Jessica Schwarz über "Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner"

In der Romcom-Verfilmung des Bestsellers von Kerstin Gier erhält Hauptdarstellerin Jessica Schwarz vom Schicksal eine zweite Chance. Wir trafen die 40-Jährige zum unerwartet persönlichen Gespräch.

Wer hätte nicht schon mal von einer zweiten Chance geträumt? Dass einem das Schicksal die Möglichkeit bietet, falsche Entscheidungen ungeschehen und alles besser zu machen? Von dieser Wunschvorstellung handelt der Bestseller "Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner" von Kerstin Gier, dessen Adaption von Regisseur Pepe Danquart am 13. Juli ins Kino kommt.

Darum geht's in "Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner"

Trailer zu "Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner" (Kinostart: 13.7.2017)

Jessica Schwarz spielt die liebenswerte Chaotin Kati Wedekind, die durch Zufall den angehende Arzt Felix (Felix Klare) kennen und lieben lernt. Nach fünfjähriger Beziehung scheint aber die anfängliche Leidenschaft verflogen zu sein. Als sich Kati in den Künstler Mathias (Christoph Letkowski) verliebt, passiert Unvorstellbares: Nach einem Unfall erwacht Kati in der Vergangenheit, kurz bevor sie Felix kennenlernt. Mit Hilfe ihrer esoterischen Kollegin Linda (Pheline Roggan) versucht Kati, im zweiten Anlauf ihre Suche nach dem Glück selber zu gestalten und nebenbei Unheil von ihren Freundinnen Marlene (Elena Uhlig) und Frau Baronski (Judy Winter) fernzuhalten.

Jessica Schwarz im Interview

Im exklusiven Video-Talk mit der GOLDENEN KAMERA verrät Jessica Schwarz, warum sie bei Liebesfilmen ein Herz für Slapstick und speziell dieser Film bei aller Komik für sie eine höchst persönliche Bedeutung hat...

Jessica Schwarz über "Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner"

GOLDENE KAMERA: Du hast gesagt, dass für Deine Zusage mit ausschlaggebend war, dass Pepe Danquart Regie führt. Danquart ist ja eher für packende Dokumentarfilme bekannt. Was hat ihn in Deinen Augen zum idealen Regisseur für "Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner" gemacht?

Jessica Schwarz: Dokumentarfilme haben viel mit Menschen zu tun, die den richtigen Ton raushören und an Authentizität interessiert sind. Und ich glaube, dass man auch bei einer romantischen Komödie aufpassen muss, dass sie authentisch bleibt und nicht so überhöht wirkt, was leider häufig passiert. Deswegen fand ich richtig, dass jemand den Film macht, der wie Pepe auf den richtigen Ton hört. Wenn ich im Film weine, dann weine ich richtig. Das ist für mich extrem wichtig, dass es um echte Emotionen geht. Es gibt natürlich auch Formate, die genau anders funktionieren. Ich schaue gerade eine Serie namens "Riverdale", die völlig überspitzt ist. Wenn man das möchte und weiß, dass es als Stilmittel gedacht ist, dann funktioniert das. Aber für diese Geschichte wäre es falsch gewesen.

Wie vertraut warst Du mit der Romanvorlage und gab es einen Austausch mit der Autorin?

Im Vorhinein gab es keinen Austausch. Wir haben uns während der Dreharbeiten kurz kennengelernt. Ich fand sie irre spannend und es wäre super interessant, sich auch mal längere Zeit mit ihr auszutauschen. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die sagen, dass sie vorher den Roman lesen müssen. Mich irritiert das eher und seit den "Buddenbrooks" lasse ich das erst recht, muss ich gestehen. (lacht) Ich lese die Romane gerne danach, aber davor fallen mir zu viele Seitenstränge auf, die dann eventuell rausgeschnitten werden und bei denen ich beim Dreh womöglich denke: "Wo ist mein Kind? Wo ist meine Nanny?" Die schleppe ich dann im Film immer mit mir rum, obwohl sie gar nicht mehr relevant sind.

Im Film hat Deine Rolle in der von Judy Winter gespielten Frau Baronski eine lebenserfahrene Spiegelfläche und Ratgeberin. Gibt es so jemanden auch in Deinem Leben?

Mein Manager ist jemand, der viel über das Leben nachdenkt und mit dem ich mich gut kabbeln kann. Der kennt mich wahnsinnig gut und ist deswegen jemand, der mir ganz klar Dinge sagen kann, die ihm bei mir auffallen. Das finde ich ungemein wichtig.

Der Austausch mit älteren Generationen ist für Dich demnach ein wichtiger Aspekt des eigenen Älterwerdens?

Total! Eine meiner engsten Freundinnen, die leider letztes Jahr auch an Krebs gestorben ist, war genau 12 Jahre älter als ich. Ich glaube, ich war so etwas wie ihr Alter ego, denn wir waren uns in vielen Dingen sehr ähnlich. Sie konnte mir immer wieder sagen: "So wie ich es gemacht habe, war’s falsch! Nimm den anderen Weg!" Natürlich probiert man trotzdem dann immer noch den eigenen Weg. (lacht) Ich hoffe, dass mir wieder so eine Person begegnet. Aber natürlich ist auch meine Mutter jemand, die immer für mich da ist und mir zur Seite steht.

Im Film gibt es eine sehr schöne Szene, in der Du im Fahrstuhl zu dieser Angeberparty hochfährst und mit Blick in die Kamera Dein Gute-Laune-Pokerface aufsetzt. Würdest Du sagen, dass in jedem Menschen ein Schauspieler steckt?

Auf jeden Fall! Ich denke, dass jeder, wenn er irgendwie muss, genau das aus sich herrausholen kann, was die Situation erfordert. Und in jedem Menschen stecken zudem viele verschiedene Persönlichkeiten. Meist kommt man ja nicht dazu, diese heraus zu lassen oder gar hinterfragen zu dürfen. Das passiert oft gerade dann, wenn Menschen mal einen Schluck Alkohol trinken. Dann begegnet man plötzlich so Jekyll- und Hyde-mäßig einer ganz anderen Person, weil er oder sie sich plötzlich ganz anders öffnen kann. Und man sieht, dass die Art des Auftretens viel mit Selbstbewusstsein zu tun hat.

Clip aus "Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner"

Wenn man sich Dein Œvre anguckt, ist auffällig, dass es meist um emotionale Dynamik in Familien- oder Beziehungskonstellationen geht. Ist das Zufall oder ein Thema, dass Dich schauspielerisch immer wieder herausfordert?

Dieses Thema interessiert mich wirklich. Ich habe jetzt mit Lars Becker gerade den zweiten Teil von "Zum Sterben zu früh" und damit wieder einen richtigen Krimi gedreht. Da geht es aber auch ganz stark um die Familie, weil die verbrecherischen Machenschaften des Ehemanns eben auch auf die Familie übergreifen. Für mich muss immer Emotionalität dabei sein, die dem Publikum etwas mit auf den Weg gibt und Orientierung leistet. Die es einlädt, sich selbst zu hinterfragen und in sich reinzuhorchen, neugierig zu werden, wo man selber steht. Das ist in "Auf der anderen Seite…" ja ganz zentral. Die Frage: Wo stehe ich gerade? Bin ich in der jetzigen Situation glücklich? Ist das jetzt alles gewesen?

Wie sieht es mit neuen Projekten aus?

Es gab den Lars-Becker-Dreh für das ZDF, ansonsten brauche ich momentan einfach sehr viel Zeit für mich.

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