Eine Kinowoche im Doku-Fieber: "Mapplethorpe" & Co.

Was wir bereits wissen
Die Dokumentation "Mapplethorpe: Look at the Pictures" gehört zu vier Kinofilmen, die ab dem 3. November den Beweis antreten, wie spannend Sachthemen auf der Leinwand erzählt werden können.

Wer Laura Poitras Oscar-prämierte Edward-Snowden-Doku "Citizenfour" oder den diesjährigen Gewinner "Amy" von Asif Kapadia kennt, weiß bereits, wie fesselnd vermeintlich trockene Sachfilme sein können. Gleich vier Dokumentarfilme dieser sehenswerten Kategorie starten am 3. November in ausgewählten Programmkinos und veranschaulichen, welche thematische Bandbreite dieses zu unrecht ignorierte Filmsegment zu bieten hat.

"Mapplethorpe: Look at the Pictures"

Die Filmbiographie von Randy Barbato und Fenton Bailey ("Inside Deep Throat") über das 1989 verstorbene Foto-Genie Robert Mapplethorpe beginnt mit einem dramaturgischen Kunstgriff: Originalaufnahmen zeigen, wie konservative US-Politiker eine Mapplethorpe-Ausstellung gerichtlich verhindern wollen und dazu aufrufen, sich die skandalösen Bilder dieses homosexuellen Perversen anzuschauen. Die beiden Regisseure gehen aber einen Schritt weiter. Im Gespräch mit zahlreichen Wegbegleitern blicken sie auf den Menschen hinter den Bildern und zeichnen so das Portrait eines nach Anerkennung strebenden Künstlers, für den die Provokation nur Mittel zum ästhetischen Zweck war. (Weitere Infos)

Trailer zu "Mapplethorpe: Look at the Pictures" (Kinostart: 3.11.16)

"A Good American"

In seiner neuen Dokumentation widmet sich der österreichische Filmemacher Friedrich Moser einem Mann, der bereits zwei Jahre vor Whistleblower-Ikone Snowden auf die dunklen Machenschaften der NSA aufmerksam gemacht hat. Als technischer Direktor des US-Geheimdienstes hatte der Datenanalyst Bill Binney an der Entwicklung des Programms "ThinThread" mitgewirkt, das anhand von Metadaten die weltweiten Kommunikationsverbindungen auswerten konnte, ohne dabei die Inhalte von Telefonaten oder Emails zu erfassen. Wie Binneys Programm nach 9/11 gegen seinen Willen zur Bürgerrechte ignorierenden Spyware umfunktioniert wurde und Amerikas "War on Terror" zu einer regelrechten Goldgräberstimmung bei Geheimdiensten und privaten Sicherheitsfirmen geführt hat, konstruiert Moser wie einen Spionagethriller, dessen Sogwirkung man sich nicht entziehen kann. (Weitere Infos)

Trailer zu "A Good American" (Kinostart: 3.11.16)

"Transit Havanna"

Dass Kuba die perfekte Bühne für exotische Doku-Themen bietet, haben in der Vergangenheit schon Wim Wenders mit "Buena Vista Social Club" und Uli Gaulke mit "Havanna mi amor" bewiesen. Grimme-Preisträger Daniel Abma ("Nach Wriezen") hat sich jetzt einer besonderen kubanischen Besonderheit angenommen: Auf Initiative von Fidel Castros Nichte Mariela Castro führen zwei europäische Ärzte einmal im Jahr kostenlos geschlechtsangleichende Operationen für Transsexuelle durch. Ohne erklärenden Off-Kommentar oder Talking Head-Interviews begleitet die Kamera die drei KandidatInnen Malú, Odette und Juani. Dabei blickt "Transit Havanna" hinter die schrille Oberfläche der auch auf Kuba grassierenden CSD-Kultur und entblößt die Schizophrenie eines im Umbruch befindlichen Staates, der Transsexuelle unterstützt, aber gleichgeschlechtliche Ehen untersagt. (Weitere Infos)

Trailer zu "Transit Havanna" (Kinostart: 3.11.16)

"Botticelli Inferno"

Vor drei Wochen musste Tom Hanks in seiner Paraderolle als Rätselknacker-Genie Robert Langdon in der Dan-Brown-Verfilmung "Inferno" erkennen, dass Dantes Inferno "keine Fiktion, sondern eine Prophezeiung" ist. In der nicht minder spannenden Dokumentation des deutschen Regisseurs Ralph Loop werden jetzt die Geheimnisse gelüftet, die hinter dem "Höllentrichter" und weiteren Dante-Illustratoren des Renaissance-Malers Sandro Botticelli schlummern. Aufwendig an Originalschauplätzen gedreht und von Ausführungen führender Kunstexperten begleitet, nimmt "Botticelli Inferno" den Zuschauer mit auf eine Jahrhunderte überspannende Spurensuche, in deren Verlauf ein in Vergessenheit geratener Visionär unserer Kulturgeschichte Gestalt annimmt. (Weitere Infos)

Trailer zu "Botticellis Inferno" (Kinostart: 3.11.16)

Text: Alexander Attimonelli

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Matt Dillon wird Jack the Ripper

Foto: Daniel Zuchnik/Getty Images

In der 8,7 Millionen Euro teuren Produktion spielt Matt Dillon ("Verrückt nach Mary") den legendären Serienkiller Jack the Ripper. Ursprünglich hatte von Trier den Stoff als TV-Serie geplant. Nach einer Auszeit entschied er sich jedoch, die Geschichte, die aus der Sicht des Mörders erzählt wird und dessen Leben über zwölf Jahre hinweg zeigen soll, lieber als Kinofilm auf die Leinwand zu bringen.

An der Seite von Matt Dillon wird unter anderem GOLDENE KAMERA-Preisträger Bruno Ganz zu sehen sein. Von Trier ("Nymphomaniac") äußerte sich begeistert über den beiden Schauspieler: "Wir freuen uns sehr, dass wir Matt Dillon und Bruno Ganz als Hauptdarsteller vorstellen können", so der dänische Regisseur. "Die beiden Gentlemen waren Meilensteine in meiner filmischen Entwicklung. Abgesehen davon, dass sie hervorragend zusammenpassen, sind sie exzellente Schauspieler und fügen sich ziemlich organisch in meine Film-Familie ein. Ich bin voller Stolz und Freude, mit ihnen arbeiten zu können."

Die Dreharbeiten sollen in Kürze in Dänemark und Schweden stattfinden, der Kinostart ist für 2018 geplant.

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