GOKA-Star der Woche: Sebastian Bezzel

In "Grießnockerlaffäre" schlüpft Ex-"Tatort"-Kommissar Sebastian Bezzel zum vierten Mal in seine Paraderolle als Provinz-Polizist Franz Eberhofer. Doch grantelnde Mundart ist bei weitem nicht das Einzige, was der Vorzeige-Bajuware des deutschen Filmbetriebs zu bieten hat.

Wenn am 3. August Sebastian Bezzel zum vierten Mal in die schludrig sitzende Uniform des von Erfolgsautorin Rita Falk ersonnenen Provinz-Polizisten Franz Eberhofer schlüpft, können wir auf der Leinwand einen Schauspieler erleben, der den abstrakten Begriff Idealbesetzung mit kauzigem Leben erfüllt. Und dem es in der "Grießnockerlaffäre" selbst ans Leder zu gehen scheint...

Langtrailer zu "Grießnockerlaffäre" (Kinostart: 3.8.2017)

Das freudige Wiedersehen mit Sebastian Bezzel in seiner Paraderolle erinnert auch wieder daran, warum der mittlerweile 46-Jährige einst als "das junge Gesicht des neuen bayerischen Films" ausgerufen wurde, wobei seine Karriere zunächst in Berlin begann...

Sebastian Bezzel: Der Serien-Darsteller

Am 18. Mai 1971 in Garmisch-Partenkirchen geboren, absolvierte der Sohn eines Ornithologen und Enkel eines evangelischen Pfarrers seine Schauspielausbildung an der Bayerischen Theaterakademie in München. Neben verschiedenen Bühnenengagements probierte sich Sebastian Bezzel, der bereits im Kindergarten begeistert Sketche aufführte, auch als Kabarettist aus, was seinen Hang zum trockenen Humor erklärt. Sein schauspielerischer Durchbruch gelang dem damals 30-Jährigen vor der Kamera, als er 2001 bei der in Berlin spielenden RTL-Serie "Abschnitt 40" anheuerte. Bis 2006 sorgte er in 29 Episoden als antiheldiger Streifenpolizist Ulf Meinerts für Aufsehen und erspielte sich dabei eine Nominierung für den Deutschen Fernsehpreis.

Dem Serienformat blieb Bezzel auch in der Folge treu. So war er von 2009 bis 2012 in der regionalen BR-Serie "Franzi" als Jugendspezl Werner "Flocki" Grüneis der von Jule Ronstedt gespielten Titelheldin zu sehen. Und von 2011 bis 2012 machte er als Sven Novak 14 Episoden lang "Danni Lowinski" (Annette Frier) den Hof.

Sebastian Bezzel: Der Kinoschauspieler

Gleichzeitig eroberte der Bayer mit der Jungenhaften Ausstrahlung die Leinwand. Der Durchbruch gelang Bezzel, der mit seiner Schauspieler-Gattin Johanna Christine Gehlen ("Max & Lisa") und den beiden gemeinsamen Kindern mittlerweile in Hamburg lebt, bereits bei seinem Kino-Debüt, als ihn Regisseur Marcus H. Rosenmüller 2007 für seine historische Sportkomödie "Schwere Jungs" als Bobfahrer Gamser besetzte...

Trailer zu "Schwere Jungs" (2007)

Obwohl Bezzel danach auch in dramatischen Nebenrollen wie in Joseph Vielsmaiers Bergsteigerdrama "Nanga Parbat" (2010) zu sehen war, etablierte er sich mit schrulligen Komödien wie "Stellungswechsel" (2007) oder "Vatertage - Opa über Nacht" (2012) als erste Wahl für "netter Typ von nebenan"-Rollen. Dabei in Dialekt zu arbeiten, wirkt in Bezzels Augen "oft authentischer" und spiegelt sein persönliches Verständnis des darstellenden Berufes wieder: "Ich bin keiner von der hohen Kunst, ich sehe mich als Volksschauspieler, der unterhalten will."

Sebastian Bezzel: Der "Tatort"-Kommissar

Diese sympathische Bodenständigkeit fehlte interessanter Weise bei der Rolle, die den Namen Sebastian Bezzel beim deutschen Fernsehpublikum endgültig zu einem Begriff machen sollte. 2004 trat der selbsternannte Volksschauspieler in der Episode "Bitteres Brot" als Kai Perlmann seinen Dienst als Assistent der "Tatort"-Kommissarin Klara Blum (Eva Mattes) an. Die Spannungen zwischen seinem marottenfreien aber schnöseligen Beamten und ihrer freigeistigen Ermittlerin hielten die Krimifans 27 gemeinsame Einsätze lang bei Laune – bis es 2016 beim letzten "Tatort" aus Konstanz "Wofür es sich zu leben lohnt" für Bezzel und Mattes hieß, Abschied zu nehmen...

PR-Interview mit Sebastian Bezzel zum letzten Bodensee-"Tatort"

Sebastian Bezzel als Franz Eberhofer

Während es Bezzel beim "Tatort"-Dreh immer wichtig war, die Crew darüber aufzuklären, dass die Blasiertheit seiner Figur rein gar nichts mit ihm persönlich zu tun hat, spürte man bereits bei seinem Debüt als Franz Eberhofer im Kino-Hit "Dampfnudelblues" (2013), dass ihm die Figur des unaufgeregten Polizeihauptmeisters, der nach seiner Strafversetzung in die Provinz am liebsten seine Ruhe haben will, direkt aus dem Herzen spricht. Wie Bezzel, der privat als bekennender Mittagsschläfer gilt und dem Familie und Freunde über alles gehen, auch in den Folgefilmen "Winterkartoffelknödel" (2014) und dem gerade als Free-TV-Premiere gelaufenen "Schweinskopf al dente" dem kriminellen Irrsinn der süddeutschen Provinz trotzig die Stirn bietet, wollten jeweils über 500.000 Besucher im Kino sehen.

Sebastian Bezzel in "Grießnockerlaffäre"

An diesen Erfolg dürfte Sebastian Bezzel auch mit der "Grießnockerlaffäre" anknüpfen. Und nebenbei weiter daran arbeiten, dass bayerischer Humor und die dazugehörige Mundart landesweit salonfähig wird. Zumal es für Franz Eberhofer im vierten und besten Teil der Reihe tatsächlich ernst wird.

Als nämlich sein Taschenmesser im Rücken des ungeliebten Polizeipräsident Barschl (Francis Fulton Smith) gefunden wird, gerät der restalkoholisierte Eberhofer in den Fokus der knallharten BKA-Kommissarin "Thin Lizzy" (Nora Waldstätten) und muss mit seinem Privatdetektiv-Kumpel Rudi Birkenberger (Simon Schwarz) seine Unschuld beweisen – während zuhause die plötzlich aufgetauchte Jugendliebe Paul (Branko Samarovski) von Oma Eberhofer (Enzi Fuchs) für Chaos sorgt und Franzls Dauerfreundin Susi (Lisa Maria Potthoff) endlich Heiratsglocken hören will.

Ein wahres Problem-Potpourri also, das Sebastian Bezzel in Gestalt seiner Paraderolle gewohnt ausdrucksstark auf das mitleidende Publikum überträgt und es gleichzeitig köstlich amüsiert. Ganz so wie es eben nur ein bodenständiger Volksschauspieler vermag.

Kommentare einblenden

"Dunkirk": Die wahre Geschichte

Christopher Nolan verfilmte mit "Dunkirk" die Schlacht von Dünkirchen. Wir besuchten den Originalschauplatz.
Mehr lesen