Im Gespräch mit "Lotte"-Newcomerin Zita Aretz

GOKA-Talent Zita Aretz (19)
GOKA-Talent Zita Aretz (19)
Foto: © René Löffler
Was wir bereits wissen
Im Mutter-Tochter-Drama "Lotte" gibt Zita Aretz ihr vielversprechendes Kinodebüt. In unserer Rubrik 'GOKA-Talents' stellen wir das 19-jährige Schauspieltalent vor.

Wenn am 27. Oktober das tragikomische Indie-Drama "Lotte" des Regiedebütanten Julius Schultheiß in die deutschen Programmkinos kommt, kann man sich nicht nur davon überzeugen, was "Tatort"-Kommissarin Karin Hanczewski für eine begnadete Charakterdarstellerin ist, sondern auch davon, dass man sich um den deutschen Schauspielnachwuchs keine Sorgen machen muss. Hanczeswki spielt die titelgebende Krankenschwester, die ohne Rücksicht auf soziale Verluste durch ihr Privat- und das Berliner Nachtleben tobt. Bis sich Patientin Greta (Zita Aretz) als Lottes beim Vater aufgewachsene Tochter entpuppt und hartnäckig ihren Egotrip zwischen Selbstverwirklichung und Selbstzerstörung auf den Prüfstand stellt...

Trailer zu "Lotte" (Kinostart: 27.10.2016)

Zita Aretz im Portrait

Dass Zita Aretz neben Karin Hanczewskis übermächtiger Leinwandpräsenz nicht untergeht, sondern eindrucksvoll ihre junge Frau steht, ist ein deutliches Indiz für das schauspielerische Talent, das in der 19-Jährigen schlummert. Die vereinnahmende Natürlichkeit, mit der sie "Lotte" passiv-aggressiv aus der Reserve lockt, wirkt dabei allerdings nie wie ungespielte Selbstdarstellung, sondern wie der Ausdruck eines tiefgreifenden Rollenverständnisses. Dabei kam die 1996 geborene Berlinerin durch Zufall zur Schauspielerei. Im Alter von 13 Jahren wurde Zita von ihrem Agenten auf der Straße angesprochen und ließ sich nach Rücksprache mit ihren Eltern auf Probeaufnahmen und ein paar Einheiten mit einem Schauspielcoach ein.

Ihren Einstand vor der Kamera gab die damalige Schülerin im ZDF-Krimi "Die Toten von Hameln" (2014), auf den kleine Ein-Tages-Nebenrollen in den Indie-Dramen "Jesus Cries" (2015) und "Wanja" (2015) folgten. Obwohl danach mit "Lotte" ihre erste Co-Hauptrolle an die Karrieretür klopfte, schlug Zita Aretz einen Richtungswechsel ein: Seit einem Jahr studiert sie an der Humboldt-Universität Biophysik – weil sie, die wahnsinnig gerne neue Dinge lernt, wissen will, wie die Welt funktioniert und sich eigentlich nicht vorstellen kann, auf dem Sofa sitzend auf das nächste Filmangebot zu warten. Eine sympathisch bodenständige Einstellung gegenüber der verheißungsvollen Glitzerwelt des Films, die Zita auch zum Auftakt ihres Demo-Reels erkennen lässt, wenn sie mit entwaffnender Unbekümmertheit ihre Hobbys auflistet: "Und ich schauspiele auch gerne!"

Zita Aretz im Interview

Was ist es, das Dich an der Schauspielerei begeistert?

An der Schauspielerei begeistert mich am meisten, dass man Sachen, die sich Autoren ausgedacht haben, mit Leben füllen und jeder Figur einen eigenen individuellen Charakter geben kann. Kurz gesagt: das Erschaffen einer neuen kreativen Welt. Sich in neuen Figuren auszutesten und auszuprobieren, ermöglicht es mitunter auch, sich selber besser kennenzulernen.

Du hast beim TV-Krimi "Die Toten von Hameln" mit einem Regieveteranen, ansonsten mit Regiedebütanten gedreht. Welche Unterschiede hast Du festgestellt und was war schauspielerisch die größere Herausforderung?

Es gab auf jeden Fall Unterschiede. Beim ZDF-Krimi war natürlich alles viel getakteter. Es war aber trotzdem recht familiär. Bei "Lotte" war es auch so, dass ich extrem lange mit den Leuten unterwegs war, bevor wir gedreht haben. Aber mit Regiedebütanten kann man noch ein bisschen mehr eigene Ideen mit einbringen, den Charakter noch ein bisschen ändern. Da ist der Spielraum viel größer. Und es macht insofern mehr Spaß, weil es eine größere Herausforderung ist und weil alle zusammen im Team an etwas Größerem arbeiten. Das ist etwas anderes, als wenn man schon festgeschriebene Szenen hat, die wirklich 1:1 übernommen werden. Es ist schon mehr wie eine gemeinsame Reise.

Wie ist es dazu gekommen, dass Du die Greta in "Lotte" spielst und was hat Dich besonders an der Rolle gereizt?

Ich habe beim Vorspielen mit Regisseur Julius Schultheiß sehr viel über die Rolle geredet. Ich fand die Figur sehr interessant, weil sie eine Entwicklung durchläuft. Am Anfang ist sie die kleine Schüchterne, was ich ja sehr oft spiele, aber am Ende wird sie sehr stark und dominiert die Beziehung zu ihrer Mutter.

Man hat von Anfang an das Gefühl, dass zwischen Dir und Karin Hanczeswki die Chemie stimmt. Wie war die Zusammenarbeit?

Das war wirklich super! Karin ist eine Klasse-Frau und wir haben uns von Anfang an sehr gut verstanden. Wir konnten richtig viele Witze miteinander machen. Es war immer super lustig und jedes Mal, wenn ich sie sehe, freue ich mich total. Dass die Chemie zwischen uns gestimmt hat, sagen sehr viele Leute über uns. Es freut mich, dass man das im Film so sieht, weil es genauso war.

Stimmende Chemie ist ja das eine, diese schauspielerisch umzusetzen das andere. Wie schwierig war es, den Gegenpol zu Karins brodelnder Schauspielwut darzustellen?

Sie unterdrückt niemanden, wenn sie spielt. Wir hatten im Vorfeld unsere Rollen genau miteinander abgesprochen. Und da wir ja direkt so cool miteinander waren, waren auch die schwierigeren Szenen im Film gar nicht mehr schwierig. Es war vielmehr eine Bereicherung, weil da sehr viel spontan entstanden ist. Der ganze Dreh war sehr angenehm.

Clip aus "Lotte" (Kinostart: 27.10.2016)

Das klingt nach einem hohem Maß an Improvisation. Wie wichtig ist Dir dieser schauspielerische Freiraum?

Das macht mir schon mehr Spaß als einen Text auswendig zu lernen und nur das zu spielen, von dem ein anderer eine genaue Vorstellung hat. Ich bevorzuge Regisseure, die einen bestärken, eigene Ideen zu haben. So gesehen macht mir Improvisieren schon mehr Spaß.

Hast Du schon ein neues Projekt in der Pipeline?

Letztes Jahr habe ich noch einen Film mit Regisseurin Alisa Berger gedreht, der sich gerade in der Postproduktion befindet und auf Festivals eingereicht wird. "Die Körper der Astronauten" handelt von einer Familie, die keine Mutter mehr hat und deren Vater alkoholabhängig ist. Ich spiele die ältere von zwei Schwestern. Meine Rolle verfügt wieder über eine besondere innere Stärke und sie versucht, die Familie zusammenzuhalten. Dabei hat sie nebenbei eine Beziehung und lernt ihren Körper kennen – und wird dabei irgendwie zur Frau. Ich bin wirklich gespannt, wie der Film geworden ist! Gleiches gilt für "Mein Bruder Robert" von Regisseur Philip Gröning. Darin spiele ich zwar wieder nur eine kleine Rolle, die Dreharbeiten waren aber ungemein spannend und haben mir viel bedeutet.

Wie sehen Deine nächsten Pläne in Bezug auf die Schauspielerei aus? Könntest Du Dir auch noch den Gang an eine Schauspielschule vorstellen?

Ich will auf jeden Fall mein Studium zu Ende machen und vielleicht auch den Master in Biophysik anhängen und danach noch etwas anderes studieren. Aber nicht unbedingt an der Schauspielschule. Trotzdem ist die Schauspielerei für mich immer noch eine Option, da mir jedes Projekt bisher extrem viel Spaß gemacht hat. Aber ich bin ja auch noch jung und muss mich nicht direkt festlegen. Deswegen bin ich ganz zufrieden mit der jetzigen Situation.

Text + Interview: Alexander Attimonelli

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