Ben Affleck: "'Live by Night' spiegelt meine Liebe für Old Hollywood wider"

Zum Kinostart von Ben Afflecks Gangster-Epos "Live by Night" sprach der zweifache Oscar-Gewinner mit uns über die Vorzüge des klassischen Hollywood-Kinos.

Er ist nicht nur "Batman" und einer der gefragtesten Schauspieler Hollywoods, sondern auch hinter der Kamera ein höchst umtriebiger Filmemacher, der für seine eigenen Produktionen bereits zwei Oscars eingeheimst hat. Nach "Gone Baby Gone - Kein Kinderpiel", "The Town - Stadt ohne Gnade" und "Argo" kommt am 2. Februar seine vierte Regiearbeit in unsere Kinos. In "Live by Night" übernimmt Ben Affleck auch die Hauptrolle des Gangsters Joe Coughlin, der im Jahr 1926 zur großen Nummer aufsteigen will und sich – emotional hin und her gerissen zwischen der Mafia-Mätresse Emma Gould (Sienna Miller) und Graciela (Zoe Saldana), der Schwester seines kubanischen Geschäftspartners – in Florida mit dem Ku-Klux-Klan anlegt...

Trailer zu "Live by Night" (Kinostart: 2.2.2017)

Warum Ben Affleck unbedingt die Romanvorlage "In der Nacht" von Thriller-Bestseller Dennis Lehane verfilmen wollte und wieviel Gangster in ihm selber schlummert, verriet uns der 44-Jährige im exklusiven Gespräch...

Ben Affleck im Interview

"Live by Night" ist Ihre vierte Regiearbeit. Was hat Sie an an dem Stoff gereizt?

"Live by Night" spiegelt meine Liebe für Film im Allgemeinen sowie für Old Hollywood und die alten Warner Bros.-Gangsterschinken aus den 1930er und 1940er Jahren im Besonderen wider. Ich wollte dem Publikum einen sexy Hardboiled-Gangsterfilm präsentieren, in dem Männer schicke Anzügen tragen, tolle Autos fahren und in dem es um Träume, Verrat und Liebe geht.

Gangsterfilme waren für eine Weile aus der Mode, scheinen aber jetzt ein Comeback zu erleben. Was macht dieses Genre so attraktiv?

Die Hauptfiguren in Gangsterfilmen sind nicht schwarz-weiß. Als Zuschauer wissen wir nie, ob wir ihn mögen oder verabscheuen sollen – und das mag ich sehr. Ich wünschte, es würden mehr Filme im Stil des klassischen Kinos gedreht werden. Stattdessen gibt es heute fast nur Filme über Menschen, die einen Umhang tragen. Nicht, dass gerade ich etwas dagegen hätte (lacht), aber Klassiker wie "Reds - Ein Mann kämpft für Gerechtigkeit" oder "Doktor Schiwago" besaßen die Magie, den Kinobesucher in eine andere Welt zu transportieren.

Welche andere Filme haben Sie bei "Live by Night" beeinflusst?

In meinem Büro hängt ein Poster von "African Queen" – das ist mein Lieblingsfilm! Aber was Gangsterfilme betrifft, ist die Liste sehr lang: "Sprung in den Tod" und "Der öffentliche Feind" mit James Cagney oder "Chicago - Engel mit schmutzigen Gesichtern". Zum Glück stehen diese Kinoperlen dank Streaming heutzutage jederzeit zur Verfügung. Und es gibt noch unzählige, die ich selbst sehen muss, damit ich von ihnen und von anderen Filmemachern lernen kann.

Obwohl "Live by Night" während der Prohibition in den 20ern und 30ern spielt, fühlt sich der Film sehr gegenwärtig an.

Das war eigentlich nicht meine Absicht, aber diesen Effekt habe ich der momentanen Politik zu verdanken (lacht). Es war allerdings mein Plan zu zeigen, dass Amerika eine Nation von Immigranten ist. Diese Einwanderer kamen hier mit Nichts in den Taschen aber mit der Hoffnung auf ein bessere Leben an, arbeiteten sich hoch und bildeten ihre kleinen Gemeinden: Iren, Italiener, Kubaner, Dominikaner – alle hatten ihr eigenes Stadtviertel. Mir gefällt, dass Florida in meinem Film noch fast wie der Wilde Westen ist. Statt der heutigen Striplokale und Walmart-Geschäfte glich der Sonnenscheinstaat eher einem Dschungel, in dem Dinosaurier streunten.

Wie selbstbewusst fühlen Sie sich inzwischen als Regisseur?

Ich hätte "Live by Night" nicht drehen können, wenn ich nicht die Erfahrung der anderen Filme gehabt hätte. Die ersten drei Filme waren sozusagen meine Regie-Schule. Ich habe als Filmemacher sehr viel dazu gelernt und die Summe aller meiner Erfahrung ist sozusagen mein Liebesbrief an das Showbusiness.

Sie brechen am Set also nicht mehr in Schweiß aus?

Doch, aber zum Glück bin ich auch Schauspieler und keiner merkt es (lacht). Aber nach insgesamt vier Filmen fühle ich mich endlich wohl hinter der Kamera und habe wesentlich weniger Panik als am Anfang.

Ihr guter Freund und Schauspielkollege Matt Damon behauptet, dass er gerne mit Ihnen wieder einmal zusammen arbeiten würde, aber dass Sie sich immer die Hauptrolle ergattern. Warum schlüpfen Sie nicht einmal in eine Nebenrolle – vor allem wenn Sie selbst Regie führen?

Ich hätte nichts dagegen! In "The Town" hätte ich liebend gerne den Part von Jeremy Renner gespielt, oder den Part von Bryan Cranston in "Argo". Aber die beiden waren einfach perfekt für diese Rollen. Vielleicht das nächste Mal...

Sind Sie ein Nachtmensch?

Ich gehe früh ins Bett und stehe spät auf. Ich bin also weder Nacht- noch Morgenmensch. Ich befürchte, ich bin ein fauler Mensch (lacht)! Zum Glück habe ich Kinder, die mich zum Aufstehen zwingen, sonst würde ich mein ganzes Leben lang im Bett verbringen. Wenn ich allerdings ein Drehbuch schreibe, arbeite ich meistens nachts, weil ich dann mehr Ruhe habe.

Und wie viel Gangster steckt in Ihnen?

Ich würde mich nicht gerade als Schlägertypen bezeichnen (lacht). Sobald ich eine Waffe sehe, renne ich in die andere Richtung!

Interview: Anke Hofmann

Kommentare einblenden

"Jackie": Die berühmteste Witwe der Welt

Eine starke Frau in einem starken Film: Natalie Portman spielt in "Jackie" (Kinostart 26. Januar) die First Lady Jackie Kennedy.
Mehr lesen