Unverkrampft anders: "Die Mitte der Welt"

Füreinander "Die Mitte der Welt": Jannik Schümann (l.) und Louis Hofmann © Universum Film
Louis Hofmann, Ada Philine Stappenbeck und Sabine Timoteo (r.) © Universum Film
Louis Hofmann und Ada Philine Stappenbeck © Universum Film
Louis Hofmann © Universum Film
Sarah Fuhrer und Bendix Hansen (r.) © Universum Film
Svanja Jung und Louis Hofmann © Universum Film
Louis Hofmann und Svenja Jung © Universum Film
Jannik Schümann © Universum Film
Louis Hofmann (l.) und Jannik Schümann © Universum Film
Svenja Jung, Jannik Schümann und Louis Hofmann (r.) © Universum Film
Sabine Timoteo und Louis Hofmann © Universum Film
Louis Hofmann © Universum Film
Jannik Schümann © Universum Film
Sabine Timoteo © Universum Film
Svenja Jung, Louis Hofmann und Jannik Schümann (r.) © Universum Film
Sabine Timoteo © Universum Film
Was wir bereits wissen
Die Verfilmung des Jugendroman-Bestsellers von Andreas Steinhöfel entpuppt sich als einfühlsames Coming-of-Age-Kino mit erfrischend neuen Gesichtern.

Warum es 18 Jahre gedauert hat, dass Andreas Steinhöfels Jugendbuch "Die Mitte der Welt" auch filmische Gestalt annimmt, ist eigentlich ein Rätsel. Denn die späte Leinwandadaption des österreichischen Regisseurs Jakob M. Erwa ("HomeSick"), die beim diesjährigen Filmfest München in der Sektion "Neues deutsches Kino" Premiere feierte und am 10. November bundesweit im Kino startet, beweist, welch unverkrampfte Liebeserklärung an die Irrungen und Wirrungen des Erwachsenwerdens in der literarischen Vorlage geschlummert haben.

Darum geht's in "Die Mitte der Welt"

Nach einer mehrwöchigen Sommercamp-Auszeit in Frankreich kehrt Phil (Louis Hofmann) zu seiner alleinerziehenden Mutter Glass (Sabine Timoteo) und Zwillingsschwester Dianne (Ada Philine Stappenbeck) zurück. In der Villa Kunterbunt der unangepassten Außenseiterfamilie scheint jedoch plötzlich der Haussegen schief zu hängen. Während Phil zu ergründen versucht, warum zwischen der für ihren Männerverschleiß berüchtigten Mutter und ihrer eigenbrödlerischen Tochter Funkstille herrscht, lässt der neue Mitschüler Nicholas (Jannik Schümann) seine Sorgen verpuffen. Doch auch die von seiner besten Freundin Kat (Svenja Jung) kritisch beäugte Traumbeziehung mit einem Traumtypen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Phils Suche nach der Mitte seiner eigenen Welt noch lange nicht am Ende ist...

Trailer zu "Die Mitte der Welt" (Kinostart: 10.11.2016)

Wie unverkrampft normal die Homosexualität der Hauptfigur präsentiert wird, ist die große Stärke von "Die Mitte der Welt", in der Coming-of-Age endlich einmal nicht mit einem problembeladenen Coming-Out kombiniert wird. Stattdessen wird im Filmverlauf deutlich, dass auch das Aufwachsen bei einer überliberalen Spät-Hippie-Mutter mit dem Lebensmotto "Wir lassen uns nicht vorschreiben, wie wir zu leben haben!" bei der Suche nach dem eigenen jugendlichen Selbst auch seine Schattenseiten haben kann – wie immer wieder durch kunstvoll eingestreute Flashbacks zur etwas anderen Kindheit von Phil und Dianne illustriert wird...

Clip aus "Die Mitte der Welt" (Kinostart: 10.11.2016)

Genauso erfrischend wie die Ensembleleistung der jungen deutschen Schauspielgarde kommt Jakob M. Erwas experimentierfreudiger Regiestil daher, der mit Zeitlupen, Bildcollagen und symbolischen Einfärbungen der Seelenlandschaft des emotional aufgewühlten Ich-Erzählers ästhetisch durchgestylten Ausdruck verleiht. Als kleines Manko erweist sich dabei, dass in "Die Mitte der Welt" die Erzählstränge zu vieler Nebenfiguren in einer normalen Spielfilmlaufzeit auserzählt werden müssen. Gerade in einer im positiven Sinne verspielten Inszenierung kann weniger Inhalt mehr sein.

Wer sollte sich "Die Mitte der Welt" anschauen?

Alle, die schon immer mal darauf gewartet haben, dass Homosexualität in einem Coming-of-Age-Drama mal kein Problemthema ist.

Warum muss ich "Die Mitte der Welt" sehen?

Weil es eine Freunde ist zu sehen, wie erfrischend junges deutsches Kino sein kann.

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