Ein Hollywood-Halbgott zu Gast bei Gott: Sam Worthington über "Die Hütte"

Vom "Kampf der Titanen" zur Bestellerverfilmung "Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott" – wir haben uns vom "Avatar"-Superstar Sam Worthington erklären lassen, warum sein neuer Film nur scheinbar aus der Reihe schlägt.

Eigentlich kennen wir Sam Worthington als waschechten Kino-Haudegen: Ob als Perseus in "Kampf der Titanen", Roboter-Killer in "Terminator: Die Erlösung", intergalaktischer Befreiungskämpfer in "Avatar" oder zuletzt als verbissener Frontsoldat in "Hacksaw Ridge" – der kernige Engländer scheint es zu genießen, nicht nur die schauspielerischen Muskeln spielen lassen zu können. Dass er es auch sehr viel feinfühliger kann, beweist Worthington in der Bestseller-Verfilmung "Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott", die am 6. April in unseren Kinos startet...

Trailer zu "Die Hütte" (Kinostart: 6.4.017)

Als Familienvater Mack Phillips, der nach dem Mord an seiner jüngsten Tochter durch einen mysteriösen Brief an den Ort des Verbrechens eingeladen wird und dort in Gesprächen mit irdischen Manifestationen Gottes (allen voran "Hidden Figures"-Star Octavia Spencer), erlangt Sam Worthington im Film sein Seelenheil zurück. Warum die Dreharbeiten von "Die Hütte" für ihn privat eine ähnlich kathartische Wirkung hatten und wo sich sein persönliches Paradies befindet, verrät der 40-Jährige im Gespräch mit der GOLDENEN KAMERA...

Sam Worthington im Interview

Wie spirituell, wenn nicht sogar religiös, mussten Sie selbst sein, um sich mit der Filmfigur Mack Phillips zu identifizieren?

Ich bin in keiner religiösen Familie aufgewachsen. Meine Eltern waren keine Christen. Mit 19 habe ich meine erste Bibel von einem Freund geschenkt bekommen. Seit 25 Jahren versuche ich, meine Beziehung zu Gott und zum Glauben zu ergründen und für mich zu definieren. Und dieser Film war ein weiterer Schritt auf dieser Entdeckungsreise. Als ich das Drehbuch las und Macks Fragen an Gott sah, wurde mir bewusst, dass ich die gleichen Fragen auch gestellt habe. Wie Mack habe ich mit der Welt gekämpft und die Lasten und die Schuld der Vergangenheit mit mir herumgetragen. Ich habe sehr viele Lehren aus diesem Film gezogen, genau wie aus der Bibel. Aber man muss nicht religiös sein, um von diesem Film berührt zu werden. Es ist menschlich, sich als Mensch verbessern und seinem Leben mehr Klarheit geben zu wollen.

Eine dieser Lehren ist es, anderen zu vergeben. Wie gut sind Sie selbst darin?

Ich war früher sehr nachtragend (lacht), aber habe jetzt gelernt zu vergeben. Das habe ich vor allem meinen Kindern zu verdanken. Sie sind tolle Lehrer, wenn es ums Vergeben geht, denn sie sind das Gegenmittel für Egoismus. Wenn man Vater wird, ist es auf einmal nicht mehr wichtig, wütend auf andere oder auf die Welt zu sein. Das einzige, das zählt, sind die Kinder und ihre Zukunft.

Auf der Leinwand kennt man Sie meist als Helden. Jetzt spielen Sie einen liebevollen Vater. Hat diese Veränderung damit zu tun, dass Sie selbst Kinder haben?

Ja, normalerweise bin ich im Rock und mit einem Gummischwert in der Hand zu sehen (lacht). Mein erster Sohn Rocket war gerade drei Monate alt, als ich "Die Hütte" gedreht habe. Ich hätte Mack auch spielen können, wenn ich keine Kinder gehabt hätte, aber selbst Vater zu sein, hat meiner Darstellung dieser Figur eine Tiefe gegeben, die ich sonst nicht hätte ausdrücken können. Und ein Verständnis, das mir sonst fremd gewesen wäre, denn erst jetzt konnte ich die Angst und Verzweiflung über den Verlust eines Kindes nachempfinden.

Ist Octavia Spencer jetzt Gott für Sie?

(lacht) Octavia ist eine so herzliche und gütige Person – diese Rolle ist wie maßgeschneidert für sie. Sie hatte allerdings etwas Angst und Zweifel, diese Rolle anzunehmen, denn wer kann Gott schon gerecht werden? Aber im Film passt es, dass Gott die Form von Octavia annimmt, denn um Mack zu helfen, benötigt es einen unbedrohlichen und freundlichen Menschen.

Wenn Sie beten, ist Gott männlich oder weiblich?

Weder noch. Mein Gott hat kein Geschlecht, sondern ist ein Gefühl – wie etwa, wenn ich meinen Sohn umarme und er sich gleich besser fühlt. Das gleiche passiert auch, wenn ich bete. Das Gebet ist wie eine Umarmung, die mich besser fühlen lässt.

Mack findet den Garten Eden hinter der titelgebenden Hütte. Was ist Ihr Paradies? Wo ist der Ort, an dem Sie sich glücklich fühlen?

Dort wo meine Frau und meine zwei Söhne gerade sind. Die Geographie ist nicht wichtig, nur die Gesellschaft (lacht).

Interview: Anke Hofmann

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