"Willkommen bei den Hartmanns": Elyas M’Barek im Interview

Was wir bereits wissen
Star mit Bodenhaftung: Elyas M’Barek über seine neue Komödie "Willkommen bei den Hartmanns" (Kinostart: 3. November), den Spaß am Spielen und seine Zukunftspläne.

Darum geht's bei "Willkommen bei den Hartmanns"

Bei den Hartmanns aus München hängt der Haussegen schief: Angelika (Senta Berger) und Richard (Heiner Lauterbach) hadern mit dem Alter, Sohn Philip (Florian David Fitz) ist vom Ehrgeiz zerfressen, Tochter Sophie (Palina Rojinski) sucht den Traummann und weiß noch nichts von Ex-Mitschüler und Jungarzt Tarek (Elyas M’Barek).

Trailer zu "Willkommen bei den Hartmanns"

"Bin ich Ihnen zu dunkel?", fragt Elyas M’Barek seinen zukünftigen Schwiegervater – eine von mehreren Szenen in der Flüchtlingskomödie "Willkommen bei den Hartmanns", bei denen der Zuschauer kurz die Luft anhält.

Im Interview mit GOLDENE KAMERA verrät der 34-jährige Münchener, dass er ein Fan von Heiner Lauterbach ist, selbst schon mit Fremdenfeindlichkeit konfrontiert wurde – und wie die Chancen für "Fack ju Göhte 3" stehen.

Interview mit Elyas M’Barek

Florian David Fitz, Heiner Lauterbach, Uwe Ochsenknecht, Senta Berger – wie war es, mit so vielen deutschen Kinostars zu drehen?

Ein Ensemblefilm ist im Grunde einfacher als eine Produktion, in der du der Star bist. Du stehst nicht im Mittelpunkt, musst den Film nicht allein tragen. Eigentlich musste ich nur ab und zu vorbeikommen, meine Szenen spielen und Spaß haben. Der Nachteil: So oft sieht man die Kollegen beim Dreh leider gar nicht. Mit Florian David Fitz etwa hatte ich keinen einzigen gemeinsamen Drehtag.

Schauen Sie sich bei Kollegen etwas ab?

Eher weniger. Aber Heiner Lauterbach wollte ich immer schon mal kennenlernen! Es war toll, mit ihm vor der Kamera zu stehen, weil er ein grandioser Schauspieler ist. Das gilt natürlich auch für Senta Berger.

Das Flüchtlingsthema ist ein heißes Eisen, oder?

Klar, mir ist bewusst, dass der Film Diskussionen auslösen kann, aber ich habe mich vorher nicht groß damit beschäftigt. Mir gefiel die Geschichte, die sich um Menschlichkeit, Familienzusammenhalt und deutsche Vorurteile dreht. Das Gute an unserer Story: Alle Positionen, die man zur Flüchtlingsthematik einnehmen kann, sind vertreten und auch alle Ängste, die es in unserer Gesellschaft gibt.

Haben Sie Angst, Ihre Fans damit zu verärgern?

Ach Quatsch! Das ist mir herzlich egal. Wenn Leute so kleingeistig sind und mich als Schauspieler nicht mehr sehen wollen, nur weil ich in einer Komödie mit politischem Hintergrund mitmache, dann sollen sie es eben lassen. Wer so denkt, konnte wahrscheinlich schon vorher nichts mit mir anfangen. Für alle anderen gilt: Ich hoffe, dass unser Film zur Entkrampfung beiträgt und dass die Leute über dieses Thema – und auch über sich selbst – lachen können.

Haben Sie auch, wie Autor und Regisseur Simon Verhoeven, für den Film recherchiert?

Nein, ich spiele ja einen Arzt und musste nur wissen, wie man die Spritze hält und jemanden wiederbelebt. Es ist keine große Kunst, den weißen Kittel anzuziehen und Arztfloskeln zu sprechen. Das bekommt man hin, ohne zu behaupten, man hätte sich vorher megamäßig in das Thema eingearbeitet ...

Sie sind als Sohn eines Tunesiers in München aufgewachsen. Kennen Sie Fremdenfeindlichkeit aus eigener Erfahrung?

Ja. Das passiert vielen Leuten, die so aussehen wie ich – und die vor allem nicht prominent sind. Sie haben mit Vorurteilen zu kämpfen und werden benachteiligt.

Wie reagieren Sie auf Anfeindungen?

Es macht keinen Sinn zu streiten. Ich will mich mit so einem Quatsch nicht beschäftigen, dafür ist das Leben viel zu schön und zu kurz. Und was die angeblich unser Land überschwemmenden Ausländer angeht: Ich wüsste nicht, inwiefern mein Leben oder das meiner Mitmenschen dadurch schlechter werden soll – und ich lebe keineswegs abgeschieden und realitätsfern in irgendeinem Schloss, sondern mitten in München und gehe mit offenen Augen durch die Welt.

Anderes Thema: Kommt "Fack ju Göhte 3"?

Die Idee gibt’s ja schon länger. Ob sie umgesetzt wird, steht in den Sternen. Ich bin selber gespannt. Wenn es so weit ist, wird Autor und Regisseur Bora Dagtekin auf jeden Fall wieder eine tolle Geschichte schreiben.

Würden Sie gern mal dreckige Action drehen?

Mal gucken. Bisher kam da noch kein Drehbuch, also bitte, legt los! Ich lasse mich überraschen. Aber ich bin auch total happy mit dem, was ich gerade mache. Man darf nicht zu gierig werden.

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