Serien-Event der Woche: "O.J. Simpson: Made in America"

Erstmals bei uns im TV: Ab dem 7. Juli zeigt arte die Oscar-gekürte Doku-Serie über Aufstieg und Fall einer US-Sportikone, die zum Sinnbild einer bis heute gespaltenen Gesellschaft wurde.

Dass bei den diesjährigen Oscars ein Mammutwerk von fast acht Stunden Länge als “Bester Dokumentarfilm” ausgezeichnet worden ist, lässt erahnen, welch fesselnde Faszination von "O.J. Simpson: Made in America" ausgeht. Und in der Tat: Ezra Edelmans fünfteilige Doku-Serie, die 2016 für den US-Sportkanal ESPN entstanden ist und jetzt von arte in zwei Blöcken am 7. und 8. Juli jeweils ab 20.15 Uhr ausgestrahlt wird, ist weit mehr als die Aufarbeitung einer spektakulären Mordanklage, die als der “Prozess des Jahrhunderts” in die Annalen der Mediengeschichte eingegangen ist.

Darum geht’s in "O.J. Simpson: Made in America"

Als im Juni 1994 Nicole Brown und ihr Begleiter ermordet aufgefunden werden, gerät Browns Ex-Mann O.J. Simpson schnell unter Verdacht. 1995 wird die schwarze Ikone des American Football wegen Doppelmordes angeklagt und nach vierjähriger Gerichtsverhandlung, die von CNN live übertragen wurde, trotz erdrückender Beweislast freigesprochen. Wie es dazu kommen konnte, beleuchtet Dokufilmer Edelman mit Unmengen an Archivmaterial und Zeitzeugeninterviews, die den damaligen “Showprozess” in das beispielhafte Portrait eines afroamerikanischen Sportstars und die in die Ära der eskalierenden Rassenunruhen im Kalifornien der 80er und 90er Jahre einbetten.

Originaltrailer zu "O.J. Simpson: Made in America" (TV-Start: 7.7.2017)

Die GOKA-Kritik zu "O.J. Simpson: Made in America"

Durch ausgeklügelte Schnitte und Parallelmontagen verwandelt Ezra Edelman sein akribisch recherchiertes Filmmaterial in einen packenden Erzählfluss, in dem zunächst der Aufstieg von Orenthal James Simpson aus bescheidenen Verhältnissen zum gefeierten Football-Megastar der 70er Jahre und charismatischen Medienliebling geschildert wird. Gleichzeitig wird deutlich, dass eine der ersten schwarzen Werbe-Ikonen der USA an den Problemen der schwarzen Community zunächst kein Interesse zeigte. Simpsons berüchtigte Äußerung "Ich bin nicht schwarz, ich bin O.J." wird kontrastiert mit der niemals überwundenen Geschichte amerikanischer Apartheid, die 1992 in der für Massenunruhen sorgenden Misshandlung des Taxifahrers Rodney King durch weiße Polizisten gipfelten.

Die Handschuh-Farce im Gerichtsverfahren gegen O.J. Simpson (1995)

Es gehört zu den Stärken von "O.J. Simpson: Made in America", dass in den fünf Doku-Episoden entlarvend aber ohne Meinungsmanipulation herausgearbeitet wird, wie der selbsternannt "farblose" Mordverdächtige unter dem Verdacht eines systematisch rassistischen Justizsystem zum Sinnbild schwarzer Unterdrückung werden konnte. Dabei zeichnet speziell das vierte Kapitel '"Ein Handschuh hält die Welt im Atem", in dem die Farce um den Simpson angeblich zu kleinen Täterhandschuh thematsiert wird, ein kritisches Bild über hysterische Medienberichterstattung, die schnurgerade in unser "postfaktisches Zeitalter" führt, in dem so manche Wahrheit im Fokus medialer Öffentlichkeit mir nichts, dir zu "Fake News" erklärt wird.

Wer sollte sich "O.J. Simpson: Made in America" anschauen?

Jeder "True Crime"-Fan, der sich nicht nur für das Verbrechen, sondern die gesellschaftlichen Mechanismen dahinter interessiert.

Warum muss ich "O.J. Simpson: Made in America" sehen?

Weil die Relevanz dieses mehr als 20 Jahre zurückliegenden "Showprozesses" bis in unsere Gegenwart reicht.

Für Fans von…

…der ersten "American Crime Story"-Staffel "The People v O.J. Simpson"

Die GOKA-Wertung

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Für die Krimireihen-Fortsetzung "Harter Brocken: Der Bankraub" stehen seit dem 8. Juni Julia Koschitz, Aljoscha Stadelmann und Michael Rotschopf (r.) vor der Kamera
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