergroßen Kraft möchte der Schauspieler mehr öffentliche Aufmerksamkeit verschaffen. "Durch den 'Club der roten Bänder' bekommen die Kids eine Stimme und ein Gesicht. Ich war oft im Krankenhaus bei krebskranken Kindern und habe mich mit ihnen unterhalten. In Spanien sind die Besucherzahlen auf Kinderkrebsstationen dank der Serie übrigens um 40 Prozent gestiegen!"

"Club der roten Bänder": Tim Oliver Schultz verrät Geheimnisse aus Staffel 2

Für den deutschen "Club der roten Bänder" gab es zur ersten Staffel bereits Kritikerlob, Preise und obendrein Topeinschaltquoten. Mehr geht nicht in der zweiten Staffel? Doch – ein wie in Spanien messbarer Effekt, mehr Besucher bei den schwerkranken Kindern, würde den Erfolg der Serie so richtig rundmachen.

Text und Interviews: Mike Powelz

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Foto: © SAT.1/ProSieben/ Richard Hübner
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