GOKA-Star der Woche: Jan Josef Liefers

In der Familienkomödie "Das Pubertier" mutiert Jan Josef Liefers vom kultigen "Tatort"-Ermittler zum panischen Teenie-Papa und beweist mal wieder, warum er zu den beliebtesten Mimen des Landes zählt.

Wenn am 6. Juli die Bestseller-Verfilmung "Das Pubertier" in unseren Kinos startet, verschlägt es Jan Josef Liefers die schlitzohrig-eloquente Sprache, die nicht erst seit seiner Paraderolle als snobistischer "Tatort"-Rechtsmediziner Professor Boerne zum Markenzeichen geworden ist. Dabei zeigt Liefers' spaßiger Auftritt als Teenie-Vater am Rande des Nervenzusammenbruchs, wie weit der am 8. August 1964 geborene Dresdener in seiner Schauspielkarriere gekommen ist...

Trailer zu "Das Pubertier" (Kinostart: 6.7.2017)

Jan Josef Liefers: Die Anfänge

Als Sprössling eines Theaterhaushalts wurde Jan Josef Liefers das Schauspielinteresse quasi in die Wiege gelegt. Unter dem DDR-Regime musste der Film- und Fernsehstar in spe allerdings erst eine Tischlerlehre absolvieren, bevor er an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" zugelassen wurde. Der Mauerfall 1989 sorgte dafür, dass Liefers, der als Redner bei der berühmten Alexanderplatz-Demonstration wortgewandt das Ende des SED-Regimes einforderte, dass Liefers statt in der Nationalen Volksarmee zunächst am Deutschen Theater in Berlin und von 1990 bis 1994 am Thalia Theater in Hamburg seinen Dienst verrichten konnte.

Seine Filmkarriere, die Liefers 1989 als Alexander von Humboldt im Biopic-Drama "Die Besteigung des Chimborazo" begann, startete 1997 erstmals richtig durch: Als Möchtegern-Poet Bodo in Helmut Dietls Schickeria-Satire "Rossini, oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief" und vor allem als Co-Star von Til Schweiger in der tragikomischen Kino-Ode an die Freundschaft "Knockin' on Heavens Door" wurde Jan Josef Liefers über Nacht berühmt...

Trailer zu "Knockin' on Heaven's Door" (1997)

Jan Josef Liefers: Der "Tatort"-Durchbruch"

Ein weiterer Meilenstein in Jan Josef Liefers schauspielerischem Werdegang findet sich im Jahr 2002, als er an der Seite von Axel Prahl mit der Episode "Der dunkle Fleck" sein Debüt im Münster-"Tatort" gab...

Teaser zum "Tatort: Der dunkle Fleck" (2002)

Die Kabbeleien zwischen dem selbstherrlichen Rechtsmediziner Prof. Dr. Dr. Karl-Friedrich Boerne (Liefers) und dem hemdsärmeligen Hauptkommissar Frank Thiel (Prahl) erlangten schnell Kultstatus und führten letztendlich dazu, dass Liefers und Prahl bei der Leserwahl der GOLDENEN KAMERA 2011 den Titel "Bestes Ermittler-Team" verliehen bekamen – was sie ihren Fans mit einer einmaligen Dankesreden-Show zurückzahlten...

Dankesrede von Jan Josef Liefers und Axel Prahl bei der GOLDENEN KAMERA 2011

Seitdem ist Liefers, dessen Ehefrau Anna Loos im gleichen Jahr die GOLDENE KAMERA als "Beste deutsche Schauspielerin" verliehen bekam, künstlerisch mit Axel Prahl verheiratet. Dass zwischen den beiden Freunden die Chemie stimmt, spiegelt sich im Quotenerfolg wieder: Mit ihrem 31. Fall "Fangschuss" erreichten die Münsteraner 14,56 Millionen Zuschauer und damit den höchsten Marktanteil einer "Tatort"-Folge seit 1992.

Jan Josef Liefers in "Das Pubertier"

Jan Josef Liefers aber auf seine "Tatort"-Prominenz zu reduzieren, greift deutlich zu kurz. So erspielte er sich mit dem Bergarbeiter-Drama "Das Wunder von Lengede" 2004 den Grimme-Preis als "Bester Hauptdarsteller" und begeisterte im DDR-Abgesang "Der Turm" 2012 Publikum und Kritiker gleichermaßen. Dass Liefers darüber in Deutschlands Schauspiel-A-Liga aufgestiegen ist, unterstrich er mit Kino-Auftritten in Kassenerfolgen wie Til Schweigers "Honig im Kopf" (2014) und Wolfang Petersens "Vier gegen die Bank" (2016). Und aktuell mit der Tatsache, dass sich Regisseur Leander Haußmann keinen anderen Charakterdarsteller vorstellen konnte, der an der Seite von Heike Makatsch (GOLDENE KAMERA 2002) in "Das Pubertier" demonstriert, wie man als Elternteil hysterisch auf die Pubertät seiner Tochter reagiert, ohne dabei ins komödiantische Schmierentheater zu verfallen...

Hinzu kommt: Die aus Jan Weilers gleichnamigen Erfolgsroman stammende Rolle Hannes Wenger, der mit der Teenager-Emanzipation seiner Tochter Carla (Harriet Herbig-Matten) zu kämpfen hat, dürfte Liefers als Vater von insgesamt vier Kindern zumindest teilweise aus eigener Erfahrung bekannt sein.

Jan Josef Liefers: Neue Projekte und andere Leidenschaften

Schauspielerisch gefragt bleibt Jan Josef Liefers auch in naher Zukunft. Derzeit steht er für einen neuen Börne/Thiel-"Tatort" vor der Kamera und bereitet sich auf die sechsteilige Serie "Arthurs Gesetz" vor, der ersten deutschen Komödien-Eigenproduktion des Pay-TV-Senders TNT Comedy. Bereits abgedreht ist der ZDF-Dreiteiler "Der Mann, der zu viel wusste", in dem Liefers in die Haut des Raubkunst-Einsiedlers Gustl Mollath schlüpft. Und in der für 2018 angekündigten Komödie "So viel Zeit" feiert er an der Seite von Jürgen Vogel (GOLDENE KAMERA 2003) ein filmisches Comeback mit Rockband.

Apropos Rock: Neben seiner Familie und sozialem Engagement, für das er 2011 mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland geehrt wurde, schlägt das Herz des Schauspielers für die Musik. Bereits zu SED-Zeiten hatte Liefers mit seiner Band "Oblivion" gegen die sozialistischen Zensoren angesungen. Seit 2006 hat sich die zwischenzeitlich in "Radio Doria" umbenannte Combo zum zweiten Standbein des Schauspielers gemausert. Mit seinen zwischen Britpop und Ostrock angesiedelten Kompositionen ist Liefers regelmäßig (und aktuell) auf Tour und hat 2014 das Debütalbum "Die freie Stimme der Schlaflosigkeit" vorgelegt.

Radio Doria feat. Jan Josef Liefers mit "Verlorene Kinder" (Musikvideo)
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