"Elvis & Nixon"-Star Michael Shannon: "Elvis ist und bleibt ein Mysterium"

Was wir bereits wissen
1970 besuchte der King of Rock 'n' Roll den US-Präsidenten im Weißen Haus. Charaktermime Michael Shannon und "House of Cards"-Ikone Kevin Spacey erfüllen das skurrile Gipfeltreffen in "Elvis & Nixon" mit filmischem Leben.

Wenn am 8. Dezember die Biopic-Komödie "Elvis & Nixon" in unseren Kinos startet, reiht sich der Oscar-nominierte Charaktermime Michael Shannon ("Zeiten des Aufruhrs") ein in eine Phalanx von Schauspielern, die sich im Laufe ihrer Karriere die Glitzerklamotten des King of Rock 'n' Roll übergestreift haben. Shannon hat sich für seine Elvis-Transformation eine besondere Filmbühne ausgesucht, denn das Komödiendebüt von Regisseurin Liza Johnson basiert auf einer wahren Begebenheit, deren Abstrusität nur wenigen bekannt sein dürfte.

Darum geht's in "Elvis & Nixon"

Am Morgen des 21. Dezembers 1970 steht Elvis Presley mit seinem besten Freund Jerry (Alex Pettyfer) und seinem privaten Sicherheitschef Sonny (Johnny Knoxville) vor der Tür des Weißen Hauses und verlangt ein Treffen mit Richard Nixon (Kevin Spacey). Der Grund: Der King will, dass ihn der Präsident als Undercover-Agenten vereidigt, da er so die USA vor liberalen Umtrieben und Kommunisten schützen könne! Auf Drängen seiner Berater Krogh (Colin Hanks) und Chapin (Evan Peters) willigt der zunächst widerwillige Nixon in ein Treffen ein – schließlich kann er so vielleicht ein Autogramm für seine Tochter ergattern...

Trailer zu "Elvis & Nixon" (Kinostart: 8.12.2016)

Michael Shannon im Interview

Während Kevin Spacey (GOLDENE KAMERA-Preisträger 2015) seiner unvergleichlichen "House of Cards"-Präsenz spielerisch einen augenzwinkernden Historienanstrich verpasst, gelingt es Michael Shannon, Elvis Presley als größenwahnsinnigen Narziss darzustellen, ohne ihn dafür seiner Würde oder Grandezza zu berauben. Warum Shannon im Vorfeld große Bedenken hatte, die ultimative Ikone der Popmusik zu verkörpern, verrät der 42-Jährige der GOLDENEN KAMERA im exklusiven Gespräch...

"Elvis & Nixon": Michael Shannon im Video-Talk

Waren Sie ein Elvis-Fan? Und wie viel wussten Sie über das Treffen zwischen Elvis und Richard Nixon?

Bevor ich das Drehbuch bekam hatte ich noch nie davon gehört. Ich respektierte Elvis als Musiker und mochte seine Hits, aber besaß nie eine Schallplatte von ihm und wusste auch sonst nicht viel über ihn. Ich habe also praktisch von Null angefangen, aber es hat mir Spaß gemacht, durch diesen Film Elvis besser kennen zu lernen. Genau wie alle anderen, die je Elvis gespielt oder nachgeahmt haben, fühle ich aber, dass er trotz aller Recherche immer noch ein Mysterium ist.

Wie haben Sie sich auf das Darstellen dieser Ikone vorbereitet?

Mit der Hilfe von Jerry Schilling, einer der besten Freunde von Elvis. Er hat mich unter seine Fittiche genommen und mir alle Plätze in Memphis, Tennessee, gezeigt, die in Elvis Leben eine wichtige Rolle gespielt haben: Sun Studios, Graceland, das Lauderdale Courts Apartment. Ich habe mir alle Pressekonferenzen mit Elvis angeschaut. Drei Interviews waren mir besonders wichtig, die ich dann hunderte Male studiert habe: Eins fand 1970 in Houston statt; eins war zusammen mit seinem Vater in Madison Square Garden, New York; und eins war in Graceland, als er von der Armee entlassen wurde. Und Jerry gab mir eine CD von einem Interview mit Elvis während seiner Tour, das noch nie jemand gehört hatte. Das waren meine Quellen, und dann habe ich einfach auf das Beste gehofft (lacht).

Sie haben zuerst gezögert, zu dieser Rolle Ja zu sagen. Warum?

Ich hatte Angst, dass ich dieser Rolle nicht gerecht werden könnte, vor allem, weil ich nicht wirklich wie Elvis aussehe. Aber genau das war es, warum Jerry – und auch Priscilla Presley – diesen Film unterstützt haben. Wir wollten Elvis nicht äußerlich imitieren oder karikieren, sondern seinen Kern und innere Psyche aufdecken.

Und wer oder wie war Elvis?

Elvis war ein Salz-der-Erde-Typ. Er kam aus absoluter Armut. Ihm wurde nie etwas geschenkt, er hat sich alles hart erarbeitet. Das Lauderdale Courts Apartment, in dem er aufwuchs, war eine Sozialwohnung und sein Zimmer war so klein, dass kaum ein Bett reinpasste. Wenn er Gitarre spielen wollte, schickte seine Mutter ihn in den Keller, weil die Wände so hellhörig waren. Er wurde fast über Nacht berühmt, und niemand verstand wirklich, was das bedeutete. Dadurch war er sehr einsam. Wir kennen vor allem seine Exzentrik, aber er wollte immer einfach nur ein guter Mensch sein.

Wenn Sie eine berühmte Person treffen könnten, mit wem würden Sie gerne mal plaudern?

Ich hätte gerne mal (Jazzmusiker) Thelonious Monk getroffen. Er ist mein Lieblingskünstler. Die Dokumentation "Thelonious Monk: Straight, No Chaser" hatte mich tief bewegt. Meiner Meinung nach gibt es eine starke Korrelation zwischen Musik und Schauspielerei. Die Art, wie Thelonious komponierte und seine Musik vortrug inspiriert sehr oft, wie ich schauspiele.

Interview: Anke Hofmann

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