Tom Hanks: "Meine Heldentat: Ich bin verheiratet und Vater von vier Kindern!"

Was wir bereits wissen
Megastar Tom Hanks, der in "Sully" einen heldenhaften Piloten spielt, erzählt, warum er am liebsten Zug fährt.

Darum geht's in "Sully"

15. Januar 2009: Kurz nach dem Start des Fluges US Airways 1549 vom Flughafen La Guardia in New York fallen nach einem Vogelschlag beide Triebwerke aus. Kapitän Chesley "Sully" Sullenberger (Tom Hanks) und Co-Pilot Jeff Skiles (Aaron Eckhart) müssen binnen kürzester Zeit entscheiden: Zurück nach La Guardia? Oder schaffen sie es bis zum Flughafen Teterboro in New Jersey? Sully entschließt sich stattdessen für eine Notlandung auf dem Hudson und rettet so alle 155 Menschen an Bord. Von Albträumen geplagt, stellt er sich der Untersuchung der Flugsicherheit, die Flugsimulationen präsentiert, nach denen er es sowohl nach La Guardia als auch nach Teterboro geschafft hätte ...

Trailer zu "Sully"

Zum Kinostart von "Sully" (1. Dezember) trafen wir Hauptdarsteller Tom Hanks zum Interview. Er erklärt, warum er ein Angsthase ist – und sich dennoch manchmal im Flieger nicht anschnallt.

Interview mit Tom Hanks

Was wussten Sie vor dem Dreh über den echten Chesley Sullenberger?

Natürlich war ich mit der Geschichte von Sully vertraut. Ich habe ihn 2009 bei einer Oscar-Party getroffen. Man fragte mich, ob ich Captain Sullenberger Hallo sagen wolle. "Dem Typen vom Hudson-Wunder?", war meine Antwort. Ich hätte nie gedacht, dass ich ihn eines Tages spielen würde.

Haben Sie etwas über die Ereignisse vom 15. Januar 2009 dazugelernt?

Ja – es war kein Crash, sondern eine Wassernotlandung. Das ist ein feiner, aber bedeutender Unterschied! (lacht) Der Film konzentriert sich vor allem auf die Anhörungen, die klären sollten, ob Captain Sullenberger einen Fehler begangen hatte. Während diese Untersuchung lief, unterlag Sully acht Monate einem Flugverbot, das hat ihn ziemlich aufgeregt.

Wie haben Sie sich in Captain Sullenberger verwandelt?

Sully ist ein Mann, der sehr viel Wert auf Details legt – wie man es auch von einem Piloten, auf dessen Schultern hunderte von Menschenleben lasten, erwarten kann. Schritt für Schritt sind wir zusammen durch das Drehbuch gegangen. Seine Kopie war voller Eselsohren, Notizzetteln und Markierungen. Manchmal war es nur ein Wort, mit dem er nicht übereinstimmte. Und andere Male bestand er auf die Änderung der Handlung, weil sie nicht akkurat genug war. Irgendwann erwiderte ich, dass ich bis zu 95% authentisch sein kann, aber dass auch Raum für kreative Freiheit bleiben muss. Dass ich Dinge sagen und tun werde, die er nie gesagt oder getan hat. Aber dieser Austausch gab mir sehr viel Erkenntnis über Captain Sullenbergers Persönlichkeit. Es ist nicht das erste Mal, dass ich Figuren spiele, die auf echte Personen basiert waren. "Apollo 13", "Der Krieg des Charlie Wilson", "Captain Phillips" – ich glaube, ich habe jetzt alle Sorten an Captains abgehakt (lacht). Mir ist es nicht wichtig, dass ich diese Personen voll imitiere, sondern ihren Kern und ihre Motivationen treffe. Dass ich zum Beispiel keine Ängste oder Gefahren erfinde, die sie nie gehabt haben.

Wie wichtig ist es, dass Sie der wahren Figur wenigstens ein bisschen ähnlich sehen?

Für diese Rolle habe ich länger im Frisörstuhl gesessen als im Cockpit (lacht). Es gibt nur eine Art und Weise, Haare weiß zu machen: Chemie und Bleiche. Nach den Dreharbeiten benötigte ich keinen Schnitt mehr, um kurze Haare zu haben. Ich konnte meinen Schopf Haar für Haar einfach abbrechen (lacht).

Haben Sie Angst vorm Fliegen?

Das Risiko, mit dem Blödmann auf Sitz 7A einen Streit anzufangen, ist größer als das Fliegen selbst. (lacht) Die Vorstellung allerdings, dass ein Vogelschwarm genügt, um ein Flugzeug vom Himmel zu holen, ist schon etwas beängstigend. Und was ist, wenn Kinder in der Nähe vom Flughafen Drachen steigen lassen? Ist das auch eine Gefahr? Aber was mich wirklich schockiert hat, ist die Art und Weise, wie die Airlines ihre Piloten und die Crew behandeln. Sie müssen zum Beispiel ihre eigenen Sandwiches mitbringen. Und Veränderungen oder Verbesserungen werden oft nicht eingeführt, weil die Verantwortlichen die Kosten für ein neues Handbuch sparen wollen. Das ist ein Grund, warum ich lieber ins Auto oder in den Zug steige.

Sind Sie ein angenehmer Fluggast?

Fliegen macht mir keinen Stress, schließlich wird für mich alles geregelt, vom Kofferpacken bis zur Verpflegung. Aber manchmal schnalle ich mich heimlich nicht an. Einfach nur, damit ich mich wie ein kleiner Rebell fühlen kann. (lacht)

Wie gehen Sie mit Paniksituationen um?

Es gab Momente, in denen ich instinktiv handelte, und solche, in denen ich vor Angst wie gelähmt war. Im Fitnessstudio eines Hotels kippte vor meinen Augen einmal eine Frau um. Sie schnappte nach Atem und alle rannten zu ihr, um ihr zu helfen. Nur ich stand wie dumm herum. Zum Glück war es nichts schlimmes und sie kam schnell wieder auf die Beine, aber beim Rausgehen meinte sie bissig zu mir: "Danke, Herr Hanks!" (lacht) Vielleicht sollte ich doch noch einmal einen Erste-Hilfe-Kursus machen!

Es steckt also kein Held in Ihnen?

Meine heldenhaftesten Taten im Leben sind, dass ich geheiratet habe und Vater von vier Kindern bin. Ansonsten bin ich ein Angsthase. Es gibt vier Gruppen, in denen die Menschheit eingeteilt werden kann: Helden, Bösewichte, Feiglinge und Schaulustige. Ich gehöre zu der letzteren. Ich schaue einfach nur zu, was passiert.

Interview: Anke Hofmann

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