LeFloid: "Meine Eltern kommen mit dem Internet nicht klar"

LeFloid, Deutschlands bekanntester YouTuber, ist für den GOLDENE KAMERA Digital Award in der Kategorie #CHANNEL nominiert. GOLDENE KAMERA traf ihn zum Interview.

Unsere Expertenjury hat 20 Kandidaten zur Wahl gestellt, die das Online-Publikum mit ihrem Kanal und einem unterhaltsamen Format begeistern konnte. Bis zum 2. Dezember konnten die User aus diesen 20 Kandidaten ihre Favoriten wählen. Die drei Top-Platzierten des User-Votings sind automatisch nominiert. Und das sind: Julien Bam, LeFloid und TheSimpleClub.

Wer von den drei Nominierten die Trophäe erhält, wird am Samstag, 18. Februar 2017, in der Roadshow zum GOLDENE KAMERA Digital Award mit Joyce Ilg und Steven Gätjen ab 21.55 Uhr in ZDFneo und auf goldenekamera.de verraten.

Wir trafen den Nominierten LeFloid zum Interview und sprachen mit ihm über das Zusammenwachsen von TV und Internet und über sein Erfolgsrezept auf Youtube.

Interview mit LeFloid

Herzlichen Glückwunsch zur Nominierung! Hast Du Dich gewundert, dass die GOLDENE KAMERA sich auch für Youtube interessiert?

Zuerst habe ich mich extrem gefreut, was für eine Riesenehre! Und dann begann das Herantasten: Die GOLDENE KAMERA ist ja ein renommierter Preis, aber eigentlich in einem völlig anderen Feld. Auch der nach außen hin wahrgenommene Unterschied zwischen TV und Online ist ja immer noch riesig. Interessant, dass man versucht, sich anzunähern. Spannend! Und ich finde nichts so aussagekräftig wie Zuschauerpreise. Hier in die letzte Runde zu kommen, freut mich extrem, weil ich in solchen Momenten merke, dass so viele Leute auch wertschätzen, was ich mache. Deswegen freue ich mich echt, hier zu sein.

Glaubst Du, TV und Internet können weiter zusammenwachsen?

Mama, Papa, Omi und Opi gucken sich Zuhause die GOLDENE KAMERA an, wissen aber nicht, dass es den Digital Award überhaupt gibt. Es wäre schön, sie irgendwann einmal zusammenzuführen. Die 1Live Krone hat es ja schon gemacht, was sehr gut funktioniert. Der Grimme-Preis hinkt noch hinterher. Mal gucken, wie sich die GOLDENE KAMERA anstellt – ich bin guter Dinge!

Glaubst Du, es gibt zu viele Vorbehalte zwischen diesen beiden Gattungen?

Vorbehalte nicht. Ich glaube tatsächlich – ich sehe es ja schon an meinen Eltern – dass die pure Masse an Informationen und On-Demand-Angeboten für einige Leute zu viel ist. Meine Eltern kommen mit dem Internet nicht klar, weil es ungefiltert für sie zu viel ist. Da spielt es tatsächlich eine Rolle, wie man mit den verschiedenen Medien aufwächst. Und da stehen zwei Generationen an einem Scheideweg: Die einen werden noch ewig auf analoges Fernsehen zurückgreifen, das dir vorschreibt, zu welcher Zeit du etwas gucken kannst. Was aber auch für einen bestimmten Rhythmus und einen bestimmen Kult sorgt. Ich gehöre sogar, so spießig es klingt, zu den Leuten, die "Tatort" gucken, weil ich weiß: Sonntag, 20.15 Uhr, kann mich die Welt mal, da ist mein Wochende – punkt! Aber On Demand ist für mich trotzdem das Medium der Zukunft. Ich möchte mir nicht vorschreiben lassen, dass ich um 20.15 Uhr irgendwo zu sitzen habe, wenn ich es zu jeder Zeit immer und überall abrufen kann.

Wie schaffst Du es, jede Woche neue Videos online zu stellen und nebenbei noch zu studieren?

Das ist nicht so schwer. Mit dem Studium brauche ich jetzt ein gutes Zeitmanagement, aber das kriege ich gut hin. Ich habe auch Leute – Grüße an Jan und Olli! – die mir beim Schnitt unter die Arme greifen, wenn ich merke, ich habe keine Zeit. Es ist zum Glück nicht mehr so, dass ich mich 24 Stunden in meinem stillen Kämmerchen einschließen muss, um Sachen kurz und knapp fertig zu bekommen. Themen für meine Videos zu finden, ist dagegen mehr als einfach: Es passiert so unglaublich viel in der Welt, über das es sich zu diskutieren lohnt – also ich sitze wahrlich nicht auf dem Trockenen, was die Themenfindung angeht.

Was glaubst Du macht den Erfolg von LeFloid aus?

Mit dieser Frage tue ich mich seit acht Jahren schwer! Vielleicht war ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit einer halbwegs vernünftigen Idee und bin dann drangeblieben. Ich weiß es wirklich nicht. Vielleicht ist es der Mix aus "Kein Blatt vor dem Mund nehmen", Informationsgehalt – und immer auch sich als Youtuber ins Gedächtnis zu rufen, dass Youtube an sich ja ein soziales Netzwerk ist. Deshalb solltest du dich, wenn du Content kreierst, auch als Teil der Community fühlen und im Austausch bleiben. Man darf sich dem nicht entziehen und das Gefühl darf man auch den Leuten nicht wegnehmen zu sagen, okay, wir sind immer noch eine Community. Wenn man sich das beibehält, hilft das.

Kommt daher auch die Faszination für Youtube?

Ja, der Dialog hält das ganze Ding am Leben. Trotz riesiger Zugriffszahlen haben die meisten Leute immer noch das Gefühl, aufgehoben zu sein und verstanden zu werden, weil sie sich ganz oft wiederfinden in dem Feedback, was wir ihnen geben. Und ich erkenne aus den Kommentaren, was die beliebten Themen sind, worauf man nochmal eingehen sollte.

Wen würdest Du für den #GKDA nominieren?

Einer der Leute, den ich nominieren würde, sitzt tatsächlich heute hier: Das ist Julien Bam, der meiner Meinung nach großartigen Content auf Youtube macht. Andererseits bin ich großer Fan von Rayk Anders, dem ich das gönnen würde und der leider nicht die Aufmerksamkeit bekommt, die er verdient hat. Und dann gibt es noch zwei Kanäle, wo ich ganz klar sage, die Leute müssen eine GOLDENE KAMERA kriegen, das sind die Space Frogs und ganz klar Marti Fischer – Clavinover, der mit den besten Content macht, den man aktuell auf Youtube finden kann. Und sich in 2016 mega entwickelt hat, was seine Formate angeht. The Clavinover Marti Fischer für die GOLDENE KAMERA 2018!

Haben neben Youtube auch Netflix und Amazon bei Dir eine Chance?

Alles! Ich bin der schlimmste Serienjunkie, den es gibt. Egal ob Netflix, Amazon, UFC Fight Pass – alles. Ich bin auf Youtube wahnsinnig gerne zuhause, aber zu größeren Teilen doch im amerikanischen Raum. Weil mir da das Angebot doch noch wertiger erscheint. Weil ich da Fiction finde, um die sich in Deutschland noch zu wenig gekümmert wird, auch, weil die Mittel fehlen. Und weil sich Youtube 2016 in eine Richtung entwickelt hat, die ich nicht unbedingt vorzeigbar finde. Da sind Prioritäten falsch gesetzt worden: Klicks um jeden Preis darf nicht das Motto sein. Man kann auch echt nicht jeden Scheiß mit Provokation oder Pranks rechtfertigen, das funktioniert auf einem gewissen Level der Anspruchslosigkeit und Pietätlosigkeit einfach nicht mehr. Die gibt’s in den USA natürlich auch, aber sie tun sich da nicht so hervor. Wir hängen youtube-technisch den USA immer etwa drei Jahre hinterher. Und das, was es da an Prankstern gab, ist vorbei, nahezu tot. Es gibt in den USA wirklich großartige Kanäle wie Corda Digital und ähnliche, die sich um fiktive Bereiche kümmern, die großartige Sachen machen. Eine der besten Serien, die ich überhaupt kenne, ist "Video Game High School". Sie ist auf Youtube in den USA zu sehen und wurde von Netflix gekauft – und sowas wünsche ich mir für Deutschland!

Interview: Dirk Oetjen

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