Die Lust am Leiden: Wie heiß ist "Fifty Shades of Grey 2"?

Zum Kinostart der Fortsetzung "Gefährliche Liebe" befragen wir Experten über die Lust am Leiden.

Was für ein Wurf! Über 100 Millionen Mal hat sich die "Fifty Shades"-Trilogie der Autorin E. L. James weltweit verkauft, und die Verfilmung des ersten Teils "Geheimes Verlangen" spielte 571 Millionen Dollar ein. Zwei Jahre ist es her, dass Anastasia den dominanten Christian Grey verließ, aber die Neugier ist nicht abgeflaut: Teil zwei, "Gefährliche Liebe", startet am 9. Februar, und schon der erste Trailer verbuchte im Netz 114 MillionenKlicks innerhalb von 24 Stunden. Damit ist der Rekord von "Star Wars: Das Erwachen der Macht" mit 112 Millionen Klicks gebrochen.

Trailer zu "Fifty Shades of Grey 2"

Viel zu sehen gibt es im Trailer nicht, aber die Neugier ist geweckt. "Erstaunlicherweise übt SM selbst in unserer Zeit, da wir im Internet sämtliche Formen von Sexualität erleben können, immer noch einen besonderen Reiz aus", wundert sich der Psychologe Michael Thiel. "Da spielt nach wie vor ein Hauch von Verbotenem mit, und Hollywood hat das salonfähig gemacht."

Raus aus der Schmuddelecke

Dank "Fifty Shades" kann man sich Fesselpraktiken ohne Scham mit Freunden gemeinsam ansehen. Das stilvolle Ambiente im Film holt die Lust an Sadomaso-Praktiken aus der Schmuddelecke: Grey ist Milliardär, und sein Spielzimmer kein dunkler Keller, sondern ein Designertraum. Ist das realistisch?

Die Domina Johanna Weber meint im Gespräch mit GOLDENE KAMERA, das "Shades"-Szenario sei "eher Kopfkino als Realität: ein Märchen. Dieser Traumprinz ist zudem ein Kerl, der eine Frau richtig rannimmt. Natürlich bin ich für Gleichberechtigung, aber es lähmt die Sexualität, wenn Männer und Frauen ihre Fantasien nicht ausleben."

Warum fasziniert gerade SM so viele? "Dahinter steckt oft der Wunsch nach mehr Aufmerksamkeit", glaubt Domina Johanna. "Wir inszenieren den Sex als Event. Man denke nur an die Spielart Bondage, bei der ein Partner den anderen unter großem Zeitaufwand fesselt. Sicher hat auch 'Shades of Grey' dazu beigetragen, dass sich der eine Handschellen kauft, der andere in einen Pärchenklub geht." In jedem Fall seien die Menschen experimentierfreudiger geworden.

Kombi aus Sex und Nervenkitzel

Auch der Psychologe Thiel findet es "wünschenswert, dass Paare zusammen ins Kino gehen und sagen: 'Das könnten wir doch auch mal ausprobieren.' Lustige Randnotiz: In Baumärkten ist der Absatz von Lüsterklemmen und Seilen deutlich gestiegen."

Was die SM-Szene indes an "Fifty Shades" kritisiert, ist der fehlende Rollentausch: Er bleibt der dominante Part, sie devot. "Aber", kontert der Psychologe, "sie kontrolliert ihn ja genauso. Wenn sie sich nicht an die Spielregeln hält, findet er ja keine Befriedigung."

Tatsächlich ist Ana nicht mehr das naive Mäuschen, als sie sich wieder mit Christian einlässt. Sie legt fest: "Keine Regeln, keine Bestrafung." Dennoch läuft nicht alles glatt: Ana wird von Christians eifersüchtiger Ex-Gespielin verfolgt, die Romanze entwickelt sich zum Thriller und "Gefährliche Liebe" zur heißen Kombi aus Sex und Nervenkitzel. Im Idealfall beschert das dem Zuschauer lustvolle Adrenalinschübe.

Text: Ulrike Schröder

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