"Wie vom Schicksal bestimmt": Nicole Kidman im Adoptionsdrama "Lion"

Mit "Lion: Der lange Weg nach Hause" hat sich Nicole Kidman ihre vierte Oscar-Nominierung erspielt. Uns verriet die Australierin, warum ihr das Biopic so besonders am Herzen lag.

Am 23. Februar startet in unseren Kinos ein Film, der bereits als neuer "Slumdog Millionär" gefeiert wird und mit sechs Nominierungen ins Oscar-Rennen geht. In dem auf einer wahren Begebenheit basierenden Drama "Lion: Der lange Weg nach Hause" von Garth Davis erleben wir, wie der fünfjährige Saroo (Sunny Pawar) im Moloch Kalkuttas verloren geht und schließlich beim Ehepaar Sue (Nicole Kidman) und John Brierley (David Wenham) in Australien ein neues Zuhause findet. 25 Jahre später begibt sich Saroo (Dev Patel) unterstützt von Freundin Lucy (Rooney Mara) in Indien auf die Suche nach seinen Wurzeln...

Trailer zu "Lion: Der lange Weg nach Hause" (Kinostart: 23.2.2017)

In der Rolle der liebevollen Ziehmutter glänzt Oscar-Preisträgerin Nicole Kidman ("The Hours"), die im Gespräch mit der GOLDENEN KAMERA ihre persönliche Beziehung zum herzerweichenden Filmgeschehen erläutert. Neben ihren beiden biologischen Kindern mit ihrem jetzigen Ehemann Keith Urban ist die 49-Jährige nämlich auch Mutter zweier bereits erwachsener Adoptivkinder...

Nicole Kidman über "Lion: Der lange Weg nach Hause"

Nicole Kidman im Interview

Sue Brierley ist Australierin. Und Mutter adoptierter Kinder. Zwei Dinge, die Sie mit Ihrer Figur gemeinsam haben. Wollten Sie deshalb in "Lion" mitspielen?

Ich hatte noch nie eine Australierin gespielt, wie ich sie aus meiner Kindheit kenne. Sue ist eine Frau, die mich sehr an die Freudinnen meiner Mutter erinnert. Mit dieser Rolle gönnte ich mir also ein Stück Heimat. Als ich zusagte, lebte mein Vater noch. Und das war ein dritter Grund, warum ich in "Lion" mitspielen wollte: um in der Nähe meiner Eltern zu sein. Dann ist das Undenkliche passiert, und es war so gut, dass ich meiner Mutter beistehen konnte, denn auf einmal war sie alleine. Diese Rolle war also wie vom Schicksal bestimmt.

Wussten Sie, dass die Handlung auf einer wahren Geschichte basiert?

Nein, ich war sehr überrascht, als ich das hörte. Aber das macht die Geschichte umso bedeutender und tiefer.

Inwieweit ist dieser Film ein Liebesbrief an Ihre eigenen Adoptivkinder?

Indem er die Botschaft der bedingungslosen Liebe vermittelt. Viele erwarten, dass eine Adoptivmutter sich von der biologischen Mutter bedroht fühlt. Aber ein Satz im Film drückt genau aus, wie ich mich fühle. Sue sagt zu ihrem Sohn Saroo, nachdem er seine biologische Mutter nach langer Suche endlich gefunden hat: "Ich kann es kaum abwarten, dass sie dich endlich kennen lernt, damit sie sieht, zu welch einem wunderschönen Menschen du geworden bist." Denn die Adoptiveltern werden für immer einen Bund mit den biologischen Eltern teilen, egal ob das Kind seine biologischen Eltern kennen lernen möchte oder nicht.

"Lion" dreht sich auch um die Frage: "Wer bin ich?" Wer ist Nicole Kidman?

(lacht) Was das anbelangt, bin ich immer noch ein bisschen konfus. Ich weiß, was ich nicht will. Aber trotzdem fällt es mir oft schwer, Nein zu sagen. Ich bin halt einfach ein People Pleaser und will es allen immer recht machen. Zum Glück habe ich einen tollen Partner in meinem Leben. Mein Mann kennt mich besser als ich mich selbst. Er ist sehr gut darin, mir meine Stärken zu zeigen. Und das fühlt sich gut an. Er steigert mein Selbstwertgefühl.

Haben Sie jetzt Lust, auch Ihre Vorfahren zu recherchieren?

Das brauche ich nicht mehr, denn ich weiß es schon. Die Familie meines Vaters kam 1839 mit der S.S. Susan von der irischen Dingle-Halbinsel nach Sydney.

Interview: Anke Hofmann

Kommentare einblenden

Mark Wahlberg über "Boston": "Jeder Tag kann der letzte sein!"

In "Boston" verarbeitet Produzent und Hauptdarsteller Mark Wahlberg den Terroranschlag auf den Boston Marathon. Zum Kinostart am 23. Februar stand er uns mit Regisseur Peter Berg Rede und Antwort.
Mehr lesen