GoKa-Star der Woche: Der talentierte Mr. Downey jr.

Vom Junkie zum absoluten Superstar: Die Karriere des Hollywood-Überfliegers Robert Downey jr. – besser bekannt als Iron Man – taugt selbst zum Stoff für einen Film.

Seit bald einem Jahrzehnt kennt ihn die Welt als Iron Man. In "Spider-Man: Homecoming" (Kinostart: 13. Juli) verkörpert Robert Downey jr. den Überflieger Tony Stark nun schon zum siebten Mal. Aus Rücksicht auf seine jüngsten Fans spricht der Megastar nicht mehr über seine düstere Vergangenheit. Es hätte nämlich alles ganz anders kommen können. Statt der sagenhaften Erfolgsstory des "Avengers"-Chefs hätte man dann vom tragischen Absturz eines begnadeten Charakterdarstellers berichten müssen, der sich selbst zerstörte.

Bester Schauspieler seiner Generation

Ende der 80er-Jahre galt Robert Downey jr. (Branchenname: RDJ) als bester Schauspieler seiner Generation – und als hoffnungsloser Fall. Er stellte sein Talent in der Comedyshow "Saturday Night Live" unter Beweis, stieg mit "Jack der Aufreißer" (1987) zum Teenie-Idol auf und verstörte im gleichen Jahr als Kokser in "Unter Null". Viele Kollegen – so auch seine damalige Freundin Sarah Jessica Parker – wussten, dass Downey sich selbst spielte. Wenig später machte er den ersten Entzug. Ohne Erfolg.

Robert Downey jr. 1985 als Mann im Koffer in der Show "Saturday Night Live"

RDJ wuchs in New Yorks Künstlerviertel Greenwich Village auf. Robert Downey senior drehte Experimentalfilme, mit fünf spielte der Junior in Dads absurder Komödie "Pound" einen Hund: "Das war besser als ein Babysitter." Robert war acht, als ihm sein Vater den ersten Joint anbot. Mit 16 brach er die Schule ab, Regeln und Autoritäten waren nicht sein Ding. Heute gilt er als Inbegriff von Professionalität.

Doch ab 1996, als die Polizei in seinem Wagen Kokain, Heroin und eine Knarre sicherstellte, sorgte RDJ über Jahre für Schlagzeilen: immer wieder Verhaftungen, gerichtlich verordnete Rehabs, Gefängnis. Einem Richter erklärte RDJ damals: "Es ist, als hätte ich eine geladene Pistole im Mund. Und ich mag den Geschmack von Metall."

Einflussreiche Fürsprecher

Arbeitslos war er dennoch nie. Sogar in den "wilden" 90ern findet sich in seiner Filmografie keine Lücke, als Schauspieler war er trotz allem einfach zu gut. Der Anwaltsserie "Ally McBeal" etwa bescherte der sympathische Skandalstar Topquoten, gewann einen Golden Globe – und wurde kurz darauf nach einem erneuten Rückfall gefeuert.

Der talentierte Mr. Downey hatte in Hollywood jederzeit einflussreiche Fürsprecher, die ihn selbst dann noch engagierten, als kein Filmstudio das Risiko tragen wollte. Was eine öffentliche Diskussion entfachte, ob es zu verantworten sei, einen Junkie noch zu unterstützen, statt ihm auf die harte Tour klarzumachen, dass es so nicht weitergeht. Einer dieser Fürsprecher war Mel Gibson (mit dem er 1990 "Air America" drehte). Als der Oscarpreisträger später selbst durch alkoholisierte Hasstiraden zur Persona non grata wurde, war es der geläuterte Downey, der Mitgefühl für seinen alten Freund Mel forderte.

Youtube-Tipp dazu: RDJs unverschämt ergreifende Rede "Hugging the Cactus"

Er war auch Songwriter und Sänger

Lieber vergessen würde er wohl höchstens sein Intermezzo als Songwriter und Sänger: 2004 erschien sein Album "The Futurist". Warum? "Ich hatte schon einen Vorschuss kassiert, was sollte ich machen?" Sein Ego ist intakt, seine große Klappe seit jeher berüchtigt, für seine Selbstironie wird er geliebt.

Robert Downey Jr - "Man like me" vom Album "The Futurist"

Die trockenen Sprüche sind auch das Markenzeichen von Tony Stark. Dass Downey als Iron Man die Rolle seines Lebens fand, ist natürlich kein Zufall. Der arrogante Millionär und Partyhengst, der erst in einer Extremsituation sein Gewissen entdeckt – damit konnte er viel anfangen. "Tony Stark ist ein Selfmade-Held. Er verdankt seine Kräfte keinem Spinnenbiss oder Gammastrahlen, sondern allein sich selbst."

Bestbezahlter Schauspieler

Von 2013 bis 2015 führte RDJ dreimal in Folge die Liste der bestbezahlten Schauspieler an. Allein "Iron Man 3" spielte 1,2 Milliarden Dollar ein, der Selfmade-Star verdiente daran 55 Millionen. Regisseur Shane Black nennt ihn liebevoll einen "Klugscheißer" und behauptet, Downey sei von Tony Stark nur durch seinen Ehering zu unterscheiden. Darüber lacht er: "Wenigstens hat meine bessere Hälfte keine Probleme, meine Alter Egos auseinanderzuhalten. Wenn sie merkt, dass ich auf dem Tony-Trip bin, warnt sie alle." Dass er seine Dämonen endgültig besiegt hat, verdankt er seiner Frau Susan. Gemeinsam leiten sie die Produktionsfirma Team Downey. Tollste Eigenproduktionen bislang: Sohn Exton und Tochter Avri.

Im Gleichgewicht hält den Familienvater der Kampfsport Wing Chun, eine Kung-Fu-Variante. Deshalb ist er mit mittlerweile 52 auch so fit. "Manchmal kam ich mir wirklich schon wie ein Superheld vor. Bis ich fahrlässig wurde und dachte, dass ich mit meiner Stunt-Erfahrung nicht mehr jeden Sprung proben müsse. Wie kann man in meinem Alter nur so blöd sein? Im Krankenhaus fühlte ich mich nicht mehr so heldenhaft. Ich hätte nichts dagegen, morgen als Chris Hemsworth aufzuwachen!"

Der neue Spider-Man Tom Holland sieht seinen coolen Co-Star auch privat als Mentor: Der 21-Jährige schwärmt von Downeys Freundlichkeit und eiserner Disziplin. Beides sei schlicht "eine Frage des Respekts", sagt sein Vorbild. Am Set schüttelt RDJ jedem Techniker die Hand. Seine einzige Droge ist heute extrastarker schwarzer Tee.

Ein dritter "Sherlock Holmes" – nach "Spiel im Schatten" von 2011 – ist nach wie vor im Gespräch, scheiterte bislang allerdings an Downeys straffem "Avengers"-Terminplan. Zwischendurch dreht er aber immer wieder auch kleinere Filme, aus Leidenschaft oder als Freundschaftsdienst – so wie "Kiss the Cook" des "Iron Man"-Kumpels Jon Favreau.

Auf "Avengers: Infinity War" folgt dann 2019 "Doctor Dolittle", womöglich der Auftakt zu einem weiteren Franchise. Und dass er eines Tages doch noch einen ganzen Arm voll Oscars gewinnen wird, davon ist Robert Downey jr. allemal überzeugt. "Wieso? Weil ich dran bin, verdammt! Und weil denen irgendwann einfach die Preisträger ausgehen werden."

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