Denzel Washington: "'Fences' ist eine großartige Geschichte"

Mit der gefeierten Theaterstück-Adaption "Fences" geht Denzel Washington als Regisseur und Hauptdarsteller ins diesjährige Oscar-Rennen. Zum deutschen Kinostart trafen wir den Hollywood-Star zum Gespräch.

Er ist eines der Aushängeschilder des afroamerikanischen Kinos. Denn Denzel Washington, der für seine schauspielerischen Leistungen im Bürgerkriegsdrama "Glory" (1989) und im Cop-Thriller "Training Day" (2001) mit dem Oscar ausgezeichnet worden ist, sorgt auch hinter der Kamera dafür, dass schwarze Stoffe in Hollywood das Licht der Leinwand erblicken. Nach den Biopics "Antwone Fisher" (2002) und "The Great Debaters" (2007) hat der 62-Jährige mit dem Familiendrama "Fences" jetzt seine dritte Regiearbeit vorgelegt.

In der Adaption des gleichnamigen Theaterstücks von August Wilson, das am 16. Februar in den deutschen Kinos startet, spielt Washington den Müllmann Troy Maxson, der mit seiner Frau Rose (Viola Davis) und dem gemeinsamen Sohn Cory (Jovan Adepo) im Pittsburgh der 50er Jahre lebt. Als Cory eine Karriere als Sportler anstrebt, mutiert Troy immer mehr zum despotischen Patriarchen, der seinen Sohn davor bewahren will, einen Fehler zu machen, und dadurch eine dramatische Familienkrise vom Zaun bricht...

Trailer zu "Fences" (Kinostart: 16.2.2017)

Dass Denzel Washington für "Fences" zwei weitere Academy Awards seiner Sammlung hinzufügen kann, ist durchaus möglich, denn sowohl der Film als auch Washington selber wurden zwischenzeitlich für den Oscar nominiert. Im Gespräch klärt uns der gutaufgelegte Hollywood-Star über seine persönliche Beziehung zu seiner Rolle im Film auf, schwelgt gleich zu Beginn in Erinnerungen an seinen Gewinn der GOLDENEN KAMERA im Jahr 2012 und gibt allen Männern wertvolle Tipps für eine sorgenfreie Ehe...

"Fences"-Star Denzel Washington im Videotalk

Denzel Washington im Interview

In "Fences" werden Sie von Ihrer Filmgattin mit dem Bau eines Zaunes beauftragt. Aber statt ein guter Ehemann zu sein, verhält sich Troy wie viele Ehemänner: Er schiebt es auf die lange Bank. Bei welchen Dingen schieben Sie die Aufträge Ihrer eigenen Frau auf die lange Bank?

Das sage ich Ihnen doch nicht! (lacht) Ich füge mich dem Schweigegelübde eines Ehemanns, denn sonst wäre meine Ehe schon lange vorbei. Die wichtigsten drei Worte in einer Beziehung sind diese: "Ja, meine Liebe!" (lacht)

Sind Sie handwerklich begabt? Könnten Sie einen Zaun selbst bauen?

Ich könnte, wenn mich meine Frau darum bitten würde, aber ich habe keine großen technischen oder handwerklichen Fähigkeiten.

Sie haben diese Rolle zuerst auf der Bühne gespielt. Inwieweit hat das jetzt Ihre Darbietung vor der Kamera beeinflusst oder verändert?

Ich hatte keine Zeit, mir darüber Gedanken zu machen. Ich war zu sehr mit dem Schauspielern, Produzieren und Inszenieren beschäftigt. Und wenn ich mal eine Verschnaufpause hatte, war mir das Wohl der anderen Schauspieler wichtiger als mein eigenes.

Laut Ihres Co-Stars Viola Davis haben Sie sie ermutigt, ihre Emotionen für die Filmkamera nicht zurück zu halten...

Meiner Meinung nach gibt es keinen Unterschied zwischen der Schauspielerei fürs Theater oder beim Film. Wenn die Gefühle ehrlich sind, wird die Kamera sie einfangen. Und sollte es doch übertrieben wirken, sieht man es sofort am Monitor und kann es ändern. Ich halte nichts davon, dass man für die Kamera zurückgenommener agieren muss als auf der Bühne. Wenn die Szene großes Geschrei verlangt, sollte man das auch tun. Und in diesem Film gibt es sehr viele dieser Momente. (lacht)

Featurette über "Fences"-Regisseur Denzel Washington

Hätten Sie diesen Film auch inszenieren können, wenn Sie die Rolle nicht vorher im Theater gespielt und zuvor schon selbst Regie geführt hätten?

Nein. Was ich vom ersten bis zu diesem Film gelernt habe ist, dass ich nicht immer alle Antworten parat haben muss. (lacht) Stattdessen stelle ich talentierte Menschen ein, die wissen, was sie tun, und die ihr Bestes geben. Ich bin zwar der Kapitän und steuere das Schiff, aber wir bekämpfen die Wellen gemeinsam.

Wann haben Sie die Werke von Autor August Wilson zum ersten Mal für sich entdeckt?

Auf der Bühne: zuerst "Ma Rainey" mit Charles S. Dutton und dann "Fences" mit Mary Alice und James Earl Jones. August ist ein fantastischer Schriftsteller und die Darbietungen bei diesen Aufführungen waren einfach atemberaubend. Ich werde sie nie vergessen.

Als Troy sind Sie ein sehr strenger Vater. Wie rechtfertigen Sie diese Figur?

Troy ist ein harter Mann – zu sich selbst und zu seiner Familie. Ich will ihn nicht generalisieren oder rechtfertigen, aber Väter waren in der damaligen Zeit so. Viele Männer, die meinen Film gesehen haben, kamen danach zu mir und meinten: "Troy ist wie meine Vater" oder "So war mein Onkel auch." Mein eigener Vater hat mir zum Beispiel nie einen Kuss gegeben. Das bedeutet aber nicht, dass er gemein oder ein schlechter Vater war. Ich habe ihn trotzdem geliebt und ich hoffe, er mich auch.

Wie streng sind Sie selber als Vater? Oder durften Ihre Kinder tun und lassen, was sie wollten?

Ich hoffe, dass ich meine Kinder daran gehindert habe, zu tun und lassen, was immer sie wollten! (lacht) Aber wenn es um ihre Leidenschaften ging, habe ich mich nie in ihren Weg gestellt. Ihre Träume habe ich immer unterstützt.

Interview: Anke Hofmann

Kommentare einblenden

Auf ein Wort mit... Jury-Mitglied Johannes B. Kerner

Ein GOKA-Juror mit GOKA-Erfahrung: Moderator Johannes B. Kerner (52)
Ein GOKA-Juror mit GOKA-Erfahrung: Moderator Johannes B. Kerner (52)
Foto: © Ralf Juergens/Getty Images
Vorhang auf für die Expertenriege, die über die Vergabe der GOLDENEN KAMERA 2017 mitentscheidet. Heute im Fokus: Moderator Johannes B. Kerner
Mehr lesen