Michael Fassbender im Interview zu "Assassin's Creed"

Was wir bereits wissen
In der Computerspiel-Adaption "Assassin’s Creed" stürzt sich der Oscar-nominierte "X-Men"-Schurke Michael Fassbender in das nächste Kinoabenteuer mit Franchise-Potential.

Michael Fassbender ist ein Wanderer zwischen den Welten. Der in Heidelberg geborene Ire mit deutschen Wurzeln ist für seine Charakterrollen, die ihm bereits zwei Oscar-Nominierungen ("12 Years a Slave" und "Steve Jobs") eingebracht haben, genauso bekannt wie für seine charaktervollen Auftritte in millionenschweren Blockbuster-Reihen. Der 39-Jährige, der seit "X-Men: Erste Entscheidung" als Erik Lehnsherr alias Magneto regelmäßig den Supermutanten des Marvel-Universums einheizt und am 18. Mai 2017 in "Alien: Covenant" ein zweites Mal nach "Prometheus – Dunkle Zeiten" als Android David zu sehen sein wird, nimmt jetzt mit "Assassin’s Creed" seine dritte potentielle Franchise-Paraderolle in Angriff.

2. Trailer zu "Assassin's Creed" (Kinostart: 27.12.2016)

Im historischen Sci-Fi-Spektakel "Assassin’s Creed", das am 27. Dezember bei uns im Kino startet und auf der gleichnamigen Action-Adventure-Saga aus dem französischen Entwicklerhaus Ubisoft basiert, spielt Fassbender den Todeszelleninsassen Callum Lynch, der nach der Giftspritze nicht im Jenseits, sondern im Forschungszentrum von Abstergo Industries erwacht. Mit Hilfe der Wissenschaftlerin Sofia (Marion Cotillard) und einer Apparatur namens Animus will Abstergo-Chef Rikkin (Jeremy Irons) Lynchs genetische Erinnerungen freisetzen. Und so findet sich das unfreiwillige Forschungsobjekt plötzlich in der Erinnerung seines Vorfahren Aguilar wieder, der in den mittelalterlichen Wirren der spanischen Inquisition als Mitglied eines mysteriösen Ordens von Auftragsmördern im Einsatz war. Wie sich Fassbender auf diese actionreiche Rolle vorbereitet und welche persönliche Beziehung der bekennende Gaming-Muffel gerade zu dieser Spieleverfilmung hat, verrät er im Gespräch mit der GOLDENEN KAMERA...

Michael Fassbender im Interview

Waren Sie ein Fan des Computerspiels Assassin’s Creed?

Nein. Das letzte Mal, dass ich ein Computerspiel gespielt hatte, war im Jahr 2000. Es faszinierte mich so sehr, dass ich bis 8 Uhr morgens dran saß. Aber als ich dann die Augen schloss und das Spiel immer noch im Geiste vor mir sah, warf ich den Joystick weg und hielt mich seitdem von Computerspielen fern.

Warum wollten Sie dann diesen Film drehen? Sie sind sogar Produzent ...

Sie haben mir sehr viel Geld angeboten (lacht). Nein, der wahre Grund ist mein Drehbuchpartner Eli Richbourg, der leider am 20. März 2013 plötzlich verstorben ist. Er arbeitete bei Ubisoft, einem französischen Spieleentwickler, der an einem neuen Computerspiel namens "Assassin's Creed" arbeitete und sich gerne mit mir treffen wollte. Während unseres Meetings in 2011 erklärten sie mir den Ethos und das Konzept des Computerspiels. Ich war sofort Feuer und Flamme – weniger für das Spiel, sondern mehr für die Idee, daraus einen Kinofilm zu machen.

Was hat Sie an "Assassin's Creed" so fasziniert?

Die Idee, dass die DNA unsere Vergangenheit gespeichert hat. Dass das Wissen und die Erfahrungen unserer Vorfahren in unserem Knochenmark steckt. Das ist eine ziemlich coole und wissenschaftlich glaubwürdige Theorie, die sich hervorragend für einen Fantasyfilm eignet – ähnlich wie "The Matrix". Mir gefielen auch die Philosophien, die hinter den Assassinen und Templern stecken. Es ist nicht wie bei "Star Wars", wo alles entweder gut oder böse, dunkel oder hell ist, sondern beide Gruppen stecken moralisch im Graubereich.

Als Schauspieler sind Sie einer der meistbeschäftigten Menschen in Hollywood. Woher nehmen Sie sich Zeit, auch noch Produzent zu spielen?

Indem ich kaum ein Privatleben habe (lacht). Meine Funktion als Produzent besteht darin, in der Entwicklungsphase eines Films zu helfen. Während der Dreharbeiten habe ich weniger meine Hände im Spiel, aber achte darauf, dass alles wie am Schnürchen verläuft.

Trailer-Compilation zur "Assassin's Creed"-Gamereihe

Inwieweit unterscheidet sich der Film vom Computerspiel?

Das Computerspiel ist sehr bunt, aber im Film ist alles viel grauer und düsterer. Wir wollten nicht die Themen des Spiels wiederholen, haben aber trotzdem nach einer Ära der Weltgeschichte gesucht, die sehr turbulent und brutal war. Also haben wir uns für die Spanische Inquisition entschieden. Und der Animus-Arm ist auch neu. Wir hatten lange überlegt, wie wir den Animus filmisch darstellen könnten. Zuerst wollten wir in einem Wassertank drehen, in dem die Figuren sich ähnlich wie im Mutterleib oder wie im Weltall bewegten. Aber dann kam uns die Idee mit dem beweglichen Arm, was viel cooler war und uns viel mehr Bewegungsfreiheit gab. Und dadurch benötigten wir auch wesentlich weniger CGI für die Action-Szenen.

Wie haben Sie sich auf diese Rolle vorbereitet? Sie haben enorm viele Stunts in "Assassin’s Creed".

Ich bin viel ins Fitnessstudio gegangen und habe Parkour gelernt. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Die Stunts sind bis ins Detail choreographiert, ähnlich wie ein Tanz. Ich selbst bin nicht ganz so gut wie die Stuntmänner, aber dank ihnen mache ich auf der Leinwand dann einen gute Figur (lacht).

Werden Sie jetzt Ihre eigene Abstammung untersuchen?

Ich hatte noch keine Zeit, mein Blut für Tests einzuschicken, aber reizen würde es mich schon...

Interview: Anke Hofmann

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