GOKA-Star der Woche: Jasna Fritzi Bauer

In der Bestseller-Verfilmung "Axolotl Overkill" verzückt Jasna Fritzi Bauer in ihrer Paraderolle als rebellische Göre vermutlich zum letzten Mal das Kinopublikum.

Mit ihren gerade mal 28 Jahren kann Jasna Fritzi Bauer bereits auf eine stattliche Schauspielkarriere zurückblicken. Dabei hat sich die am 20. Februar 1989 in Wiesbaden geborene Wahl-Berlinerin mit schweizerisch-chilenischen Wurzeln zu Deutschlands gefragtesten Darstellerin für komplexe Jugendrollen an der Grenze zwischen Mädchen und Frau gemausert. In dieser Paraderolle ist Bauer seit dem 29. Juni noch einmal in gleich zwei Kinofilmen zu bewundern: als Kleinstadt-Schönheit Mandy in Sönke Wortmanns "Sommerfest" und vor allem als Hauptdarstellerin in Helene Hegemanns Bestseller-Verfilmung "Axolotl Overkill", in der Bauer die 16-jährige Teenie-Rebellin Mifti verkörpert...

Trailer zu "Axolotl Overkill" (Kinostart: 29.6.2017)

Jasna Fritzi Bauer: Der Karrierestart

Als Tochter von Punk-Eltern, die in einer wild zusammengewürfelten Patchwork-Familie groß geworden ist, könnte man annehmen, dass Jasna Fritzi Bauer die rebellische Ader in die Wiege gelegt worden ist. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Dank einer behüteten Kindheit reifte Klein-Jasna zu einem in sich ruhenden Teenie heran, der in der Schauspielerei ein Ventil zum künstlerischen Ausdruck für sich entdeckte und von 2006 bis 2008 zum Jugendclub des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden gehörte. Anschließend begann Bauer ihre Ausbildung an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" und wurde direkt nach dem Abschluss von 2012 bis 2015 als festes Ensemblemitglied ans Wiener Burgtheater geholt, dem sie bis heute regelmäßig gastierend die Treue hält...

Jasna Fritzi Bauer am Burgtheater Wien (2016)

Jasna Fritzi Bauer: Der Durchbruch

Parallel zu ihrer Schauspielausbildung und ersten Erfolgen am Theater begann Jasna Fritzi Bauer, ihr Talent auch vor der Kamera auszuleben. Dabei wurde ihr Debütfilm "Ein Tick anders" (2011) gleich zum Überraschungserfolg. Als am Tourette-Syndrom leidende Schülerin Eva, die sich nicht unterkriegen lässt, begeistert die seitdem auch als Schirmherrin der Deutschen Tourette-Gesellschaft aktive Jungschauspielerin Kritiker und Publikum...

Clip aus "Ein Tick anders" (2011)

Zur Belohnung bekam der Shooting Star den New Faces Award verliehen und spannende Rollen angeboten. So stahl Jasna Fritzi Bauer an der Seite von Nina Hoss (GOLDENE KAMERA 1997) in Christian Petzolds "Barbara" (2012) die Show als aufsässige Stella, die mit allen Mitteln versucht, aus der DDR zu fliehen. In der Romanverfilmung "Scherbenpark" (2013) brillierte Bauer als wütende Tochter, die vom Hass auf ihren Stiefvater befeuert wird, und erspielte sich damit beim Max Ophüls Preis den Titel als "Beste Nachwuchsdarstellerin". Endgültig zur Coming-of-Age-Expertin avancierte die damals 25-Jährige in der Tragikomödie "About a Girl" (2015), in der sie ihrer Filmmutter Heike Makatsch (GOLDEN KAMERA 2002) als mit Selbstmord kokettierende Tochter das Leben schwer machte...

Trailer zu "About a Girl" (2014)

"About a Girl" brachte Jasna Fritzi Bauer beim Bayerischen Filmpreis erneut eine Auszeichnung als "Beste Nachwuchsdarstellerin" ein und machte das Fernsehen auf ihre Schauspielkunst aufmerksam. Im historischen ZDF-Mehreiler "Das Sacher" (2016) überzeugte Bauer neben dem letztjährigen GOKA-Nachwuchspreisgewinner Edin Hasanovic als uneheliche Tochter einer Wäscherin, die beinahe im Bordell landet, und war Anfang des Jahres im "Tatort: Land in dieser Zeit" als in rechten Kreisen verkehrender Frisör-Azubi Vera zu sehen.

Jasna Fritzi Bauer in "Axolotl Overkill"

Dass Helene Hegemann, die nach ihrem Romandebüt "Axolotl Roadkill" zum Fräuleinwunder der deutschen Literatur ausgerufen worden ist, für die Hauptrolle ihres Regiedebüts unbedingt das ewige Fräuleinwunder des deutschen Films haben wollte, ist wenig überraschend. Dass sich Jasna Fritzi Bauer noch einmal auf ihre Paraderolle der pubertierende Rebellin eingelassen hat, verblüfft da schon eher. Aber für einen mutigen Film, dessen assoziative Plotstruktur von gängigen Erzählmustern abweicht, macht die Charakterdarstellerin gerne noch einmal auf Berufsjugendliche.

An Bauers mit großer Intensität vorgetragenen Darstellung der 16-jährigen Mifti, die seit dem Tod der Mutter mit ihrem titelgebenden Lurch-Haustier in der WG ihrer älteren Halbgeschwister wohnt und durch Freundin Ophelia (Mavie Hörbiger) und eine Affäre mit der Fotografin Alice (Arly Jover) immer weiter in die drogenverseuchte Technoclub-Szene Berlins abdriftet, lässt sich gut das Geheimnis ihres Erfolgs ablesen, den sie in interviews selbst auf den Punkt bringt: "Ich spiele intuitiv und überlege nicht."

Jasna Fritzi Bauer: Die nächsten Projekte

Ihr intuitives Spiel wird Jasna Fritzi Bauer demnächst (endlich) auch auf andere Rollenformate anwende können. Neben ihrem Genrefilm-Debüt im gerade in Postproduktion befindlichen Psycho-Thriller "Abgeschnitten" von Christian Alvart und einer markanten Nebenrolle im für 2018 angekündigten Beziehungsdrama "Das schönste Paar" mit Maximilian Brückner, hat Bauer das Schweizer Drama "Goliath" abgedreht, in der sie die schwangere Freundin eines durchdrehenden Amateur-Bodybuilders spielt und damit endgültig beweist: der ewige Shooting Star ist erwachsen geworden.

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