Mark Wahlberg über "Boston": "Jeder Tag kann der letzte sein!"

In "Boston" verarbeitet Produzent und Hauptdarsteller Mark Wahlberg den Terroranschlag auf den Boston Marathon. Zum Kinostart am 23. Februar stand er uns mit Regisseur Peter Berg Rede und Antwort.

Am 15. April 2013 wird der wie jedes Jahr am Patriots' Day stattfindende Boston Marathon auf Höhe der Zielgeraden von zwei Explosionen erschüttert. Bei dem Terroranschlag kommen drei Menschen ums Leben, 264 werden verletzt. Im Film spielt Mark Wahlberg den Polizisten Tommy Saunders, der gerade mit seiner im Publikum stehenden Frau Carol (Michelle Monaghan) plauscht, als die Rucksackbomben hoch gehen. Mit Polizeichef Davis (John Goodman) und FBI-Agent DesLauriers (Kevin Bacon) versucht Tommy ein Chaos zu verhindern und gleichzeitig die Jagd nach den flüchtigen Attentätern zu koordinieren...

Trailer zu "Boston" (Kinostart: 23.2.2017)

Wie der Terroranschlag sein Leben verändert hat und warum niemand außer ihm einen Film darüber produzieren konnte, verrät uns Mark Wahlberg im Doppelgespräch mit seinem "Bruderherz" Peter Berg...

Mark Wahlberg und Regisseur Peter Berg über "Boston"

Mark Wahlberg im Interview

Sie sind in Boston aufgewachsen. Wie wichtig war es Ihnen, die Ereignisse vom 15. April 2013 zu verfilmen?

Ich wollte sicher stellen, dass die wahren Begebenheiten gezeigt werden. Ich zögerte zuerst, weil ich befürchtete, dass knappe vier Jahre nach dem Bombenanschlag noch zu früh sein könnten. Ich habe sehr lange mit mir selber gekämpft. Aber dann dachte ich: "Jemand wird einen Film – oder sogar zwei oder drei - über dieses Attentat drehen. Was, wenn dieser Jemand unsensibel gegenüber den Ereignissen und Opfern ist? Also sollte dieser Jemand lieber ich sein, denn ich bin mit Herz und Seele dabei!" In "Boston" zeigen wir zwar den Terror dieses Tages, aber unser Film dreht sich eigentlich um Liebe, Vergebung und Hoffnung. Wir zeigen, wie eine ganze Stadt zusammen gehalten und sich gegenseitig geholfen hat. In dieser Hinsicht hätten wir diesen Film vielleicht sogar früher drehen sollen, denn Gewalttaten passieren jeden Tag – nicht nur in Boston oder in den Vereinigten Staaten, sondern überall in der Welt.

In "Boston" ist alles echt: vom Ablauf bis zu den handelnden Personen. Sie nutzen sogar echtes Video-Material der Attentäter. Nur Ihre Figur des Polizisten Tommy Saunders ist fiktiv. Und er trägt eine Kniestütze. Warum?

Damit der Zuschauer nicht denkt, dass ich wieder der Ritter in der Not bin, der auf einem weißen Pferd angeritten kommt und alle rettet. Meine Figur ist wie alle anderen, die direkt an der Explosionsstelle waren: überfordert und ratlos. Keiner war für so eine Situation vorbereitet und jeder verließ sich nur auf seine Instinkte. Niemand war ein Super-Bulle! Meine Figur basiert auf zwei Polizisten, die beide ausschlaggebend waren: Danny Keeler und Bobby Merner. Keeler war am Zielband des Marathons stationiert und hatte eine Verletzung am Bein, und Merner leitete die Ermittlung und die Verfolgung der Attentäter.

Der Originaltitel des Films ist sehr patriotisch. Hat "Patriots Day" auch eine politische Aussage?

Das kann jeder sehen, wie er will. Wir leben in verrückten Zeiten, aber es gibt mehr Gutes in der Welt als Schlechtes. Ich habe viele muslimische Freunde. Und die Botschaft des Films ist hoffentlich positiv und aufbauend.

Wie hat sich Boston seit 2013 verändert? Und hat der Boston Marathon eine neue Bedeutung gewonnen?

Wir haben während des letzten Marathons in Boston gefilmt, und ich muss zugeben, dass ich von Emotionen überwältigt wurde, als ich Patrick Downes am Ziel seine Frau Jessica umarmen sah. Boston fühlt sich anders an als damals. Positiver. Das Gefühl der Gemeinschaft in der Stadt ist sehr gewachsen.

Boston. Paris. Orlando. Nizza. Welche Auswirkung haben diese Anschläge auf Ihr Leben?

Ich lebe nach dem Motto, dass das Morgen nie versprochen ist. Jeder Tag kann der letzte sein, aber ich begebe mich auch nicht unnötig in Gefahr. Ich bin schlauer geworden, was meinen Beruf angeht. Und ich bin nicht mehr so risikofreudig oder draufgängerisch, wie ich es einmal war. Andererseits darf man sich deswegen nicht in seinen vier Wänden verbarrikadieren, sondern man sollte versuchen, ein so normales und freies Leben zu führen wie möglich.

Zum Schluss etwas leichtere Kost und das im wahrsten Sinne des Wortes: Gab es am Set "Wahlburgers" zu essen – aus der gleichnamigen Restaurantkette Ihres Bruders Paul?

Klar, was sonst (lacht).

Interview: Anke Hofmann

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