Von Harry Potters Gnaden: "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind"

Eddie Redmayne als Newt Scamander © Warner Bros.
Das Ensemble von "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" © Warner Bros.
Katherine Waterston (l.), Eddie Redmayne, Alison Sudol, Dan Fogler © Warner Bros.
Dan Fogler (l.), Katherine Waterston, Alison Sudol, Eddie Redmayne © Warner Bros.
Ezra Miller (l.), Colin Farrell © Warner Bros.
Dan Fogler (l.), Eddie Redmayne, Katherin Waterston © Warner Bros.
Eddie Redmayne, Katherine Waterston © Warner Bros.
Eddie Redmayne © Warner Bros.
Eddie Redmayne © Warner Bros.
Colin Farrell (l.), Eddie Redmayne © Warner Bros.
Katherine Waterston, Eddie Redmayne © Warner Bros.
Eddie Redmayne © Warner Bros.
Samantha Morton (l.), Faith Wood-Blagrove, Ezra Miller, Jenn Murray © Warner Bros.
Eddie Redmayne © Warner Bros.
"Phantastisches Tierwesen" © Warner Bros.
Dan Fogler (l.), Eddie Redmayne © Warner Bros.
"Phantastisches Tierwesen" © Warner Bros.
Eddie Redmayne © Warner Bros.
"Phantastisches Tierwesen" © Warner Bros.
Gnarlack © Warner Bros.
© Warner Bros.
Was wir bereits wissen
Am 17. November erobern "Phantastische Tierwesen" unsere Kinos. Wir verraten, ob der neueste Zauberstreich aus dem "Harry Potter"-Universum hält, was J.K. Rowling verspricht.

Mit einem weltweiten Einspielergebnis von über 7 Milliarden Dollar war es nur eine Frage der Zeit, bis das erfolgreichste Filmfranchise aller Zeiten eine Renaissance erleben würde. Fünf Jahre nach dem finalen Zauberlehrling-Abenteuer "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2" kommt jetzt mit "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" das erste von fünf angekündigten Spin-off-Spektakeln in unsere Kinos, in denen der von Eddie Redmayne verkörperte Zauberzoologe Newt Scamander die Hauptrolle spielt – 70 Jahre bevor Harry seine Nase in Scamanders Standardwerk über real existierende Fabelwesen steckte. Für das vom "Potter"-erfahrenen Regisseur David Yates (Teile 5 bis 8) inszenierte 223-Millionen-Dollar-Projekt, das auf einem fiktiven Lehrbuch aus der Hogwartschen Schulbibliothek basiert, schrieb "Harry Potter"-Autorin J.K. Rowling ihr erstes Filmskript. Und hat – um es vorweg zu nehmen – für ihr Drehbuchdebüt nicht die erhoffte Zauberformel gefunden.

Darum geht's in "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind"

1926 kommt Newt Scamander (Redmayne) auf seinen Forschungsreisen rund um die Welt im Hafen von New York an. In seinem magischen Koffer bietet er den von ihm gefundenen und katalogisierten Fabelwesen ein Refugium vor "den bösartigsten Kreaturen des Planeten – den Menschen!" Leider kommt es durch einen Zufall zur Verwechslung mit dem Koffer des angehenden Bäckers Jacob Kowalski (Dan Fogler), der versehentlich mehrere Kreaturen in die Welt der Menschen entlässt. Dadurch geraten Newt und Jacob ins Fadenkreuz der amerikanischen Zaubergesellschaft, die mit allen Mitteln dafür sorgen will, ihre magische Parallelwelt vor der Menschheit geheim zu halten. Unterstützt von den in der Zauberverwaltung angestellten Schwestern Porpentina (Katherine Waterston) und Queenie (Alison Sudol) machen sich die beiden ungleichen Abenteurer auf die Suche nach Newts verschwundenen Fabeltieren und kommen dabei einer ungleich zerstörerischen dunklen Macht auf die Spur, auf die es auch der Leiter der magischen Strafverfolgung Percival Graves (Colin Farrell) abgesehen hat...

Finaler Trailer zu "Phantastische Tierwesen..." (Kinostart: 17.11.2016)

Was "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" sehenswert macht, ist die beeindruckende Ausstattung, die das Manhattan der 20er Jahre zum Leben erweckt, und die nicht minder beeindruckende Tricktechnik, die den titelgebenden Fabelwesen bemerkenswerten Charakter verleiht. Dazu gesellt sich ein durch die Bank stimmiges Casting, das die auserwählten Schauspieler mit starken Leistungen belegen – allen voran Oscar-Gewinner Eddie Redmayne ("Die Entdeckung der Unendlichkeit"), der in seiner Rolle als verschrobener Charles Darwin der Zauberwelt regelrecht aufgeht und für sich genommen einen formidablen Harry-Potter-Ersatz abgibt.

"Der Neue"-Featurette zu "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind"

Wie die Wahl erwachsener Darsteller und der – trotz wirklich spaßiger Slapstick-Einlagen – düsterere Ton nahelegen, will "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" ein erwachseneres Publikum ansprechen. Das lässt sich auch daran ablesen, dass der MACUSA abgekürzte "Magische Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika" eingeführt wird wie ein Zauber-FBI, das sich gegen vermeintliche Attacken des europäischen Magier-Terroristen Gellert Grindelwald (Johnny Depp) wappnet und in einer zeitgeistigen Allegorie auf Amerikas War-on-Terror-Paranoia auch vor der Verhängung der Todesstrafe nicht zurückschreckt.

"MACUSA"-Featurette zu "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind"

Das Problem: J.K. Rowling erzählt ihre erwachsenere Geschichte auf Kinderniveau. Eine Schicksalsgemeinschaft, die durch vertauschte Koffer entsteht, ist genauso vorhersehbar konstruiert wie die Quelle der mysteriösen Bedrohung im Umfeld der Hexenjäger-Sekte von Mary Lou (Samantha Morton) und ihrem gespenstischen Adoptivsohn Credence (Ezra Miller) oder die finale Entlarvung des eigentlichen Schurken. Zudem werden Nebenfiguren wie der Zeitungstycoon Henry Shaw (Jon Voight) und sein für die US-Präsidentschaft kandidierender Sohn mit großem atmosphärischen Aufwand eingeführt, bleiben aber Staffage, weil sie nur dazu da sind, um im Handlungsverlauf wichtige Plotpoints zu besetzen. Und am Ende wird, anstatt auf einen psychologischen Showdown zu vertrauen, in unschöner "Batman v Superman"-, „The Avengers“- und „Transformers“-Manier die große aber letztendlich seelenlose Zerstörungsorgien-Keule herausgeholt. Um gleich danach in einen ellenlangen Verabschiedungsreigen zu münden, der einen glauben lässt, man würde dem Abschluss einer Kino-Saga beiwohnen – und nicht ihrem Auftakt.

Wer sollte sich "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" anschauen?

Alle, die sich nicht daran stören, dass im ganzen Blockbuster-Zauber visueller Schein über erzählerisches Sein geht.

Warum muss ich "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" sehen?

Weil man ja irgendwie doch wissen will, wie es mit dem "Harry Potter"-Universum weitergeht.

Für Fans von...

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Die GOKA-Wertung

Text: Alexander Attimonelli

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Louis Hofmann, Ada Philine Stappenbeck und Sabine Timoteo (r.) © Universum Film
Louis Hofmann und Ada Philine Stappenbeck © Universum Film
Louis Hofmann © Universum Film
Sarah Fuhrer und Bendix Hansen (r.) © Universum Film
Svanja Jung und Louis Hofmann © Universum Film
Louis Hofmann und Svenja Jung © Universum Film
Jannik Schümann © Universum Film
Louis Hofmann (l.) und Jannik Schümann © Universum Film
Svenja Jung, Jannik Schümann und Louis Hofmann (r.) © Universum Film
Sabine Timoteo und Louis Hofmann © Universum Film
Louis Hofmann © Universum Film
Jannik Schümann © Universum Film
Sabine Timoteo © Universum Film
Svenja Jung, Louis Hofmann und Jannik Schümann (r.) © Universum Film
Sabine Timoteo © Universum Film
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