Grüße aus dem Jenseits: Wenn tote Schauspieler ins Kino zurückkehren

Zum Kinostart von Bill Paxtons letztem Film "Mean Dreams" zeigen wir, welche Kinostars nach ihrem Ableben noch einmal für filmische Furore gesorgt haben und mit welchen perfiden Tricks die Traumfabrik dabei manchmal arbeitet.

Manchmal kommen sie wieder: Als der aus "Titanic" oder "Edge of Tomorrow" bekannte Schauspieler Bill Paxton am 25. Februar an den Folgen von OP-Komplikationen verstarb, war sein neuer Film "Mean Dreams" bereits auf diversen Festivals gelaufen. Im am 16. März regulär im Kino startenden Thriller-Drama glänzt der 61-Jährige ein letztes Mal in der diabolischen Rolle eines korrupten Cops und gewalttätigen Übervaters, der in der amerikanischen Provinz das junge Liebesglück zwischen seiner Tochter (Sophie Nélisse) und dem Nachbarsjungen (Josh Wiggins) im Keim ersticken will...

Trailer zu "Mean Dreams" (Kinostart: 16.3.2017)

Das posthume Wiedersehen mit Bill Paxton, der am 25. Mai ein allerletztes Mal in der Romanverfilmung "The Circle" in Leinwanderscheinung treten wird, gehört zu den tragischen Konstanten der Traumfabrik. Denn die Filmgeschichte steckt voller Produktionen, die erst ins Kino kamen, nachdem ihre Hauptdarsteller das Zeitliche gesegnet haben.

Tote Stars in posthumen Filmpremieren

Die Liste reicht dabei von Hollywood-Legenden (James Dean in "Giganten", 1956) über vielversprechende Quereinsteigerinnen (Aaliyah in "Königin der Verdammten", 2002) und gefeierte Oscar-Gewinner (Philip Seymour Hoffman in "A Most Wanted Man", 2014) bis hin zu jungen Popkultur-Ikonen (Anton Yelchin in "Star Trek: Beyond", 2016). Besondere und verdiente Aufmerksamkeit wurde 2008 Heath Ledger zuteil, der für seine herausragende Darstellung der Batman-Nemesis namens Joker in "The Dark Knight" posthum mit dem Golden Globe und dem Oscar als „Bester Nebendarsteller“ ausgezeichnet wurde...

Originalclip aus "The Dark Knight" (2008) mit Heath Ledger als Joker

Ein Jahr später gab es ein finales Wiedersehen mit Heath Ledger im Fantasy-Spektakel "Das Kabinett des Doktor Parnassus", das der Oscar-Gewinner in spe zum viel zu frühen seines durch Medikamentenmissbrauch selbst verursachten Todes gerade drehte. Nach einem zweimonatigen Drehstopp schrieb Regisseur Terry Gilliam das Drehbuch kurzerhand um und ließ seine Titelfigur in verschiedene Dimensionen reisen, in denen Ledgers Figur von Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell verkörpert wurde.

Einen pietätloseren Weg schlugen 2015 die Produzenten von "Fast & Furious 7" ein, als Co-Hauptdarsteller Paul Walker während der Dreharbeiten bei einem Autounfall ums Leben kam. Die noch nicht gedrehten Szenen wurden von Walkers jüngeren Brüdern Cody und Caleb übernommen und später an den Computern von Peter Jacksons Effektstudio Weta Digital durchaus überzeugend auf Paul getrimmt, um den Fans des Milliarden-Dollar-Franchises noch einmal das Original-Ensemble präsentieren zu können.

Tote Stars aus der Filmkonserve

Den "Fast & Furious"-Machern monetäre Beweggründe zu unterstellen, mag nicht der ganzen Wahrheit entsprechen. Marketingstrategisches Kalkül ist bei posthumen Schauspieler-Comebacks aber durchaus Hollywood-Usus. Neben dem Recycling von alten und nicht verwendeten Inspector-Clouseau-Aufnahmen des zwei Jahre zuvor gestorbenen Kultkomikers Peter Sellers in "Der rosarote Panther wird gejagt" (1982) gilt der letzte Film von Bruce Lee als berüchtigtes Beispiel. Nachdem die Martial-Arts-Ikone 1973 bei den Dreharbeiten zu "Game of Death" an einem Hirnschlag verstarb, drehte Regisseur Rober Clouse den Film einfach mit einer Handvoll wenig überzeugender Lee-Doubles zu Ende und brachte das krude Machwerk 1978 unter dem makaber anmutenden Titel "Bruce Lee – Mein letzter Kampf" auch in Deutschland ins Kino...

Mini-Feature über "Bruce Lee - Mein letzter Kampf" (1978)

Noch bizarrer ging es 1959 in "Plan 9 aus dem Weltall" zu. Nachdem Horror-Ikone Bela Lugosi 1956 an einem Herzinfarkt gestorben war, ergänzte Trash-Papst Ed Wood Probeaufnahmen für ihren dritten gemeinsamen Film mit Szenen, in denen der Chiropraktiker seiner Frau Lugosi doubelte und aufgrund fehlender Ähnlichkeit permanent Lugosis Dracula-Cape vors Gesicht hielt!

Tote Stars als digitale Hommage

Tricktechnisch weitaus versierter gingen Ende letzten Jahres die Macher des "Star Wars"-Prequels "Rogue One" zu Werke. Obwohl Peter Cushing, der 1977 im "Krieg der Sterne"-Auftakt den Todesstern-Kommandanten Tarkin gespielt hatte, bereits 1994 gestorben war, konnte Cushings Kultschurke fast 40 Jahre später dank modernster Animationstechnik und ausgeklügeltem Performance-Capture-Verfahren ein nahezu photorealistisches Comeback feiern...

Mini-Feature über die CGI-Tricks in "Rogue One: A Star Wars Story" (2016)

Nach den bereits überzeugenden Digital-Reanimationen von Sir Laurence Olivier in "Sky Captain and the World of Tomorrow" (2004) und Marlon Brando in "Superman Returns" (2006) hat "Rogue One", in der auch eine CGI-Version der jungen Prinzessin Leia zu bewundern war, neue Tricktechnikmaßstäbe gesetzt. Und uns die nachdenklich stimmende Gewissheit beschert, dass Hollywood theoretisch auf lebende Schauspieler verzichten könnte. Carrie Fisher, die Ende Dezember letzten Jahres überraschend verstorbenen ist und zu diesem Zeitpunkt bereits die achte "Star Wars"-Episode "Die letzten Jedi" bereits abgedreht hatte, werden wir beim Kinostart am 14. Dezember wohl nicht zum letzten Mal in ihrer Paraderolle sehen.

Text: Alexander Attimonelli

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