Christian Bale: "'The Promise' kann uns heute ein Beispiel sein"

Zum Kinostart des Historien-Dramas "The Promise: Die Erinnerung bleibt" sprachen wir mit Oscar-Gewinner Christian Bale über seine Rolle und den Völkermord an den Armeniern anno 1915.

Wenn am 17. August in unseren Kinos "The Promise: Die Erinnerung bleibt" anläuft, in dem Regisseur Terry George ("Hotel Ruanda") eine Liebesgeschichte a la "Doktor Schiwago" vor der dramatischen Kulisse des türkischen Genozid an den Armeniern erzählt, schlüpft Oscar-Gewinner Christian Bale ("The Fighter") in die Rolle des westlichen Beobachters.

Darum geht's in "The Promise: Die Erinnerung bleibt"

Trailer zu "The Promise: Die Erinnerung bleibt" (Kinostart: 17.8.2017)

Christian Bale spielt den amerikanischen Fotoreporter Chris Myers, der kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs zusammen mit seiner französischen Künstlerfreundin Ana (Charlotte Le Bon) in Konstantinopel weilt. Als sich Ana Hals über Kopf in den armenischen Medizinstudenten Mikael (Oscar Isaac) verliebt, ist jedoch die drohende Untreue seiner Geliebten nur ein Nebenschauplatz. Denn mit Kriegsbeginn brechen nicht nur in der Hauptstadt des osmanischen Reiches Säuberungsaktionen gegen die "illoyalen" Armenier aus, denen Mikael und die ebenfalls über armenische Wurzeln verfügende Ana zu entkommen versuchen.

Christiane Bale im Interview

GOLDENE KAMERA: Was können Sie uns über Ihre Figur Chris Myers verraten?

CHRISTIAN BALE: Er ist ein Sensationsreporter. Meine Vorbilder für diese Rolle waren Upton Sinclair und der berühmte Journalist Lincoln Steffens, der das Buch "The Shame of the Cities" geschrieben hat. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich nichts über den Völkermord an den Armeniern wusste, bis ich das Drehbuch las. Entweder war ich ein schlechter Schüler oder habe einfach nicht im Unterreicht zugehört, aber die dramatischen Geschehnisse rund um den Berg Musa Daği waren mir vor "The Promise" kein Begriff. Die Liebe zu einer Frau ist der Grund, warum meine Figur in die Handlung involviert wird. Zuerst ist Chris nur ein passiver Beobachter, wie es die journalistische Ethik vorschreibt. Aber dann packt er selbst mit an.

Was hat Sie am meisten über die geschichtlichen Hintergründe überrascht?

Wie viel in den amerikanischen Zeitschriften damals darüber berichtet wurde. Und wie viel Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft Amerika damals zeigte. Das kann uns heute ein Beispiel sein. Der Film dreht sich zwar um den armenischen Genozid vor hundert Jahren, aber wir hoffen, dass wir Menschen auf Völkermord im Allgemeinen aufmerksam machen werden. Denn Genozid gibt es leider auch heute, wie den Völkermord an den Jesiden oder das Grauen in Ruanda vor ein paar Jahren.

Haben Sie viele Bücher über das Thema als Vorbereitung für diese Rolle gelesen?

Regisseur Terry George hat mir einen Stapel voller Bücher als "Gute-Nacht-Lektüre" gegeben. Aber ich habe keins davon zu Ende gelesen. Ich bin halt ein sehr langsamer Leser. (lacht) Ich bleibe oft auf Seiten stecken, weil ich gerne alles genau unter die Lupe nehme. Ich habe mir allerdings viele Dokumentationen über das Thema Völkermord angeschaut.

Könnten Sie sich den Beruf als Kriegsjournalist vorstellen?

Das hängst vom Familienstand ab. Als Vater sind Kinder für mich die erste Priorität, ich würde mich also nicht an die Front begeben. Ich habe das Gefühl, dass wir alle eine sehr romantische Vorstellung von Kriegsreportagen haben, was sehr falsch ist, denn die Realität ist brutal und alles andere als romantisch. Nichtsdestotrotz braucht die Welt mutige und engagierte Journalisten mehr denn je, die über die wahren Begebenheiten berichten und uns informieren.

In "The Promise" geht es um ein Liebesdreieck. Wie eifersüchtig sind Sie selbst?

Mein Verhältnis zur Eifersucht behalte ich lieber für mich selbst! (lacht) Aber Chris wusste instinktiv, dass er keine Chance mehr hat, sobald Mikael (Oscar Isaac) in Anas (Charlotte Le Bon) Leben aufgetaucht ist. Meine Figur ist ein sehr stolzer, arroganter, rechthaberischer Mann. Es grenzt wahrscheinlich sogar an Hybris heran. Ana ist ihm gegenüber verpflichtet und steht in seiner Schuld, aber Chris weiß, dass seine Beziehung mit Ana nie die Tiefe und Wahrhaftigkeit erreichen kann, die zwischen Ana und Mikael existiert.

Wie gut stehen Sie zu Ihrem Wort? Halten Sie Ihre Versprechen ein?

Versprechen können einen in ganz schöne Schwierigkeiten bringen, denn wenn man einmal etwas verspricht, kann man es nicht mehr rückgängig machen. Die wichtigen Versprechen halte ich in meinem Leben ein. (lacht)

Haben Sie für diesen Film die armenische Kultur in Los Angeles studiert?

Ja, ich habe mir die Reality-Soap "Keeping Up with the Kardashians" angeschaut! (lacht)

Interview: Anke Hofmann

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