Das große Interview zum Kino-Comeback der "Bullyparade"

Aufstellung zum Comeback: Rick Kavanian (l.), Michael "Bully" Herbig und Christian Tramitz kehren mit "Bullyparade - Der Film" ins Kino zurück
Aufstellung zum Comeback: Rick Kavanian (l.), Michael "Bully" Herbig und Christian Tramitz kehren mit "Bullyparade - Der Film" ins Kino zurück
Foto: © herbX film
10 Jahre nach ihrem letzten gemeinsamen Film kehren Michael "Bully" Herbig, Rick Kavanian und Christian Tramitz mit "Bullyparade - Der Film" ins Kino zurück. Wir trafen die drei Comedy-Veteranen zum exklusiven Gespräch.

Zwischen 1997 und 2002 sorgten Michael "Bully" Herbig (GOLDENE KAMERA 2005), Christian Tramitz und Rick Kavanian mit der TV-Show "Bullyparade" nicht nur für Traumquoten. Sie bildeten auch die Sketch-Basis für drei erfolgreiche Kinoableger, die in Deutschland über 23 Millionen Zuschauer sehen wollten.

Nach "Der Schuh des Manitu" (2001), "(T)Raumschiff Surprise - Periode 1" (2004) und "Lissi und der wilde Kaiser" (2007) kehren Bully & Co. am 17. August mit "Bullyparade – Der Film" ins Kino zurück. Warum sie sich für ihr Kino-Comeback die Neuauflage ihrer Sketch-Show ausgesucht haben und dies die letzte Komödie ihrer Art sein wird, verraten uns Bully Herbig, Rick Kavanian und Christian Tramitz im Interview...

Bully Herbig, Rick Kavanian und Christian Tramitz im Video-Talk

Die "Bullyparade"-Macher im Interview

GOLDENE KAMERA: 15 Jahre ist das Ende der „Bullyparade“ im Fernsehen her, zehn Jahre der letzte Kinofilm. Hören Sie immer noch die Stimmen Ihrer Figuren im Kopf, oder warum gibt es jetzt eine Neuauflage?

CHRISTIAN TRAMITZ: Heißt das, wir sind schizophren?

Eher "oktophren" – jeder von Ihnen spielt ja insgesamt acht Figuren.

MICHAEL "BULLY" HERBIG: Unsere alten Gags haben eine gewisse Zeitlosigkeit, denn wir konnten damals gar nicht aktuell sein, weil wir ein knappes Jahr im Voraus produziert haben. Wir sind selbst überrascht, wie sehr es den Kids von heute gefällt, die das gar nicht aus dem Fernsehen oder Kino kennen. Wir dachten, die Nachfrage nach Fortsetzungen hört irgendwann auf. Aber der Druck hat sogar zugenommen, weil eine neue Generation nachwuchs. So entstehen Sätze wie: "Ihr seid die Helden meiner Kindheit." Oder: "Meine Mutter ist ein Fan von euch, aber ich finde euch auch gut."

RICK KAVANIAN: "Mit dir bin ich groß geworden."

HERBIG: Und: "Dank der 'Bullyparade' habe ich Deutsch gelernt!" Leute, die vor 20 Jahren nach Deutschland kamen und noch kein Wort Deutsch konnten, mochten, wie wir aussahen. Unsere Frauenklamotten. Oder sie haben sich mit Rick identifiziert, der immer unsere Ausländer spielte. Aber sie haben kein Wort verstanden – und wollten unbedingt wissen, was diese drei Freaks sagen.

TRAMITZ: Als sie dann Deutsch konnten, haben sie das nie mehr angeschaut.

Eine Fortsetzung von "Der Schuh des Manitu" wäre folgerichtig gewesen ...

TRAMITZ: Das war doch Kleinkram, wir wollten mal etwas Richtiges machen!

HERBIG: Jedenfalls haben wir vorher kein Testscreening gemacht. Das letzte war bei "Der Schuh des Manitu" und endete legendär: Weil die Effekte noch fehlten zu dieser Szene, in der ein Zug den Esel Apollo 13 überfährt, gab es dort nur ein leeres Bild mit halbfertigen Schienen und einer eingeblendeten Schrift: "Zug fährt auf uns zu." Das war der größte Lacher! Aus Frust habe ich nie wieder einen Film in so einem Zustand gezeigt.

TRAMITZ: Bei uns geht eh nur das Arthouse-Publikum ins Kino.

Ihre Filme sind nach dem Spaßprinzip gedreht und nicht nach Kalkulation, oder?

HERBIG: Ja. In dem Moment, in dem man Erfolge berechnet, fängt man an, bestimmte Dinge aufzugeben ...

KAVANIAN: ... und korrumpiert Kreativität.

HERBIG: Man kann das nicht vorher kalkulieren. Hätten wir das getan, hätten wir "Manitu" nicht gemacht. Ganz viele sagten: "Ein junges Publikum kann damit nix anfangen, denn die kennen die alten Filme nicht.“

TRAMITZ: Oder: "Deutscher Western geht nicht. TV-Serie ins Kino – das geht auch nicht." Aber es lief super.

Wie haben Sie entschieden, welche Figuren in den Film kommen? Es gab ja ein Facebook-Voting.

HERBIG: Eigentlich haben es alle gewünschten geschafft, außer "Bully und die Tapete".

TRAMITZ: Ich glaube, es gibt Figuren, die nur eine bestimmte Zeit halten. Yeti funktioniert auch nur in einer bestimmten Kürze. Und Pavel und Bronko funktionieren eher vor einem Livepublikum.

HERBIG: Wir haben versucht, für sie eine eigene Episode zu schreiben, einen Film noir in Schwarz-Weiß, der nur in einem Zugabteil spielt. Doch das haben wir verworfen.

"Pavel & Bronko"-Sketch aus der "Bullyparade"

Aber Sie wollten alle dabei haben?

HERBIG: Ja. Es gab die Möglichkeit einer Zeitreise, aber das haben wir schon mal gemacht mit "(T)Raumschiff Surprise". Das wäre dann so wie "Auf dem Highway ist die Hölle los": nacheinander Auftritte von Farrah Fawcett, Roger Moore, Sammy Davis jr. – krasser als krass! Ein Episodenfilm im Stil von Mel Brooks ist die elegantere Lösung.

Haben Sie die Sketche gemeinsam geschrieben und geprobt?

HERBIG: Ja, früher haben wir für die TV-Show alles gemeinsam entwickelt: Rick hat seinen Dimitri geschrieben oder mit Christian Pavel und Bronko. Die Kastagnetten haben wir zu dritt gemacht. Als wir mit dem Drehbuch für den Film begonnen haben, waren die ersten zwei Tage allerdings eher ...

TRAMITZ: ... zäh.

HERBIG: Aber als der Knoten geplatzt war, hatten wir wieder einen Lachflash nach dem anderen. Wie früher.

TRAMITZ: Bei uns herrscht durchaus eine relative Demokratie: Wenn es einer nicht gut findet, wird darauf gehört.

Hat sich in 20 Jahren seit dem Start der "Bullyparade" Ihr Humor verändert?

TRAMITZ: Mein Humor verändert sich dauernd, der hat sich – positiv formuliert – von Kindheit an entwickelt. Und er muss es.

KAVANIAN: Meinst du jetzt deine seltsamen dänischen Filme?

TRAMITZ: Ja, etwa "Men & Chicken", ein großartiger Film von Anders Thomas Jensen.

HERBIG: Ich lache nicht mehr über dieselben Sachen wie vor 30 Jahren. Kinder zum Lachen zu bringen, ist ja relativ wenig Aufwand. Du rennst einmal gegen die Tür – passt. Später kennt man viele Gags einfach schon. Aber es gibt auch immer wieder ein neues Publikum. Otto hat mal gesagt: "Bully, jeden guten Gag kannst du alle zehn Jahre noch mal bringen."

Es gab ja bei der "Star Trek"-Parodie die Vorwürfe der Schwulenklischees ...

KAVANIAN: Das Schwule war dabei nie das Entscheidende. Bully hat mal gesagt: "Das ist Hertie-Deutsch." Von Frauen mittleren Alters in diesen großen Kaufhallen, die uns früher Klamotten verkauft haben.

HERBIG: Ein Maskenbildner war ja vor 20 Jahren das Vorbild. Ganz ehrlich, die Zeit, sich darüber aufzuregen, ist doch echt vorbei. Es ist 2017! Das sind doch charmante, liebenswerte Figuren. Die mag man. Ich fände es schlimm, wenn man sie nicht parodieren dürfte. Aber tatsächlich: Wir haben das ein wenig zurückgenommen. Wir spielen das nicht mehr so voll auf die Zwölf wie damals.

Gibt es so etwas wie Weiterbildung für Comedians – beispielsweise alte Filme der Zucker-Brüder anschauen oder irgendwo ein Seminar belegen?

HERBIG: Die Zucker-Filme waren immer meine Bibel. Ich kann mir das auch heute noch angucken und finde es immer noch herrlich albern. Das müsste ich mal meinem siebenjährigen Sohn zeigen.

Trailer zur Zucker-Komödie "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" (1980)

TRAMITZ: Meiner ist elf, und der kannte die "Bullyparade" gar nicht. Vor Kurzem habe ich mit ihm einige Sketche wieder angeschaut – da waren ein paar gute dabei, aber auch ein paar unterirdische.

KAVANIAN: Da ist halt viel Kindliches drin, Unversautes, Unbefangenes. Kinder spüren das. Ich bin als Cowboy nicht gefährlich und kann nicht mal mit der Waffe umgehen.

Wie haben Sie die ganzen Stars für die Cameo-Auftritte bekommen?

HERBIG: In der TV-Show gab es die ja auch. Deshalb machen wir es jetzt mit der A-Liga des deutschen Kinos – und es hat uns wahnsinnig gefreut, dass alle gekommen sind.

Auch ein sehr kleiner Rockmusiker ...

HERBIG: Er ist einer der Größten im Rockgeschäft! Aber bitte nicht noch mehr verraten! Wir haben ihn vor Jahren mal parodiert.

KAVANIAN: (lacht) "Hänsel und Gretel bei mir zu Gast", so hieß damals der Sketch.

TRAMITZ: "Finde ich nicht witzig", hat er mal bei einer Talkshow zu mir gesagt.

HERBIG: Er ist ein unglaublich netter Kerl. Und jetzt schließt sich der Kreis.

Cameo-Sketch aus der "Bullyparade" mit DJ Bobo

Sie haben zuletzt mit anderen deutschen Regisseuren gearbeitet. Was haben Sie denn von Joseph Vilsmaier, Leander Haußmann, Wolfgang Petersen gelernt?

HERBIG: Unterschiedlicher könnten die drei nicht sein. Haußmann ist der verrückte Professor, der nachts noch mal alles über den Haufen schmeißt. Vilsmaier ist der Lässige, der wahnsinnig viel annimmt. Er hat mich mal drei Tage in den Schneideraum gelassen für "Die Geschichte vom Brandner Kaspar". Ich machte zwei, drei Vorschläge, und er sagte: "Ja, dann mach's halt." Und bei Petersen kommst du an den Set, und es ist alles perfekt eingerichtet. Da waren Doubles, die genau dieselben Klamotten anhatten wie die Hauptdarsteller und deren Texte konnten. Die haben uns vorgespielt: wer, wohin, welcher Satz. Da hat er viel Zeit gespart. Und er gibt wenig Regieanweisungen – wohl der amerikanische Weg. Er sagt nur "Noch mal, noch mal ...", bis das Richtige dabei ist. Er hatte schon Pitt, Clooney, Ford vor der Linse – mit denen hat er es wahrscheinlich auch so gemacht.

Der Film wird nach dem Kinostart erst auf Amazon und nicht im TV zu sehen sein. War das künstlerisch eine Erleichterung?

HERBIG: Amazon wollte unbedingt Teil des Projekts sein. Klar wollten sie das Drehbuch lesen, aber eher aus Neugier. Da hat uns niemand "dramaturgisch beraten".

TRAMITZ: Mit Gagschreibern würde es auch nie funktionieren. Du musst Teil von uns sein.

Würde Amazon die TV-Show neu starten?

HERBIG: Sofort.

TRAMITZ: Ehrlich?

HERBIG: Aber ohne euch! Rick habe ich ja schon als King Klon digital eingescannt, den brauche ich nicht. Und Christian wurde nur für das Merchandising fotografiert. Im Grunde könnte ich das allein machen.

Mini-Making-of zu "Bullyparade - Der Film

"Der Schuh des Manitu" sieht jedenfalls nach 16 Jahren immer noch gut aus.

HERBIG: Deshalb waren wir auch wieder in der Nähe von Almería. "Manitu" lag zwei Jahre rum, und Produzenten, die es hätten machen wollen, sagten: "Das drehst du im Bayerischen Wald oder im Schwarzwald. Der Helge Schneider hat das doch auch gemacht." Die haben nicht verstanden, dass es kein Trash werden sollte. Deshalb wollte ich auch nicht nach Jugoslawien, ich fand als Kind schon, dass die Winnetou-Filme aus den 60ern nicht wie der Wilde Westen aussahen.

Ist denn "Bullyparade – Der Film", wie zu lesen war, jetzt Ihre letzte Komödie?

HERBIG: Nein, das habe ich auch gelesen. Nur: Die Rede war immer von Parodien dieser Form. Da ist der Film das Finale. Aber es gibt noch viele andere Arten der Komödie – wie diese dänischen, die Christian immer guckt.

KAVANIAN: Damit liegt er uns seit Tagen in den Ohren. Vielleicht machen wir einen Film auf Dänisch? Oder in Dänemark?

TRAMITZ: "Adams Äpfel", den muss man auch gesehen haben!

Trailer zu "Adams Äpfel" (2005)

HERBIG: Wenn "Bullyparade – Der Film" erfolgreich läuft, um so besser, dann ist es ein wunderbarer Abschluss. Wenn nicht, ist es egal, weil es sowieso der letzte seiner Art ist.

TRAMITZ: Aber fröhlich wären wir nicht.

HERBIG: Nein, aber wir hätten dann eine "Entscheidungshilfe" für künftige Projekte.

Wenn Bully Herbig das Filmgenre wechselt, was sollte er dann drehen?

KAVANIAN: Du machst doch als Nächstes einen Thriller, oder nicht?

HERBIG: Ja. Aber vielleicht mache ich eines Tages mit euch beiden auch mal einen Erotikfilm.

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