"Jackie": Die berühmteste Witwe der Welt

Eine starke Frau in einem starken Film: Natalie Portman spielt in "Jackie" (Kinostart 26. Januar) die First Lady Jackie Kennedy.

22. November 1963, der Tag, an dem John F. Kennedy erschossen wird und die westliche Welt in Schockstarre fällt. Nach dem Attentat irrlichtert die First Lady Jacqueline "Jackie" Kennedy (hinreißend: Oscarpreisträgerin Natalie Portman) durch einen Nebel aus Trauer und Verlorenheit, angetrieben von dem Bestreben, das politische Erbe ihres Mannes zu wahren.

Trailer zu "Jackie"

Regisseur Pablo Larraín ("No") gelingt in seinem ersten englischsprachigen Drama ein exzellent inszenierter Mix aus packendem Politdrama und intimem Porträt, der durch seine beinahe experimentelle Erzählstruktur manchmal verwirrend, aber immer ergreifend ist.

Zum Kinostart von "Jackie" spricht Hauptdarstellerin Natalie Portman über die Trauer und Identitäts- und Glaubenskrise ihrer Figur.

Interview mit Natalie Portman

"Jackie"-Star Natalie Portman im Video-Talk

Schauspieler spielen oft berühmte Persönlichkeiten. Aber Jackie Kennedy ist eine Ikone. Wie herausfordernd war es für Sie, in die Fußstapfen und Kostüme der First Lady zu schlüpfen?

Wenn man als Schauspieler eine so bekannte und beliebte Person wie Jackie darstellt, ist die Schwelle der Glaubwürdigkeit sehr hoch. Denn Menschen kennen nicht nur Jackies Aussehen, sondern auch die Art, wie sie redete oder sich bewegte. Ich musste mich also sehr detailliert auf diese Rolle vorbereiten. Aber die Herausforderung war weniger, wie Jackie auszusehen, sondern mittels der Handlung eine emotionale Verbindung mit dem Zuschauer herzustellen.

Wie haben Sie sich auf diese Rolle vorbereitet?

Ich hatte leider kaum Zeit, mich vorzubereiten. Aber ich habe ihren Dialekt mit einem Trainer geübt. Jedes Wort ihrer im Fernsehen übertragenen Reden habe ich genauestens studiert – selbst Jackies Pausen, Seufzer oder Versprecher. Gleichzeitig habe ich zwölf Biografien über sie gelesen. Und ich habe mir den Zapruder Film angeschaut (das berühmte Video von Abraham Zapruder, der das Attentat zufällig aufnahm). Man kann dort jede Bewegung und jeden Gesichtsausdruck sehen, wie Jackie reagierte, als ein Teil des Kopf ihres Mannes in ihrem Schoß landete. Ich hätte in dieser Situation geschrien oder geweint. Aber wir mussten ja den wahren Begebenheiten treu bleiben. All das war hart, aber es hat sich gelohnt. Denn während der Dreharbeiten entpuppte sich all diese Recherche als eine Schatztruhe, die jeden Tag einen neuen Schatz zum Vorschein brachte.

Wie aufregend war es für Sie, Jackies Mode zu tragen?

Da der Film hauptsächlich nach dem Attentat spielt, trug ich vor allem das rosa Kostüm, das für Jackie zum blutigen Symbol der Ermordung ihres Mannes wurde, und danach Trauerkleidung. "Jackie" ist also alles andere als eine Modenschau (lacht).

War es schwer für Sie, Jackies Schmerz und Trauer darzustellen?

Das mag vielleicht etwas pervers klingen, aber ich habe mich jeden Tag trotz des Horrors, der Trauer, der Identitäts- und Glaubenskrise meiner Figur auf die Dreharbeiten gefreut. Das lag auch an der inspirierenden Kreativität von Regisseur Pablo Larraín.

JFK wurde am 22. November 1963 ermordet. Dieses Attentat hat die Welt bewegt. Sie wurden am 9. Juni 1981 geboren. Welches geschichtliche Ereignis hat Sie geprägt?

Ein Ereignis, das dem JFK-Attentat am nächsten kommt, ist die Ermordung von Ministerpräsident Yitzhak Rabin am 4. November 1995. Ich kann mich noch genau erinnern wo ich war, als es passiert, und an den Blick im Gesicht meines Vaters, als er die Nachricht hörte. Ganz Israel saß an diesem Abend vor dem Fernseher und trauerte um den Tod ihres Staatsoberhaupts.

Interview: Anke Hofmann

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