Das Interview-Duell: Idris Elba vs. Matthew McConaughey

In der Stephen-King-Verfilmung "Der dunkle Turm" treten sich die beiden Hollywood-Stars als Erzfeinde gegenüber. Wir trafen die beiden Leinwand-Kontrahenten zum überraschend harmonischen Gespräch.

In Stephen Kings monumentaler Fantasy-Saga sind Roland Deschain alias "Der Revolvermann" und Walter O'Dim alias "Der Mann in Schwarz" die zentralen Widersacher. In der neuen Filmversion von "Der dunkle Turm" werden die beiden Todfeinde von Idris Elba und Matthew McConaughey (GOLDENE KAMERA 2014) verkörpert.

Doch von Animositäten fehlt im Doppel-Interview mit der GOLDENEN KAMERA jede Spur. Stattdessen gewähren die beiden gut gelaunten Hollywood-Stars nicht nur Einblicke in ihre Rollen und die Problematik, Motive aus acht Büchern in einen Film zu quetschen, sondern auch in ihre jeweiligen Lebensphilosophien...

Idris Elba und Matthew McConaughey über "Der dunkle Turm"

Idris Elba im Interview

GOLDENE KAMERA: Hatten Sie Stephen Kings Romanserie "Der dunkle Turm" gelesen? Warum wollten Sie den "Revolvermann" spielen?

IDRIS ELBA: Natürlich war mir Stephen King ein Begriff, aber um ehrlich zu sein kannte ich die "dunkle Turm"-Bücher nicht. Mich reizte, dass dieses Projekt eine Originalproduktion war und kein Remake oder Reboot, was im Moment der Trend im Sci-Fi-Genre ist. Und mir gefiel, dass die Filmemacher den Mut hatten, mich als Revolvermann auszuwählen. Denn im Roman ist Roland Deschain der archetypisch blonde, blauäugige Cowboy a la Clint Eastwood.

Steckt denn vom Typ her ein bisschen Clint Eastwood-Cowboy in Ihnen?

Ein bisschen (lacht). Er ist ein fantastischer Schauspieler und Regisseur, und ich eifere ihm nach.

Wer ist Ihr Lieblings-Revolverheld?

Yul Brynner.

Ihre Revolvertricks im Film sind atemberaubend. Was ist dabei CGI und was können Sie wirklich?

Wir wollten einen Look erzielen, der so echt wie möglich war. Das erste Mal, als ich in meinem Hotelzimmer den Revolvergürtel umschnallte und den Revolver in die Hand nahm, fühlte ich mich alles andere als Cowboy-mäßig (lacht). Aber ich habe so lange geübt, bis ich nicht mehr hinschauen musste, wenn ich die Waffe in den Halfter steckte.

Wie unterscheidet sich Ihr Roland sonst noch von der literarischen Helden-Vorlage?

Mir war es sehr wichtig, dass meine Version von Roland keinen Cowboyhut trägt. Dadurch konnte ich mir diese Rolle zu eigen machen. Aber ansonsten habe ich alle Eigenschaften von Stephen Kings Kreation übernommen. Ich habe allerdings nicht alle acht Bücher gelesen, denn sie sind sehr dick – 700 Seiten pro Buch! (lacht)

Unterscheidet sich der Film sehr von Stephen Kings Original?

Wenn man acht Bücher zu einem 90-minütigen Film komprimiert, kann man einfach nicht so ausführlich sein wie die Romane, aber ich hoffe trotzdem, dass der Zuschauer versteht, woher Roland kommt und warum er ist, wie er ist. Im Film konzentrieren wir uns vor allem auf dem Konflikt zwischen dem Revolvermann und dem Man in Schwarz.

Apropos "Mann in Schwarz" – wie war die Zusammenarbeit mit Matthew McConaughey?

Ich mag ihn als Menschen und als Schauspieler. Aber Matthew und ich hatten leider nur vier Drehtage, in denen wir zusammen arbeiteten. Ich habe ihn also nicht oft zu Gesicht bekommen. Aber zum Glück kannten wir uns schon vor den Dreharbeiten. Unsere erste Begegnung war auf dem Klo bei den Golden Globes. Wirklich! (lacht) Er sah zu mir rüber und ich sagte zu ihm: "Das Wasser ist heute kalt." Und er antwortete: "Und tief." Das ist die absolute Wahrheit, aber vielleicht hätte ich diese Anekdote besser für mich behalten. (lacht)

Das Ende verspricht ein Sequel. Hätten Sie Lust auf mehr Revolvermann-Action?

Gerne! (lacht) Immerhin stehen uns acht Bücher zur Auswahl! Und wir sind nicht nur offen für eine oder mehrere Fortsetzungen, sondern auch für eine Fernsehserie, die von einem jüngeren Roland und einem jüngeren Walter handelt. Die Produzenten haben große Pläne, a la "Game of Thrones". Die Handlungen in den Filmen und der TV Serie würden dann Hand in Hand gehen.

Durften Sie ein Souvenir vom Set mitnehmen? Vielleicht den langen Mantel? Sie sehen sehr cool darin aus!

Leider nein. Ich sah gut in dem Mantel aus, aber ich würde wahrscheinlich verhaftet werden, wenn ich damit in der Straße rumlaufen würde. (lacht) Alle Requisiten und Kostüme wurden sorgfältig eingepackt und gelagert für den Fall, dass wir ein Sequel drehen. Aber sollten Sie mich nach dem Filmstart von "Der dunkle Turm" in diesem Mantel rumlaufen sehen, bedeutet das, dass der Film nicht erfolgreich war. (lacht)

Matthew McConaughey im Interview

GOLDENE KAMERA: Wie haben Sie sich auf die Rolle eines Zauberers vorbereitet? Haben Sie sich „Harry Potter“ angeschaut?

MATTHEW MCCONAUGHEY: (lacht) Nein, "Harry Potter" nicht. Ich wollte mich nicht in Professor Snape verwandeln, obwohl ich ein Fan dieser Figur bin. Mein Vorstellung für Walter war eher Malcolm McDowell in "Uhrwerk Orange". Und ich habe Hitlers stellvertretenden Kommandanten studiert, den Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda. Das waren meine teuflischen Vorbilder für diese Rolle. Böse Menschen, die sich selber aber nicht für böse halten, sondern denken, dass sie die Menschheit verbessern. Wenn man nach Beispielen für einen personifizierten Teufel – in Film oder im Leben – sucht, braucht man nur die Augen öffnen und sich umschauen. Leider gibt es genug davon in dieser Welt.

Besitzen Sie selbst magische Kräfte?

Ich weiß nicht, ob ich es als magisch bezeichnen würde, aber eine meiner Stärken ist meine Widerstandskraft. Ich bin sehr strapazierfähig. Und ich habe auch viel Ausdauer.

Bedeutet das, dass Sie gerne ihre Willen durchsetzen?

Wenn ich ein Nein als Antwort bekomme, kehre ich einfach am nächsten Tag zurück und hoffe, dass die Person jetzt eine bessere Laune hat und mir ein Ja gibt. (lacht) Was magische Kräfte angeht, bin ich davon überzeugt, dass sie jeder besitzt. Es stecken auch welche in mir, aber nennen kann ich meine leider nicht.

Macht es Spaß, einen Bösewicht zu spielen? Und haben Sie ab und zu selbst teuflische Gedanken?

Meine Figur in "Killer Joe" war ziemlich teuflisch, aber er hatte seine Gründe. Walter ist meine erste echte Bösewicht-Rolle. Jeder Mensch besitzt teuflische Gedanken. In uns allen steckt Licht und Dunkelheit. Gesellschaften oder generell die Menschheit verneinen oft ihr dunkles Potential, aber ich finde, dass es besser wäre, sich damit auseinanderzusetzen und zu versuchen, es zu verstehen, damit wir die richtigen Entscheidungen treffen können. Meine Freunde sagen immer, dass jeder einen guten und einen bösen Wolf besitzt. Ich versuche also, jeden Tag meinen guten Wolf zu füttern. Aber ich spüre, dass mir der böse Wolf dicht auf den Fersen ist. (lacht)

Interviews: Anke Hofmann

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