Kristen Stewart: "Was Angst einjagt, sind weniger Gespenster als Unwissen"

Zum Kinostart des etwas anderen Geisterfilms "Personal Shopper" verrät Hauptdarstellerin Kristen Stewart, dass sie erst in Paris richtig zum Leben erwacht ist und was ihr Angst einflößt.

Drei Jahre ist es her, dass "Twilight"-Star Kristen Stewart den Sprung von der gefeierten Blockbuster-Schönheit zur veritablen Charakterdarstellerin vollzogen hat. Nach "Die Wolken von Sils Maria", für den die 26-Jährige als erste Amerikanerin überhaupt den französischen Filmpreis César verliehen bekommen hat, präsentierte sie im letzten Jahr in Cannes ihre zweite Zusammenarbeit mit dem Arthouse-Regisseur Olivier Assayas. In dem etwas anderen Geisterfilm "Personal Shopper", der am 19. Januar auch bei uns ins Kino kommt, spielt Stewart die übersinnlich begabte Amerikanerin Maureen, die in Paris als persönliche Assistentin der arroganten Top-Designerin Kyra (Nora von Waldstätten) arbeitet und ins Straucheln gerät, als sie nach dem Tod ihres Zwillingsbruders eine SMS-Nachricht aus dem Jenseits erhält...

Trailer zu "Personal Shopper" (Kinostart: 19.1.2017)

Im Interview mit der GOLDENEN KAMERA verrät Kristen Stewart wie sehr sie Paris und die Mode liebt, wie wichtig ihr Geschwister sind und was ihr Angst einflößt.

Kristen Stewart im Interview

Das ist Ihre zweiter Film mit dem französischen Regisseur Olivier Assayas ("Die Wolken von Sils Maria"). Und Sie haben sogar in Paris gedreht. Was gefällt Ihnen daran?

Ich liebe es, in Paris zu drehen. Und ich mag Oliviers Stil. Generell liebe ich den Europäischen Stil von Filmemachern, selbst wenn sie nicht Europäer sind, wie zum Beispiel der brasilianische Regisseur Walter Salles ("On the Road – Unterwegs"). In Europa existiert eine wahre Kinokultur, die nicht oft in amerikanischen Filmen zu finden ist. Dort dreht es sich nicht nur um Profit. Europäische Filme sind ein Ausdruck unserer Liebe zum Kino und zur Kunst.

Was mögen Sie an Paris – die Stadt der Liebe und der Mode...

In Paris erwache ich erst richtig zum Leben. Einige meiner besten Freunde und Kollegen leben dort. Ich habe angefangen, Französisch zu lernen. Alles ist sehr erhaben und so poetisch dort. Die Ideen fließen sofort, wenn ich in Paris bin.

Wie ist Ihre Beziehung zu Mode?

Ich bin ein großer Fan dieser Kunstform. Auf den ersten Blick kann es sehr oberflächlich wirken, was wir anziehen. Aber diese tägliche Entscheidung vor unserem Kleiderschrank repräsentiert, was in uns vorgeht. Es ist eine Reflektion unseres inneren Selbst. Kleidung kann Geschichten über uns und unsere Vergangenheit erzählen. Und das gibt Mode eine Ästhetik und Schönheit, die ich sehr faszinierend finde. Einige meiner Lieblingskünstler sind Modedesigner. Aber ich liebe auch Maskenbildner oder Modefotografen, die mit ihrer Kunst Menschen in einem ganz neuen Licht zeigen können. Leider gibt es auch viel Bullshit in der Mode-Welt. Das ist das einzige Wort, wie man den Betrug in dieser Welt beschreiben kann. Es gibt Menschen, deren Motivation für diese Kunstform authentisch ist, aber leider auch viele, die nur an Profit denken.

Was können Sie über Ihre Figur in "Personal Shopper" verraten?

Maureen macht eine Identitätskrise durch. Einerseits ist sie total von Kleidung fasziniert, andererseits widert Mode sie an und löst einen Selbsthass in ihr aus. Ein Grund dafür ist, dass sie sich seit dem Tod ihres Zwillingsbruders nur wie eine halbe Person fühlt. Sie streitet ihre Feminität ab und will mehr und mehr wie ihr Bruder sein. Andererseits fühlt sie sich zu ihrer Weiblichkeit angezogener denn je. Sie muss die Bedeutung ihres Lebens neu erlernen. Und sie will wissen, ob sie jetzt alleine auf der Welt ist, oder ob es ein Leben nach dem Tod gibt.

Sind Sie ein Fan von Geisterfilmen?

Ja, aber nicht weil ich mich gerne grusele, sondern weil diese Filme existentielle Fragen stellen. Was uns Angst einjagt sind weniger Gespenster oder das Übernatürliche, sondern unser Unwissen über das Jenseits. Das sind die Dinge, die uns nachts den Schlaf rauben, weil wir keine Antworten parat haben.

Wie gut verstehen Sie sich mit Ihren Geschwistern?

Wir unterstützen und schützen uns sehr. Ich bin zwar die Jüngste in meiner Familie, aber auch das einzige Mädchen. Dadurch fühle ich mich oft wie die ältere Schwester. Ich kenne also den Zwiespalt, wie man einerseits total wütend auf seinen Bruder sein, aber ihn auch total lieben kann.

Interview: Anke Hofmann

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